VW ID. Buzz: Voll ausgestatteter Elektro-Camper im Test

VW ID. Buzz: Voll ausgestatteter Elektro-Camper im Test
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Maria Glaser
Maria Glaser
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Während ich im Zug nach Utrecht sitze, geht die Sonne langsam auf und fällt durch die Nebelschwaden, die über den Feldern liegen. Fast scheint es so, als würde mich diese idyllische Septemberszenerie auf das Bevorstehende einstimmen wollen, denn die nächsten Tage verbringe ich zwischen Leuchttürmen und Windmühlen in den Niederlanden. Dort darf ich einen voll ausgebauten Elektro-Camper vom Typ Volkswagen ID. Buzz testen, den ich von dem niederländischen Unternehmen Outbase Campervans zur Verfügung gestellt bekomme.

Gemeinsam mit meinem Hund habe ich mir den Norden des Landes vorgenommen und möchte von Utrecht aus ans Meer fahren. Der Wetterbericht lässt mich bereits vorab ahnen, dass ich viel Zeit finden werde, um all die Vorzüge des Ausbaus ausführlich zu testen, denn neben zarten 15 Grad Celsius sind außerdem viel Regen und Wind angesagt.

In den vergangenen drei Jahren, in denen ich in meinem eigenen, selbst ausgebauten Kastenwagen gelebt habe, habe ich gelernt, dass sich die wahre Qualität eines Camperausbaus genau dann zeigt, wenn das Wetter schlecht ist. Schönwetter-Features gehören zu einer guten Ausstattung dazu, nützen aber nichts, wenn man sich im Innenraum beengt fühlt. Ich bin also gespannt, wie sich der ID. Buzz als eher kleines Modell in dieser Hinsicht schlägt und was der Campingausbau von Outbase leisten kann.

Zwischen One Pedal Driving und Schnellladen

In der Outbase-Zentrale in Utrecht werde ich vom Gründer Tim van Broekhoven begrüßt. Das Unternehmen hat eigene Ausbauten entwickelt und standardisiert, speziell für das Modell ID. Buzz. Als wir die Produktionshalle betreten, lande ich in meinem persönlichen Paradies: An verschiedenen Enden der Halle stehen zahlreiche neue ID.-Busse, die sich in unterschiedlichen Stufen des Ausbaus befinden.

Schritt für Schritt entstehen hier die neuen Elektro-Camper. Manche Fahrzeuge in dieser Halle werden gerade gedämmt und bei einigen ist noch kein Stoff im Dachzelt gespannt. Ein anderer ID. Buzz ist sogar noch vollständig weiß, denn alle Outbase-Fahrzeuge werden in dieser Standardlackierung gekauft, um dann nach Wunsch der Kundschaft lackiert zu werden. Die Farbpalette umfasst 20 Farbbeispiele, allerdings kann auch ein völlig eigener Farbton gewählt werden. Eine der beliebtesten Lackierungen, die derzeit im Outbase-Showroom steht, ist die Porsche-Farbe Frozen Berry – ein metallischer Roséton.

Nach kurzer Einweisung rolle ich mit meinem Testmodell, das in einem satten Orangeton lackiert ist, vom Hof. Und schon nach wenigen Metern fällt mir auf, wie intuitiv sich der ID. Buzz bedienen lässt. Die Umstellung von meinem über zwanzig Jahre alten Dieseltransporter, mit dem ich mein Leben auf Reisen verbracht habe, fällt mir erstaunlich leicht. Über einen Hebel am Lenkrad wechselt man mit leichten Kippbewegungen zwischen den Automatikmodi. Dabei entdecke ich auch das Feature zum One Pedal Driving und bin direkt neugierig, diese Funktion auszuprobieren. Die Idee dahinter: Sobald man den Fuß vom Gaspedal nimmt, bremst das Elektroauto von selbst relativ stark ab. Genug, um für das Fahren eben nur ein Pedal zu benötigen. Für schnelleres Reagieren steht das Bremspedal natürlich weiterhin zur Verfügung. Dank der hohen Rekuperation schont dieser Modus Akku und Reichweite des Elektroautos.

