Audi hält trotz Verzögerungen beim Hochlauf der Premium Platform Electric (PPE) konsequent an seinem Kurs fest. Gerd Walker, Produktionsvorstand der Marke, macht im Interview mit der Automobilwoche deutlich, dass weder die Elektrifizierungsziele noch die Digitalisierungsstrategie ins Wanken geraten sind. „Wir haben unseren Zeitplan nicht verändert“, betont er. Das Ziel, die Werke bis Ende des Jahrzehnts zu elektrifizieren, sei von Beginn an klar definiert gewesen. „Wir sind voll im Plan – bei der Digitalisierung der Produktion kommen wir sogar schneller voran als geplant.“
Vor diesem Hintergrund ordnet Walker auch die Verzögerungen rund um die PPE-Plattform ein. Sie hätten den strategischen Rahmen nicht verschoben. In Ingolstadt sei die Produktion der Q6 e-tron-Familie bereits 2023 angelaufen, seit 2024 folge die A6 e-tron-Reihe. „Wir sind wirklich glücklich über die Fahrzeuge, die wir da jetzt am Markt haben“, sagt er. Insgesamt funktioniere der Hochlauf der Elektromobilität gut, was sich auch in den Zahlen widerspiegele: Rund 223.000 ausgelieferte Elektroautos im vergangenen Jahr bedeuten ein Plus von etwa 36 Prozent.
Dieser operative Fortschritt bildet aus Walkers Sicht die Basis für den nächsten Technologieschritt. Neue Designs wie das auf der IAA gezeigte Concept C erhöhen die Anforderungen an Produktion und Prozesse deutlich. Das sogenannte Radical Next Design sei in der Großserie anspruchsvoll und erfordere ein Zusammenspiel aus klassischem Werkzeugbau und digitalen Werkzeugen. „Extrem wichtig sind unsere Werkzeugbaukompetenzen – genauso wie KI- und Digitalisierungstools, um vorab simulieren zu können, was auf uns zukommt“, erklärt Walker. Parallel müssten Produktionsprozesse, die aus der Kleinserie stammen, für die Großserie weiterentwickelt werden.
Kleinserienfertigung als Reallabor für neue Technologien
Genau hier sieht Walker die Stärke der Kleinserienfertigung in den Böllinger Höfen in Neckarsulm. Sie fungiere als Reallabor für neue Technologien, die nicht sofort in die Großserie ausgerollt würden. Für das Concept C laufen dort bereits konkrete Vorbereitungen. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, so Walker. Ende des vergangenen Jahres hätten die Baumaßnahmen für neue Produktionsanlagen begonnen – eingebettet in den regulären Produktzyklus.
Flankiert wird diese technologische Entwicklung durch hohe Investitionen. In der jüngsten Zukunftsvereinbarung hat Audi acht Milliarden Euro für die deutschen Standorte zugesagt. Ein Großteil fließt laut Walker in Infrastruktur und Produktionsanlagen für neue Elektromodelle. In Ingolstadt werde unter anderem ein kompaktes Elektromodell vorbereitet, hinzu komme die Q3-Produktion im Verbund mit dem ungarischen Werk. Ferner investiere Audi gezielt in Innovationen sowie in die Digitalisierungs- und Technik-Roadmap, die schrittweise in die Werke übertragen werde.
Mit Blick auf die Auslastung der Standorte betont Walker die langfristige Planung. Die Werksbelegung werde mehrere Jahre im Voraus festgelegt, plattformorientiert und in enger Abstimmung mit dem Konzern. Ziel sei „ein Gesamtoptimum und eine gute Auslastung für alle Werke“. Auch eine mögliche Audi-Produktion in den USA werde intensiv geprüft, sei aber komplex. „Die Entscheidung für ein Werk wird langfristig getroffen“, sagt Walker. Neben Zöllen und politischen Rahmenbedingungen spielten Marktentwicklung, Modellplanung und das bestehende Produktionsnetzwerk eine zentrale Rolle. Hinzu komme, dass es „ein entsprechendes Entgegenkommen der US-Regierung“ brauche.
Eine stärkere Eigenständigkeit der Marke gegenüber dem Konzern hält Walker dabei nicht für notwendig. Die Abstimmung funktioniere gut, synergetische Interessen seien ausdrücklich gewollt. Das gelte auch für die Digitalisierung der Produktion. Audi übernehme konzernweit die Führungsrolle beim Thema KI-Robotik, während andere digitale Themen gemeinsam vorangetrieben würden. Grundlage dafür ist eine konzernweite digitale Produktionsplattform, über die sich mehr als 43 Werke austauschen. „Insellösungen für einzelne Marken sind von gestern“, stellt Walker klar. Datendurchgängigkeit und saubere Datenstrukturen seien das Fundament jeder wirksamen Digitalisierung.
Audi: Künstliche Intelligenz als zentraler Hebel der Zukunft
Entsprechend klar fällt sein Urteil zur Rolle von Künstlicher Intelligenz aus. „Für mich definitiv nicht denkbar“, sagt Walker mit Blick auf eine moderne Produktion ohne KI. Sie sei der entscheidende Hebel für Effizienz, Nachhaltigkeit und Flexibilität. Seine Vision sind „denkende Fabriken“, in denen KI Mitarbeitende gezielt unterstützt – nicht punktuell, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Dazu zählt auch eine engere digitale Einbindung der Lieferanten. Mit dem Group Tower habe Audi bereits ein Instrument geschaffen, das große Teile der Lieferkette digital abbilde und Echtzeitdaten zum Materialfluss ermögliche. Am Ziel sei man jedoch noch nicht. „Daten sind ein Schatz für jedes Unternehmen und diesen gilt es auch zu hüten“, sagt Walker. Um Lieferanten für mehr Datendurchgängigkeit zu gewinnen, setzt er auf den gemeinsamen Nutzen: höhere Planungssicherheit, frühere Programmänderungen und stabilere Prozesse auf beiden Seiten. „Das ist keine Einbahnstraße“, so Walker – Voraussetzung bleibe ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Informationen.
Quelle: Automobilwoche – Audi-Produktionschef Walker: „Insellösungen für einzelne Marken sind von gestern“








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