Mit dem Xpeng L03 bringt Xpeng erstmals ein Modell nach Deutschland, das unterhalb der bisherigen Preisspanne der Marke ansetzt. Der chinesische Automobilhersteller zielt damit auf eine breitere Käuferschicht, als sie die bisherige Modellpalette bedient hat, und testet zugleich, wie tragfähig sein Wachstumskurs in einem der wettbewerbsintensivsten Automärkte Europas tatsächlich ist.
Vorgestellt wurde der L03 Mitte Juli in München, im Rahmen eines Vorab-Events vor der eigentlichen Europapremiere. Vor Ort war für Elektroauto-News Herausgeber Sebastian Henßler, der sich einen ersten Eindruck von den Autos verschaffen, mit Vertreter:innen der Marke sprechen und in Workshops zusätzliche technische Details in Erfahrung bringen konnte. Bestellungen sind ab sofort möglich, die ersten Auslieferungen an Kund:innen sollen im vierten Quartal beginnen.
Deutschland als Bühne für Xpengs Wachstumspläne in Europa
Dass Xpeng ausgerechnet Deutschland für den Ort der Europapremiere wählt, ist kein Zufall. Nach Testphasen in Norwegen, weiteren nordischen Ländern und den Niederlanden folgte im Herbst 2024 der Sprung in den größten Automarkt Europas. Dorthin, wo etablierte Automobilhersteller zuhause sind und sich eine neue Marke beweisen muss. In München betreibt Xpeng deshalb auch ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem Autos für den europäischen Markt getestet, verifiziert und an lokale Anforderungen angepasst werden.

Wie sehr sich dieser Fokus auszahlt, zeigen die Zahlen, die Markus Schrick, Geschäftsführer der Xpeng Vertriebsregion Central Europe, im Rahmen des Events präsentierte. Von 3000 verkauften Autos im ersten vollen Betriebsjahr 2025 solle die Marke in diesem Jahr auf 8000 Einheiten kommen, im kommenden Jahr auf knapp 20.000. Bis Juni 2026 waren erst gut 3300 Autos zugelassen, allein im Juni seien nach Unternehmensangaben aber 2000 neue Kundenbestellungen hinzugekommen. Für Xpeng ein Beleg dafür, dass sich der Trend gerade beschleunigt.
Beim Vertrieb selbst hält das Unternehmen an einem klassischen Händler-Franchise-System fest, statt auf Direktvertrieb oder Agenturmodelle zu setzen. Begründet wird dies mit der Struktur des deutschen Marktes: Zu 60 Prozent ländlich geprägt, brauche es hier ein persönliches Gesicht vor Ort und eine dauerhafte, alltägliche Kundenbeziehung, um Vertrauen aufzubauen. Ähnlich langfristig denkt Xpeng bei der Markenbildung. Statt kurzfristiger Einzelevents setzt das Unternehmen auf Sportpartnerschaften, darunter das Sponsoring des Fußball-Bundesligisten Mainz 05, eine Partnerschaft mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie die Unterstützung der Firmenlauf-Serie B2Run.
Xpeng L03: Kompakter Auftritt mit sportlichem Anspruch
Zurück zum Objekt der Begierde, dem Xpeng L03. Mit 4,65 Metern Länge, 1,92 Metern Breite und 2,85 Metern Radstand ist dieser das kompakteste Modell der Xpeng-Produktpalette. Anvisiert werden damit in erster Linie Paare zwischen 30 und 45 Jahren mit ihrem ersten Auto, sekundär Familien zwischen 40 und 55 Jahren mit ein bis zwei Kindern als Zweitwagen, vorwiegend in urbanen und suburbanen Räumen, wie der Hersteller seine Zielgruppe für den Stromer beschreibt.
Bewusst soll sich der L03 dabei nicht wie ein typisches Familien-SUV anfühlen. Xpeng setzt stattdessen auf eigenständiges, sportliches Design, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie intuitive Bedienung im Alltag. Im direkten Vergleich der Abmessungen liegt der L03 vor Wettbewerbern wie dem Volkswagen ID.4 (4,59 Meter Länge, 2,77 Meter Radstand), dem Skoda Elroq (4,49 Meter Länge, ebenfalls 2,77 Meter Radstand) und dem BYD Atto 3 (4,46 Meter Länge, 2,72 Meter Radstand). Auch bei der Breite setzt sich der L03 gegen alle drei Vergleichsmodelle durch, während er mit 1,60 Metern Höhe etwas flacher ausfällt als die Konkurrenz. Man wolle aber nicht nur durch reines äußerliches Auftreten überzeugen.

