CO2-Flottengrenzwerte: Druck auf Händler bleibt hoch

CO2-Flottengrenzwerte: Druck auf Händler bleibt hoch
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Daniel Krenzer
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Die Automobilhersteller sollen in der EU eine Galgenfrist erhalten, indem die neuen CO2-Flottengrenzwerte nicht schon in diesem Jahr erreicht werden müssen, sondern erst für den Dreijahreszeitraum bis 2027. Da aber auch das nur durch einen deutlich erhöhten Absatz von Elektroautos möglich sein wird, bleibt der Druck auf die Händler hoch, mehr Autos mit geringem oder keinem anrechenbaren CO2-Ausstoß an die Kunden zu bringen. „Während die Hersteller also die Chance zum Durchatmen bekommen und darauf hoffen können, dass es die vielen neuen Elektro-Modelle in den kommenden Jahren leichter machen werden, die Zielvorgaben zu erfüllen, halten sie den Druck auf ihre Partner im Handel unvermindert hoch“, schreibt die Automobilwoche dazu.

So sei bei fast allen Herstellern die Auszahlung von bestimmten Boni an eine prozentuale Erfüllung beim E-Auto-Absatz gekoppelt. Stellantis gebe beispielsweise durchschnittlich 20 Prozent E-Auto-Anteil über alle Marken hinweg vor, bei Toyota müssten mindestens 17 Prozent Elektroautos inklusive Plug-in-Hybride verkauft werden.

Transport & Environment hat schon vor einiger Zeit berechnet, wie hoch der Elektroauto-Anteil bei den Absatzzahlen bei den verschiedenen Herstellern steigen müsste, um die neuen Zielvorgaben zu erreichen. Am sportlichsten dürfte dies für die Volkswagen-Gruppe werden, bei der nun jedes vierte verkaufte Auto ein vollelektrisches sein müsste. Und jedes Elektroauto, das dieses Jahr zu wenig an die Kunden gebracht wird, muss dann dafür 2026 oder spätestens 2027 zusätzlich zu den 25 Prozent verkauft werden. Doch zu diesem Malus soll es gar nicht erst kommen. „Wir als Marke Volkswagen haben einen Plan, in 2025 das CO2-Ziel in Europa zu erreichen. Mit dem Volumen an Elektroautos, aber auch Plug-in-Hybriden, die wir geplant haben und die wir verkaufen wollen. Und an diesem Plan halten wir auch fest“, wird Vertriebsvorstand Martin Sander zitiert.

Hersteller ändern eingeschlagenen Kurs nicht

Mercedes-Benz müsste den Berechnungen zufolge immerhin 24 Prozent Elektroautos verkaufen, bei BMW sind es 22 Prozent. Die Münchner hatten aber zuletzt bereits ihre Ziele übererfüllt. Etwas leichter mit dem Erreichen der Ziele aufgrund weniger CO2-intensiven Fahrzeugen im Gesamtportfolio haben es den Berechnungen zufolge die europäischen Mitbewerber Renault mit 18 Prozent, Stellantis mit 15 Prozent und Volvo mit 14 Prozent.

Auch andere Hersteller wie BMW, Toyota und Hyundai äußerten sich dahingehend, durch den Aufschub seitens der EU die eigene Elektrifizierungsstrategie nicht anpassen zu wollen. Damit soll offenbar vermieden werden, dass 2027 zum Ende des Betrachtungszeitraumes hin eine Situation entsteht, in der die Hersteller massiv dazu gezwungen sind, eine Vielzahl von Elektroautos auf den Markt zu bringen – was sicherlich mit einem massiven Preisverfall einhergehen würde.

Die Automobilwoche stellt dementsprechend wie auch EAN bereits vor einigen Wochen fest, dass die Hersteller die nun von der EU angekündigte Entlastung eigentlich gar nicht gebraucht hätten, während die Luft bei den Händlern bereits deutlich dünner war und noch dünner werden dürfte. „Etliche Händler haben ihr Pulver schon jetzt komplett verschossen. Viele arbeiten mit Null-Deckungsbeiträgen, um ihre Elektro-Ziele zu erreichen“, wird Thomas Peckruhn als ZDK-Vizepräsident zitiert. Das heißt: Elektroautos werden zum Teil ohne Gewinn an Kunden abgegeben, um nicht die von den Herstellern gesetzten Verkaufsziele zu gefährden. Hier war zuletzt dem Handel nicht zuträglich, dass von einigen Politikern und Medien die Elektromobilität insgesamt vermehrt infrage gestellt und schlecht geredet worden ist.

Quelle: Automobilwoche – E-Auto-Ziele: Kein Aufatmen für Händler

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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