Audi: Drei Krisen, ein Chef, kein Ausweg in Sicht

Audi: Drei Krisen, ein Chef, kein Ausweg in Sicht
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Audi | Audi CEO Gernot Döllner

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Für Audi-Chef Gernot Döllner verdichtet sich der Druck von mehreren Seiten gleichzeitig, wie das Manager-Magazin berichtet. Das Elektroauto-Werk in China läuft nahezu leer, das Schlüsselprojekt Elektro-A4 steckt in einer Kostensackgasse – und der VW-Konzern zieht sich offenbar aus der gemeinsamen Plattform zurück. Es ist eine Häufung von Rückschlägen, die das Unternehmen in eine seiner schwierigsten Phasen seit Jahren führt.

Besonders augenfällig ist die Lage beim Joint Venture Audi FAW NEV Co., kurz Nevco, in dem Audi seine Elektroautos für den chinesischen Markt produziert. Das Werk nahe Changchun könnte nach eigenen Angaben bis zu 150.000 Fahrzeuge im Jahr fertigen – die tatsächliche Auslastung liegt weit darunter. Im ersten Quartal verkaufte Audi in China weniger als 1000 elektrische Q6L. Die Beratung JSC Automotive prognostiziert für das gesamte Jahr 2026 eine Werksauslastung von rund fünf Prozent.

„Das sind tolle Autos“, sagt ein Beteiligter, „aber in China? Unverkäuflich.“ Zu teuer, zu viele Software-Probleme, so lautet die Diagnose intern. Ende 2025 sollen Audi und Partner FAW einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag nachgeschossen haben, um das Unternehmen zu stabilisieren. Bereits für 2024 wies der VW-Konzern für Nevco ein Minus von mehr als 400 Millionen Euro aus.

2,6 Milliarden Euro Investment für China Werk das still steht

In den Aufbau von Nevco flossen nach Unternehmensangaben 2,6 Milliarden Euro. Audi hält mit 55 Prozent die Mehrheit am Joint Venture. Neben dem bestehenden Werk wurde bereits Platz für eine zweite Halle geschaffen, die eine Verdoppelung der Kapazität ermöglicht hätte. Davon ist man gegenwärtig weit entfernt. Seit vier Jahren, so heißt es in Branchenkreisen, ist kein weiterer Elektro-Audi für Nevco beschlossen worden. Audi erklärt, man überarbeite die China-Strategie derzeit intensiv.

Parallel dazu gerät das nächste Großprojekt ins Stocken. Der elektrische A4 – geplanter Verkaufsstart Ende 2028 – gilt intern als teuerste Plattform der Audi-Geschichte. Die Entwicklungskosten für den A4 e-tron werden laut einer internen Aufstellung aus dem Januar auf mehr als vier Milliarden Euro beziffert; für alle drei Audi-Modelle auf der Plattform belaufen sich die Gesamtkosten auf nahezu 10 Milliarden Euro. Döllner ordnete Ende April einen Projektstopp an, um Kosten und Konzept neu zu bewerten. Das Modell bleibe im „Zielportfolio“, kommentiert Audi – aber der Stopp selbst markiert einen Einschnitt.

Plattform zu teuer für VW

Ein zentrales Problem ist der drohende Rückzug von Volkswagen aus der gemeinsamen Konzernplattform SSP 41. VW-Entwickler:innen und Markenchef Thomas Schäfer signalisieren, dass die Audi-Architektur zu kostspielig ist. Die 800-Volt-Ladetechnik, die für VW der Hauptanreiz war, wird künftig günstiger über die Škoda-Plattform SSP 31 verfügbar sein. „Es gibt keinen Grund mehr, die viel teurere Audi-Plattform zu nutzen“, wird ein VW-Manager zitiert. In Ingolstadt ist ein formaler Beschluss über den Ausstieg nach eigenen Angaben noch nicht eingegangen – intern gilt die Sache aber offenbar als so gut wie entschieden.

Hinzu kommt der Risikopartner Porsche beim Elektrosportwagen Concept C: Porsche hat die Verkaufserwartungen für das gemeinsame Modell gesenkt und erwägt laut Insidern sogar einen vollständigen Ausstieg. Das würde die Kosten für Audi weiter erhöhen. Die operative Umsatzrendite ist von 11,2 Prozent im Jahr 2022 auf knapp 4 Prozent im Jahr 2025 gefallen.

Konzernchef Oliver Blume hat zudem die Investitionskürzungen für Audi verschärft: Für die kommenden fünf Jahre sind weitere Einsparungen von 4 Milliarden Euro gefordert. Blume dürfte demnächst auch reguläres Mitglied im Audi-Aufsichtsrat werden – nach längerer Zurückhaltung in Sachen Audi rückt der Konzernchef nun näher an die Marke heran.

Quelle: Manager-Magazin – Warum der Druck auf Audi-Chef Gernot Döllner wächst

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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