Los geht es mit der Standard Range: 58,3-kWh-LFP-Batterie, 180 kW Leistung, Hinterradantrieb und bis zu 445 Kilometer Reichweite nach WLTP, ab 35.600 Euro. Wer mehr Reichweite braucht, greift zur Long Range Version mit größerer 71,2-kWh-Batterie und bis zu 520 Kilometern, bei gleicher Motorleistung verkürzt sich die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h von 7,5 auf 6,6 Sekunden. Der Einstiegspreis liegt hier bei 38.600 Euro.
Deutlich sportlicher positioniert sich die Performance-Version mit Allradantrieb und 285 kW, die den Sprint in 4,5 Sekunden absolviert, bei einer Reichweite von bis zu 440 Kilometern. Sie startet bei 41.600 Euro, für das Topmodell Performance Ultra werden 46.600 Euro fällig – dazu gleich mehr. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei sämtlichen Varianten einheitlich auf 180 km/h begrenzt.
Ultra-Ausstattung des Xpeng L03 mit zusätzlicher Technik
Die Topausstattung Ultra ist ausschließlich in Verbindung mit der Long Range oder der Performance-Version erhältlich, mit dem Einstiegsmodell Standard Range lässt sie sich nicht kombinieren. Wer sie wählt, bekommt dafür drei der hauseigenen Turing-Chip verbaut, der laut Unternehmensangaben eine Rechenleistung von bis zu 750 Tera-Operationen pro Sekunde erreicht. Diese bilden die technische Grundlage für den Next Generation Pilot, Xpengs Assistenzsystem für teilautomatisiertes Fahren auf Basis eines sogenannten Vision-Language-Action-Systems.

Auf deutschen Straßen soll der L03 in seinen Ultra-Varianten damit ein Fahrniveau nach Level 2+ erreichen, eine entsprechende europaweite Regulierung wird zum 1. Januar 2027 erwartet. Zu den Funktionen zählen eine vorausschauende Hinderniserkennung für Fahrbahnschäden, plötzlich öffnende Türen oder umkippende Zweiräder, dazu ein per Smartphone-App steuerbarer Parkassistent, der das Auto selbstständig in Parklücken quer oder parallel zur Fahrbahn manövriert.
Offen blieb auf Nachfrage während einer offenen Fragerunde, ob die verbaute Hardware auch für spätere Software-Updates in Richtung höherer Autonomiestufen wie Level 3 ausreicht. Xpeng selbst ordnete die interne Unterscheidung zwischen den einzelnen Autonomiestufen eher als akademische Debatte ein. Äußerlich verrät sich die Ultra-Variante an 20-Zoll-Felgen mit gelb akzentuierten Bremssätteln, an einer erweiterten Massagefunktion für die Vordersitze sowie an der separat erhältlichen Black Edition Lackierung.
XPILOT: Sicherheitskonzept mit vielschichtigem Ansatz
Unter der Bezeichnung XPILOT bündelt Xpeng je nach Fahrzeugvariante mehr als 13 aktive Assistenzsysteme, in der Ultra-Ausstattung sind es bis zu 17. Darunter die autonome Notbremsung, ein Totwinkel- und Spurwechselassistent sowie ein Türöffnenwarner, während Funktionen wie der aktive Spurwechselassistent, der flexible Parkassistent in unmarkierten Bereichen oder der Rückfahrassistent laut Datenblatt der Ultra-Version vorbehalten bleiben.
Für die passive Sicherheit sorgen sieben Airbags sowie eine Fahrgastzelle aus hochfestem Stahl. Bei der Batterie setzt Xpeng auf einen mehrschichtigen Schutzansatz mit einem Aufprallschutz von 500 Joule und einer Hitzebeständigkeit von über 1000 Grad Celsius, ergänzt um KI-gestützte Diagnosefunktionen, die laut Unternehmensangaben potenzielle Probleme bis zu drei Monate im Voraus erkennen sollen. Bei der Crashsicherheit strebt Xpeng die Bestwertung von fünf Sternen nach dem Standard der unabhängigen Prüforganisation Euro NCAP an, eine offizielle Bewertung steht zum Zeitpunkt der Markteinführung allerdings noch aus.
Großzügiger Innenraum mit digitalem Cockpit
Im Innenraum dominieren drei Displays das Bild: ein 8,9 Zoll großes digitales Kombiinstrument, ein zentraler 15,6 Zoll großer Touchscreen mit 2,5K-Auflösung sowie ein 26,8 Zoll großes Head-up-Display. Neu für den europäischen Markt ist eine native Google-Maps-Integration, die eigene Kartendaten mit globalen Informationen zu Straßen, Ladepunkten und Sehenswürdigkeiten kombinieren soll, ohne dass dafür ein gekoppeltes Smartphone nötig ist.

Wer lieber spricht statt tippt, aktiviert den Sprachassistenten über den Befehl „Hey Xpeng“. Er basiert auf einem großen Sprachmodell und soll neben der reinen Fahrzeugsteuerung auch beiläufige Unterhaltungen sowie Websuchen ermöglichen. Das Betriebssystem XOS 6.0 bringt zudem ein 3D-Fahrzeugmodell mit Echtzeit-Statusanzeige sowie einen eigenen Freizeitmodus mit angepassten Animationen mit.