Das große Mitteldisplay mit Infotainmentsystem ist leicht zu bedienen – spätestens nach dem Umschalten der Sprache, die auf Niederländisch eingestellt war. Darüber lassen sich nicht nur Klimaanlage, Musik oder Navigation steuern, sondern auch die Fahrassistenzsysteme ein- oder abstellen. Der ID. Buzz verfügt unter anderem über Tempomat, Abstandshalter, Verkehrszeichenerkennung und Spurhalteassistenz, wobei mir Letztere mit dem zarten, fremdgesteuerten Stupsen am Lenkrad die längste Gewöhnungsphase abringt. Die Totwinkelerkennung, die eine optische Warnung am Seitenspiegel abgibt, ist für Campervans praktisch. Ähnlich verhält es sich mit den Kameras und Sensoren, die beim Parken über den Bildschirm einen Rundumblick ermöglichen.

Von Utrecht zur Nordseeküste am nordwestlichen Zipfel der Niederlande lege ich 110 Kilometer in eine Richtung zurück und nähere mich mit insgesamt 220 Kilometern den Grenzen der elektrischen Reichweite nicht einmal an. Nach WLTP-Angaben beträgt diese maximal 458 Kilometer, während Outbase sogar mit bis zu 500 Kilometern realer Reichweite wirbt.

Die Schnellladedauer von 10 auf 80 Prozent wird vom Hersteller mit 26 Minuten angegeben. Das Laden der 79-Kilowattstunden-Batterie von 60 auf 80 Prozent dauert in meinem Fall am Schnelllader kaum lang genug, um in der Raststätte ein Sandwich zum Mitnehmen zu holen. Mit der Ladekarte vom niederländischen Anbieter Tango wird die Ladesäule unkompliziert freigeschaltet. Der Elektro-Camper ist längst geladen und der Ladeparkplatz freigemacht, bevor ich endlich zu meinem Kroketten-Brötchen komme.

Wie weit man mit einem Elektro-Camper kommt, kann man übrigens ganz einfach auf der Reichweitenkarte von eCamperRadar einsehen und vergleichen. Neben dem VW ID. Buzz gibt es weitere Elektromodelle, wie den Peugeot E-Boxer, den Mercedes EQV oder den Ford eTransit, die von verschiedenen Unternehmen vorausgebaut vermietet und verkauft werden. Bei eCamperRadar sind außerdem alle Kauf- und Mietpreise übersichtlich einsehbar.

Klappen, schieben, drehen: Der Ausbau im Detail

Für meine Testfahrt bekomme ich die Outbase-Version Delta, die mit allerlei Bequemlichkeiten ausgestattet ist. Dazu gehört das elektrische Hubdach, wodurch man in dem sonst niedrigen ID. Buzz bequem aufrecht stehen kann. Die Liegefläche, die für Stehhöhe bis unter das Hochdach geschoben wird, kann alternativ auch als Bett genutzt werden. Damit hat dieser Elektro-Camper zwei große Schlafflächen für insgesamt vier Personen.

Vor der Abreise war ich, was das Hochdach angeht, mit Hinblick auf den Wetterbericht skeptisch. Erfahrungsgemäß sind Wind und Hochdach keine angenehme Kombination. Auf den Campingplätzen, wo ich den ID. Buzz windgeschützt parken konnte, musste ich mich darum aber glücklicherweise nicht sorgen. Bei zu starkem Wind und ganz ohne Stehhöhe wäre dieser Ausflug sicher weniger angenehm gewesen. Stattdessen hält das Hochdach ein Feature bereit, das mich total begeistert: Der blickdichte, innere Stoff des Dachzeltes kann geöffnet werden, sodass nur noch das semitransparente Mückennetz verbleibt. Raumgefühl und Lichteinfall verbessern sich dadurch enorm.

Die Vordersitze sind um 180 Grad drehbar, was Outbase im ID. Buzz nachgerüstet hat. Damit können sie als Sitzmöglichkeit zum Innenraum hin genutzt werden. Praktisch dazwischen verstaut ist eine einfache Trenntoilette, die mit einer kleinen, aufgesetzten Trittstufe für den Aufstieg ins obere Bett genutzt werden kann.

