VW-Konzern rechnet mit 1,5 Milliarden Euro Kosten für CO2-Ziel

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der Volkswagen-Konzern schätzt, dass er 2025 aufgrund der strengeren CO2-Vorgaben in Europa etwa 1,5 Milliarden Euro an Verlusten hinnehmen muss. Laut Rolf Woller, dem Leiter der Investor Relations bei VW, umfasst diese Summe zum einen mögliche Strafzahlungen an die EU für das Überschreiten der verschärften Emissionsziele. Zum anderen erwartet er, dass der Gewinn durch den Verkauf von mehr Elektroautos auf Kosten profitablerer Verbrennermodelle geschmälert werde.

Die CO2-Emissionsziele der EU für 2025 liegen etwa 15 Prozent unter dem Niveau von 2021. Um dies zu erreichen, müssen Autohersteller mindestens 20 Prozent ihres Absatzes mit Elektroautos bestreiten, auch Plug-in-Hybride und sparsamere Verbrenner können zum Einhalten der Grenzwerte beitragen. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben drohen Strafen in Höhe von von 95 Euro pro Gramm CO2 über dem Limit und pro verkauftem Fahrzeug.

Einige Autohersteller und Politiker fordern die EU auf, ihre CO2-Vorgaben zu überprüfen und Strafen auszusetzen, da die Branche mit enttäuschender Nachfrage nach Elektroautos und den aufstrebenden Wettbewerbern aus China zu kämpfen habe.

EU-Politiker jedoch haben diese Forderungen bereits mehrfach zurückgewiesen. Eine Aufweichung der seit Jahresbeginn schärferen CO2-Ziele komme nicht infrage, ließ EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra vor kurzem verlauten. Hoekstra begründet seine Aussage damit, dass „mehrere große europäische Hersteller ihre Zuversicht zum Ausdruck gebracht haben, dass sie ihre Ziele erreichen werden, und sich entschieden gegen Änderungen des Rahmens für 2025 ausgesprochen“ hätten.

Die Kommission sei sich zwar bewusst, dass einige Autohersteller nun Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeit geäußert hätten, „ihr Emissionsziel für 2025 vor dem Hintergrund eines verstärkten globalen Wettbewerbs und eines schrumpfenden Fahrzeugmarktes zu erreichen“. Allerdings würde eine kurzfristige Änderung der Regeln „die Wettbewerbsbedingungen verzerren“ und jene Hersteller, die ihre CO2-Ziele einhalten können, „in einen Wettbewerbsnachteil bringen“.

„Diese Bestimmungen gelten seit 2009 und sind unverändert geblieben“

Der EU-Klimakommissar verweist zudem auf die lange Vorlaufzeit, die es Autoherstellern ermöglicht hat, sich auf die nun seit Anfang des Jahres schärferen Grenzwerte einzustellen: „Diese Bestimmungen gelten seit 2009 für Pkw und seit 2011 für Transporter und sind unverändert geblieben“, heißt es in dem Papier.

Hoekstra verweist auch darauf, dass Elektroautos nicht die einzige Möglichkeit seien, die Ziele zu erreichen: „Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge, Verbesserungen bei konventionellen Motoren sowie der Einsatz kleinerer und effizienterer Fahrzeuge können ebenfalls dazu beitragen“, schreibt er in seiner Antwort auf die Anfrage. Für weitere Diskussionen zu diesem Thema verweist er auf den strategischen Dialog über die Zukunft der Automobilindustrie in Europa, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in wenigen Tagen einberufen will.

Reißt ein Hersteller seinen CO2-Grenzwert für 2025, drohen Strafzahlungen. Doch wie hoch diese ausfallen, darüber scheiden sich die Geister. Renault-CEO und Präsident des Lobbyverbands ACEA Luca de Meo spricht von bis zu 15 Milliarden Euro, die NGO Transport & Environment hält diese Zahl für maßlos übertrieben und geht von maximal einer Milliarde Euro aus.

Die weiteren Verschärfungen der Flottengrenzwerte sind bereits bekannt: Anfang 2030 müssen die CO2-Emissionen 55 Prozent unter dem Wert liegen, der zwischen 2021 und 2024 galt. Aktuell wurde der Grenzwert zu Beginn des Jahres um 15 Prozent enger gezogen. Ab 2035 dann wird der Flottengrenzwert auf Null gesetzt, was praktisch gleichzusetzen ist mit einem Verkaufsverbot von fossil betriebenen Neuwagen.

Die Autoindustrie will und hat „Planbarkeit und Klarheit“

Eine Rücknahme des sogenannten Verbrennerverbots, wonach ab 2035 in der EU keine mit Benzin oder Diesel angetriebenen Neuwagen mehr verkauft werden dürfen, schloss Theresa Ribera kategorisch aus, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für sauberen, gerechten und wettbewerbsfähigen Übergang sowie Kommissarin für Wettbewerb in der Kommission von der Leyen II – mit der Begründung, dass die Autoindustrie „Planbarkeit und Klarheit“ wolle und mit diesem Zieldatum auch habe.

„Es ist sinnlos, die Diskussion erneut zu eröffnen, weil es [das Verbrenner-Aus; d. Red.] eine gewisse Sicherheit bietet und eine Rücknahme die Vorreiter, die es ernst genommen haben, bestrafen würde, und diejenigen bevorteilen würde, die noch nachziehen müssen“, sagte sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Quelle: Automotive News Europe – VW sees €1.5 billion cost in 2025 from EU emissions rules

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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