Trotz der coupéhaften Dachlinie verspricht Xpeng großzügige Platzverhältnisse auch im Fond. Der Kofferraum fasst nach VDA-Norm 367 Liter, bei den Hinterradantrieb-Varianten kommt ein Frunk unter der Fronthaube mit bis zu 89 Litern Fassungsvermögen hinzu. Zur Serienausstattung zählen elektrisch verstellbare, beheizbare und belüftete Vordersitze mit Massagefunktion, ein Panoramadach sowie eine 256-Farben-Ambientebeleuchtung. Für den Musikgenuss sorgt ein Soundsystem mit neun beziehungsweise, in der Ultra-Version, 18 Lautsprechern samt aktiver Geräuschunterdrückung.

Farblich stehen sechs Lackierungen zur Wahl, von Arctic White als kostenfreier Basisfarbe bis zu den neu eingeführten Tönen Rock Gray und Phantom Purple, im Innenraum ergänzt um zwei Farbthemen in Hell- und Dunkelgrau. Während die Basisversionen auf 18-Zoll-Leichtmetallfelgen vorfahren, ist die Ultra-Variante serienmäßig mit den bereits erwähnten 20-Zoll-Felgen ausgestattet.

L03 PowerX ergänzt das Antriebsportfolio um einen Range-Extender
Neben den rein batterieelektrischen Varianten bringt Xpeng mit dem L03 PowerX erstmals eine Version mit Range-Extender nach Deutschland. Angetrieben wird das Auto dabei ausschließlich elektrisch, ein kleiner Verbrennungsmotor dient lediglich als Generator zur Nachladung der Batterie während der Fahrt. Xpeng grenzt diese Technik bewusst von klassischen Hybridkonzepten ab und bezeichnet sie nach eigener Einordnung als näher am reinen Elektroauto als jede andere Hybridlösung auf dem Markt, da die Räder zu keinem Zeitpunkt vom Verbrennungsmotor angetrieben werden.
Rein elektrisch erreicht der PowerX bis zu 200 Kilometer, in Kombination mit dem Range Extender mehr als 1000 Kilometer Gesamtreichweite. Damit deckt die elektrische Reichweite laut Unternehmensangaben bewusst den durchschnittlichen wöchentlichen Pendlerbedarf ab, der auf Basis eigener Kundenumfragen bei rund 40 Kilometern pro Tag liege. Preise für den PowerX beginnen bei 38.600 Euro, der Marktstart ist für den Herbst vorgesehen.
Schnelles Laden für den Alltag unterwegs
Bei der Ladeleistung wirbt Xpeng mit bis zu 236 Kilowatt an Schnellladesäulen für die größere Batterie beziehungsweise 193 Kilowatt für die kleinere Version. Damit lässt sich der Akku innerhalb von 18 bis 20 Minuten von 20 auf 80 Prozent füllen. Am Wechselstromnetz sind bis zu 11 Kilowatt möglich, was einer vollständigen Ladung von 5 auf 100 Prozent in rund 7 bis 8 Stunden entspricht, Grundlage bildet eine 400-Volt-Plattform. Wie sich die Ladezeiten der Range-Extender-Version gestalten war zum Zeitpunkt der Vorstellung nicht in Erfahrung zu bringen.

Praktisch im Alltag: Alle Antriebsvarianten verfügen zudem über eine Vehicle-to-Load-Funktion mit bis zu sechs Kilowatt Leistung und globaler Spannungskompatibilität, mit der sich externe Verbraucher wie E-Bikes oder Werkzeuge direkt aus dem Auto versorgen lassen.
Xpeng: Mehr als nur ein Automobilhersteller
Den L03 versteht Xpeng nicht isoliert, sondern als Teil einer größeren Unternehmensstrategie, die nach eigenem Verständnis über den klassischen Autobau hinausgeht. Vizepräsident Jacky Gu stellte in München die sogenannte Physical-AI-Philosophie vor, wonach Autos, Flugautos und humanoide Roboter künftig auf einer gemeinsamen KI- und Antriebsstrang-Architektur basieren sollen. Der im L03 verbaute Turing-Chip sei laut Gu bereits Teil dieser einheitlichen Plattform, die künftig auch Produkte wie den humanoiden Roboter Iron oder das Flugauto-Projekt Land Aircraft Carrier trägt.

Als gemeinsame technologische Grundpfeiler für sämtliche Produktkategorien nennt Xpeng dabei sechs Bereiche: elektrische Energie, Rechenleistung, Bewegungssteuerung, Sicherheit, Ethik sowie große KI-Modelle. Sicherheitsseitig unterscheidet das Unternehmen dabei zwischen klassischer Fahrzeugsicherheit und einer für Roboter erweiterten Kategorie, die nach Gus Darstellung auch ethische und informationstechnische Aspekte einschließt. Am Beispiel des L03 wird damit deutlich, wie sehr Xpeng sein Kerngeschäft inzwischen als Ausgangspunkt für eine deutlich breiter angelegte Technologiestrategie begreift.
Disclaimer: Xpeng hat zum Kennenlernen des Xpeng L03 nach München eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.









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