Die globale Automobilindustrie steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Während etablierte Hersteller aus Europa, Japan und den USA um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen, gewinnen chinesische Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge erwarten 48 Prozent der befragten Führungskräfte, dass im Jahr 2035 bereits sechs der zehn größten Automobilhersteller weltweit ihren Hauptsitz in China haben werden.
Für die 26. Ausgabe des „Global Automotive Executive Survey“ hat KPMG weltweit 775 Führungskräfte der Automobilindustrie befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Kräfteverhältnisse nach Einschätzung vieler Manager in den kommenden neun Jahren erheblich verschieben könnten. Entscheidend dafür sei weniger die traditionelle Stärke in der Fahrzeugproduktion als vielmehr die Fähigkeit, neue Technologien schnell und erfolgreich einzusetzen.
So erwarten 51 Prozent der Befragten, dass Software und digitale Technologien bis 2035 zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb werden. Bereits heute betrachten 49 Prozent der Führungskräfte softwaredefinierte Fahrzeuge und Over-the-Air-Funktionen als etablierte Bestandteile ihres Geschäfts. Bei der unternehmensweiten Umsetzung besteht allerdings erheblicher Nachholbedarf: Nur 36 Prozent der KI- und Softwareinitiativen haben bislang den Sprung über die Pilotphase hinaus geschafft.
„Führungskräfte in der Automobilindustrie müssen derzeit mehrere grundlegende Veränderungen gleichzeitig bewältigen“, erklärt Andreas Ries, Global und Deutschland Head of Automotive bei KPMG. Dabei gehe es neben technologischen Entwicklungen auch um geopolitische Herausforderungen, veränderte Kundenwünsche und neue Geschäftsmodelle. Entscheidend sei letztlich die Fähigkeit, „Technologie in Kundennutzen zu übersetzen“.
KI spielt in Asien größere Rolle
Gerade hier sieht die Studie Vorteile für die asiatisch-pazifische Region, auch wenn diese prozentual geringer ausfallen, als manche vielleicht vermuten würden. Dort berichten 57 Prozent der Führungskräfte von erheblichen Investitionen in KI und neue Technologien. In Europa sind es 52 Prozent, auf dem amerikanischen Kontinent 48 Prozent. Auch bei der Integration autonomer Fahrfunktionen und moderner Assistenzsysteme liegt Asien nach den Umfrageergebnissen vorne.
Zugleich gewinnen Kooperationen an Bedeutung. Der Anteil der Wertschöpfung, der durch externe Partnerschaften und Unternehmensnetzwerke ermöglicht wird, könnte laut KPMG innerhalb von drei Jahren von derzeit 30 auf 44 Prozent steigen. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit dürfte damit ebenfalls zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor werden.
Die Ergebnisse sind vor allem für die europäischen Automobilhersteller ein Warnsignal. Chinesische Unternehmen haben sich bei Elektroautos, Batterietechnologien und digitaler Fahrzeugentwicklung bereits eine starke Position erarbeitet. Allerdings handelt es sich bei der KPMG-Untersuchung um Erwartungen von Führungskräften und nicht um eine belastbare Prognose konkreter Marktanteile. Klar ist dennoch: Die bisherigen Kräfteverhältnisse in der Automobilindustrie sind keineswegs in Stein gemeißelt. Wer künftig zu den Marktführern zählt, wird zweifellos davon abhängen, wie konsequent die Unternehmen Elektrifizierung, Softwareentwicklung und neue Geschäftsmodelle miteinander verbinden.
Quelle: KPMG – Pressemitteilung vom 21. Oktober 2026








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