Die Küchenzeile, die sich vor einer der beiden Schiebetüren befindet, ist ebenfalls beweglich und kann durch die offene Tür nach draußen rotiert werden. Auf dem Küchencounter befindet sich ein leistungsstarkes Induktionskochfeld und ein Waschbecken, wobei Letzteres definitiv eine größere Dimension verdient hätte. Ähnlich verhält es sich mit den beiden darunterliegenden Wassertanks. Diese können zwar unkompliziert herausgenommen, aufgefüllt bzw. entleert werden, würden aber mit 10 Litern für Frisch- und 5 Litern für Abwasser kaum über den Tag reichen, wenn man nicht ständig auf Campingplätzen steht. Dass mehr Frischwasser zur Verfügung steht, als Volumen für Abwasser, ist für mich bis zuletzt unverständlich, ebenso wie die Tatsache, dass der Abwassertank nach oben nicht von einem Deckel begrenzt wird, sondern nur der gleichbreite Schlauch hineinragt. Ist der 5-Liter-Abwassertank voll, flutet man sich mit den verbleibenden 5 Litern gegebenenfalls den Stauraum der Tanks mit Grauwasser. Der Füllstand ist schließlich nicht ohne Umstände einsehbar.

Davon abgesehen ist der Küchenblock hervorragend konzipiert. Verschiedene Fächer, die zu mehreren Seiten ausgezogen werden können, enthalten Schneidebrettchen, ein Besteckfach sowie eine zweite Induktionsplatte. Die Küche zieht auf dem Campingplatz die meiste Aufmerksamkeit aus meiner temporären Nachbarschaft auf sich. Kein Wunder, schließlich lässt sich dort ganz wunderbar der morgendliche Kaffee genießen und wenn die Sonne dann wieder von einem Schauer abgelöst wird, lässt sich alles schnell wieder einklappen.

Die Rückbank im Fahrzeuginneren mit zwei weiteren zugelassenen Sitzen dient als Sofa und wird mit einem Klapptisch zur Essecke erweitert oder zum geräumigen Bett ausgezogen. Dazwischen und außerhalb befindet sich Stauraum: Outbase wirbt mit einem Volumen von 1000 Litern.

Was mir in diesen Tagen, die ich mit dem Elektro-Camper an der Nordseeküste verbringe, auch auffällt, ist die Liebe zum Detail. Outbase hat einen Ausbau geschaffen, der nicht nur durchdacht, sondern auch hochwertig und ästhetisch ist. Farblich harmoniert das helle Holz des Bodens, der Küche sowie der Schrankwand mit grün-melierten Stoffbezügen auf den Sitzen sowie einer hellgrauen Filzverkleidung. Alle Fenster werden mit maßgeschneiderten, blickdichten, sandfarbenen Stoffen verhangen, die über Magnet- und Klicksysteme befestigt werden. Tagsüber werden sie zusammengerollt und befestigt, was schnell und leicht von der Hand geht.

Die mattschwarzen LED-Spots und USB-Anschlüsse im Innenraum können in beliebiger Position in schmale 12-Volt-Leisten gedreht werden und tauchen den Innenraum bei Dunkelheit in ein gemütliches, warmes Licht. Zahlreiche Haken und kleine Körbchen bieten viel Stauraum für Alltägliches, während die offenen Fächer mit elastischen, grünen Bändern abgespannt sind, damit während der Fahrt alles an Ort und Stelle bleibt.

Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass der gesamte Outbase-Ausbau aus beweglichen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Nahezu alles kann geklappt, gedreht, ausgezogen oder zusammengeschoben werden, ob Sitze, Tische, Küche, Betten oder Stauraum. Was einerseits für maximale Flexibilität bei voller Ausnutzung des kleinen Raums sorgt, hat andererseits nach meiner Einschätzung zwei entscheidende Nachteile: Erstens steht man sich regelmäßig selbst im Weg und zweitens nutzen sich die Teile schneller ab. Apropos Verschleiß: Auch sich selbst sollte man für diesen Ausbau fit halten, weil Schieben, Heben, Bücken und Klettern einfach notwendigerweise an der Tagesordnung sind.

