Die Zusammenarbeit von Audi und Porsche hat eine lange Tradition, die beiden Marken rücken nun noch näher zusammen. Beide Hersteller, die in den Worten der Automobilwoche „über viele Jahre als Goldesel des VW-Konzerns galten“, stecken in der Krise. Durch markenübergreifende Entwicklung und Nutzung gemeinsamer Architekturen wollen die Schicksalspartner Kosten einsparen und neue Modelle schneller auf den Markt bringen.
„Audi ist ein zentraler Partner für uns, wir wollen die gemeinsamen Potenziale noch stärker nutzen“, sagte Porsche-CEO Michael Leiters, der seine Rolle am 1. Januar dieses Jahres übernommen hat, gegenüber der Automobilwoche. Leiters und Audi-Chef Gernot Döllner kennen sich bereits durch ihre Zusammenarbeit bei Porsche und „konnten gut miteinander“, wie Döllner anmerkte.
„Beide können nicht mehr anders, die Kosten müssen deutlich runter“, äußerte ein Konzern-Insider über die enge Zusammenarbeit beider Marken, die in der Vergangenheit nicht immer durch Eintracht geprägt war. „Eitelkeiten der selbstbewussten Entwicklungsabteilungen“, aber auch die Konkurrenz im Motorsport und nicht zuletzt der Dieselskandal, haben laut der Automobilwoche „jede Kooperation zum Drahtseilakt“ gemacht, sodass VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume immer wieder schlichten musste.
„Das ist heute ein ganz anderes Miteinander als noch vor ein paar Jahren“, hieß es von einem beteiligten Ingenieur. Heute zwingt vor allem die finanzielle Situation alle Beteiligten dazu, persönliche Eitelkeiten hinten anzustellen. Die geopolitische Lage mit verschärfter Zollpolitik macht beiden Marken zu schaffen. Sowohl in China als auch in den USA kriselt es. Während die Investitionen hoch bleiben, ist die Wachstumsdynamik früherer Jahre derzeit nicht in Sicht.
Hohe Kosten für Porsches Strategieänderung
Porsche schaffte es im vergangenen Jahr nur knapp, nicht in den Verlustbereich zu rutschen. Grund dafür waren die hohen Investitionskosten für den Strategieschwenk von der ehemals ambitionierten Elektrostrategie, die bis 2030 rund 80 Prozent der Neuwagen als Elektroautos vorsah, zu neuen Verbrennermodellen.
Audi wiederum hat mit dem A6 e-tron und dem Q6 e-tron zwei erfolgreiche E-Modlle im Portfolio und erzielte mit mehr als 223.000 ausgelieferten Elektroautos einen neuen Rekord. Gleichzeitig erreichen der A6 und der A5 mit Verbrennungsmotor hingegen nicht mehr die Stückzahlen früherer Generationen.
Bereits in früherer Zusammenarbeit, vor allem, nachdem Porsche 2012 vollständig in den Volkswagen-Konzern integriert wurde, teilten sich Audi- und Porsche-Modelle gemeinsame Plattformen. Dazu gehörten etwa der Porsche Cayenne der dritten Generation und der Audi Q7, aber auch der Macan und der Q5. Mit der Elektrifizierung wurde unter anderem die PPE-Plattform entwickelt, auf der sowohl der Elektro-Macan als auch der Audi Q6 e-tron und der A6 e-tron stehen. Die Zusammenarbeit spare 30 Prozent der Kosten ein, hieß es damals von Blume.
Gemeinsame Plattformen und weniger Varianten
Von der gegenwärtigen Zusammenarbeit versprechen sich die Beteiligten ebenfalls Kosteneinsparungen. Porsche will dadurch zu vertretbaren Kosten wieder mehr Verbrennermodelle auf den Markt bringen und idealerweise, ohne Zeit zu verlieren. Daher wird der Macan-Nachfolger auf dem aktuellen Q5 und der geplante Siebensitzer-Cayenne auf dem Q9 aufsetzen. Beide Modelle stehen auf der von Audi entwickelten PPC-Plattform. Innerhalb der künftigen Baureihen soll es zudem weniger Varianten geben, denn man müsse die Komplexität reduzieren, merkte der Porsche-Chef an.
Audi wiederum hat im vergangenen Herbst auf der IAA den elektrischen Nachfolger des Roadsters TT als Showcar Concept C vorgestellt. Der Zweisitzer soll auf der Plattform von Porsches elektrischer Baureihe 718 stehen. Wie der Boxster und der Cayman setzt er auf ein zentral angeordnetes Batteriepaket, durch das ein Fahrverhalten wie bei einem klassischen Mittelmotor-Sportwagen ermöglicht werden soll.
Jüngsten Gerüchten, Porsche plane, die elektrische Baureihe 718 einzustampfen, widersprach Porsche-Chef Leiters auf der Bilanzpressekonferenz. Am Rande der Konferenz soll er erklärt haben, dass das Auto „fantastisch“ ist und man nun sehen muss, es „auf den Markt zu bekommen“. Gleichzeitig bekräftigte er die Zusammenarbeit mit Audi und erklärte: „Wir bleiben hier ein verlässlicher Partner.“
Quellen: Automobilwoche – Darum rücken Audi und Porsche in Zukunft enger zusammen / Electrive – Porsche arbeitet wohl weiter an elektrischen 718-Nachfolgern







Wird geladen...