Zwischen Audi und seinem Mutterkonzern Volkswagen bahnt sich ein Machtkampf an. Auslöser ist eine neue Konzernstrategie, an der VW-Chef Oliver Blume derzeit arbeitet. In der Wolfsburger Zentrale wird zunehmend offen darüber gesprochen, Kapazitäten in Deutschland zu senken oder sogar Werke zu schließen. Obwohl Audi bereits 2025 Kosten gesenkt und das weniger rentable Werk in Brüssel geschlossen hat, könnte der Premium-Tochter eine weitere Sparrunde bevorstehen – diesmal möglicherweise auch am Standort Neckarsulm, wie das Handelsblatt berichtet.
Audi-Chef Gernot Döllner bringt sich bereits in Stellung, um die Auswirkungen auf sein Unternehmen zu begrenzen. Dabei sucht er Verbündete, allen voran den neuen Porsche-Chef Michael Leiters. „Döllner stimmt sich aktuell sehr eng mit Leiters ab. Die beiden sprechen beinahe täglich miteinander“, zitiert das Handelsblatt einen ranghohen Konzernvertreter. Beide versuchten, ihre Strategien zu koordinieren und die Synergien zwischen den Marken zu erhöhen. In Aufsichtsratskreisen der Ingolstädter gelten weitere Kostenmaßnahmen in Neckarsulm als indiskutabel.
Audi selbst teilt auf Anfrage mit, dass es „aktuell keine Entscheidung zu weiteren Kapazitätsanpassungen an deutschen Audi-Standorten“ gebe. Durch die Werksschließung in Brüssel sei die Gesamtkapazität bereits reduziert. Doch der Druck wächst, denn wichtige Aufsichtsratsmitglieder – insbesondere Vertreter der Familien Porsche und Piëch – verlangen harte Sparmaßnahmen. Die Zahlen des Gesamtkonzerns stimmen nicht, weil die gewohnt hohen Renditen der Premiumtöchter zunehmend wegbrechen. Audis Rendite lag 2025 bei 3,9 Prozent, bei Porsche fiel die Marge sogar von 20 auf magere 0,3 Prozent. Aktuell finanziert vor allem die Einstiegsmarke Škoda die Dividende der Großaktionäre.
Hinzu kommt das ungelöste Problem in den USA. Weder Audi noch Porsche produzieren dort. Seit Inkrafttreten der erhöhten US-Einfuhrzölle im April vergangenen Jahres hat Audi Belastungen von über einer Milliarde Euro erlitten. Allein 2026 dürften die Zölle das Ergebnis laut Handelsblatt-Informationen mit rund 1,6 Milliarden Euro belasten. Audi selbst geht von einem ähnlichen Umfang wie 2025 aus, als die Belastung bei 1,2 Milliarden Euro lag. Eine Wachstumsstrategie, die den US-Absatz auf bis zu 400.000 Autos verdoppeln sollte, ist ohne eigenes Werk kaum umsetzbar.
Audi bewegt sich zwischen Kleinwagen und fehlendem Plan B
Auch in China zeichnet sich kein Durchbruch ab. Die gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner SAIC eingeführte Wortmarke AUDI hat mit dem E5 einen durchwachsenen Start hingelegt – im Januar rund 600 verkaufte Exemplare, im Februar 706. Immerhin war der E5 damit das meistverkaufte Elektroauto einer deutschen Marke in China. Von der knapp einen Milliarde Euro, die Volkswagens China-Geschäft 2025 einspielte, stammten mehr als 500 Millionen Euro von Audi.
In Europa hängt der Neustart unter Döllner an zwei Modellen. Der A2 E-tron, das kleinste Auto im Audi-Portfolio, soll noch in diesem Jahr in Ingolstadt vom Band rollen und ausschließlich in Europa angeboten werden. Aus Konzernkreisen heißt es, dass Audi mit einer jährlichen Produktionsmenge von bis zu 60.000 Stück plant.
Der deutlich wichtigere A4 E-tron lässt hingegen auf sich warten. Während BMW sein Pendant bereits vorgestellt hat und Mercedes die elektrische C-Klasse demnächst präsentieren wird, hängt Audis Mittelklasse-Limousine an zwei Entwicklungsprojekten: der konzernweiten Elektroautoplattform SSP und der Software-Entwicklung, die größtenteils beim US-Automobilhersteller Rivian liegt.
Erst 2028 sollen beide Projekte fertiggestellt werden. Bis dahin drohen Audi empfindliche Rückschläge im Flottengeschäft, denn Mittelklasse-Limousinen von Audi, BMW und Mercedes zählen zu den beliebtesten Firmenwagen. VW berichtet zwar von erfolgreichen Wintertests mit Rivian-Software, doch einen Plan B hat Döllner für den elektrischen A4 nicht. Plattform und Software müssen pünktlich kommen – sonst fällt Audi im elektrischen Mittelklassesegment noch weiter hinter die Konkurrenz zurück.
Quelle: Handelsblatt – Mit Porsche gegen VW – Audi-Chef kämpft für seine Strategie






Wird geladen...