Autoindustrie: EU kündigt Erleichterungen bei CO2-Strafen an

Autoindustrie: EU kündigt Erleichterungen bei CO2-Strafen an
Copyright:

Alexandros Michailidis / Shutterstock / 2416107639

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge hat EU-Kommissionsvizepräsident Stéphane Séjourné, verantwortlich für die Industriepolitik der EU, den Autoherstellern ein Entgegenkommen bei den CO2-Flottengrenzwerten signalisiert, sollten sie nicht ausreichend Elektroautos verkaufen können, um ihre Ziele einzuhalten: „Wir prüfen momentan mehrere Optionen, um eine schnelle Lösung ohne eine zwingende Einbeziehung von Europaparlament und Ministerrat zu ermöglichen“, sagte Séjourné demnach in einem Gespräch, an dem neben der FAZ auch die Financial Times und Le Monde beteiligt waren. Die konkreten Vorschläge, wie den Herstellern Strafen für das Reißen ihrer CO2-Limits erspart bleiben können, sollen wie geplant in der kommenden Woche, am 5. März, vorgelegt werden.

Séjourné zufolge bleibe die EU-Kommission bei ihrem Standpunkt, am Ende fossil betriebener Verbrenner ab 2035 – das so nicht korrekt bezeichnete „Verbrennerverbot“ – festzuhalten. Ein Verbot von Verbrennern, soviel zur Erklärung, enthält die Verordnung gar nicht, anders als von manch lauten Stimmen behauptet: Zum einen, weil Bestandsfahrzeuge weiter gefahren werden dürfen, zum anderen, weil die Verordnung eine Ausnahme enthält für mit E-Fuels betriebene Verbrenner.

Eine wichtige Forderung aus der Automobilindustrie greift die EU jedoch auf; die eigentlich erst für 2026 geplante Überprüfung der Flottengrenzwerte soll auf dieses Jahr vorgezogen werden. „Dann haben wir nicht erst 2027, sondern im kommenden Jahr Ergebnisse“, so Séjourné. Zu dem Paket, das die EU kommende Woche vorstellen will, gehören laut FAZ auch Maßnahmen für einen Bürokratieabbau und niedrigere Energiepreise. An den grundsätzlichen Zielen des Green Deal soll festgehalten werden.

„Wir reden hier von Notfallmaßnahmen, um unsere Industrie zu entlasten und EU-Regeln an die Realität anzupassen“, so der Kommissionsvize weiter. „Wir drehen nichts zurück, wir vollziehen keine 180-Grad-Wende“, betonte Séjourné demnach. Die Gesetze hätten „schlicht den Realitätscheck nicht bestanden“, was bei ihrer Verabschiedung nicht absehbar gewesen sei.

Das Maßnahmenpaket soll dem Bericht der FAZ zufolge auch Förderungen enthalten, die europäische Produkte bevorzugen und mit Subventionen unterstützen. 100 Milliarden Euro sollen dafür für vorgesehen sein, allerdings nicht nur für die Autoindustrie, sondern etwa auch die Schwer-, Stahl- und Chemieindustrie. „Was wir vorlegen, ist nicht weniger als ein neues Geschäftsmodell für die Industrie“, kündigte Séjourné demnach an, „Sektor für Sektor“ sollen konkrete Vorschläge vorgelegt werden.

Einen kleinen Seitenhieb auf den designierten neuen Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU geb es in dem Gespräch demnach auch. Das Thema, eine gemeinsame Industriepolitik zu entwickeln, „kam im Wahlkampf viel zu kurz.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung – Brüssel will Autoindustrie CO2-Strafen ersparen

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.