Das Strom-Setup im Elektro-Camper

Alle 12-Volt-Verbraucher, also LEDs und Ladeanschlüsse, Wasserhahn und Kühlschrank laufen über eine reguläre Zweitbatterie, deren Ladestand auf einem Bildschirm bequem eingesehen werden kann. Diese Batterie kann über die Photovoltaikzellen auf dem Dach, während der Fahrt oder über Landstrom per Stecker geladen werden. Alle Lademöglichkeiten werden per Schalter ganz einfach aktiviert oder deaktiviert. Gleichermaßen werden 230 Volt, die für die Schuko-Steckdose sowie das Induktionsfeld nötig sind, per Knopfdruck angeschaltet. Obwohl es auf meinem Ausflug meist wolkig verhangen ist, reicht die PV-Energie für eine volle Zweitbatterie.

Was ich an diesen kalten Herbstabenden immer wieder verwende, um die Innentemperatur gemütlich warm zu halten, ist die serienmäßige Klimatisierung des ID. Buzz. Dafür muss ich mir zunächst, ein bisschen umständlich, die Volkswagen-App herunterladen, denn nur darüber kann die Standheizung ein- und ausgeschaltet werden. Beim Heizen wird dann Strom der Fahrzeugbatterie gezogen, was die Reichweite verringert. Mit zwei Übernachtungen, für die ich die Heizung sporadisch anschalte, verliere ich bei einer Außentemperatur von 12 bis 15 Grad insgesamt zirka 10 Kilometer Reichweite. Insgesamt komme ich auf einen Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer von 21,6 Kilowatt, der leicht über dem regulären Wert von 19 Kilowatt liegt. Praktisch ist, dass das Einschalten per App für eine bestimmte Uhrzeit geplant werden kann. Außerdem hört man von der Heizung fast gar nichts.

Wofür eignet sich der Outbase ID. Buzz?

Für meinen Nordseeausflug im Herbst war der Outbase-Camper ideal. Allein mit Hund hatte ich mehr als genug Platz, sodass ich mich auch bei Wind und Wetter gern im Innenraum aufgehalten habe. Ob Essen und Kochen, Arbeiten oder Ausruhen – schon fast heimelig fühlte sich der ID. Buzz zuletzt an.

Deutlich kälter hätte es allerdings nicht sein dürfen. Davon abgesehen, dass der Akku des Elektroautos bei kalten Temperaturen ohnehin leidet, ist dieser E-Camper kaum isoliert. Das Blech ist an den Seitenflächen lediglich mit Filz verkleidet und an vielen Stellen nicht einmal das. Die großen Fenster an allen Seiten werden auch durch die dicken Stoffvorhänge nicht zureichend gedämmt. Wenn die Heizung für den Innenraum dann auf voller Leistung laufen muss, bleibt von der elektrischen Reichweite schnell nicht mehr viel übrig.

Für gelegentliche Roadtrips hingegen ist der ID. Buzz im Outbase-Ausbau ein großartiger Gefährte. Dafür sollten neben Ladesäulen alle 250 bis 300 Kilometer auch Campingplätze verfügbar sein. Gelegentliches Freistehen funktioniert sicher auch, entbehrt aber mit dem enorm limitierten Wasservorrat und ohne Dusche wichtigen Komforts. Wenn man diesen E-Camper sein Eigen nennt und gut ausgestattet unterwegs ist, kann er sicher auch auf längeren Strecken viel Spaß machen. Letztendlich stellt sich, wie bei jedem Camper, die Frage: Was ist der Plan?

Der VW ID. Buzz in der Cargo-Variante, die Outbase mit kurzem Radstand als Grundlage nutzt, ist als Basisversion bereits ab unter 50.000 Euro verkäuflich. Neu und vollständig ausgebaut kosten die Camper der Version Delta von Outbase zwischen 110.000 und 120.000 Euro. Die Variante Flow gibt es bereits günstiger. Wer neugierig geworden ist, kann die vorausgebauten E-Camper von Outbase nicht nur direkt über das Unternehmen selbst testen, sondern auch bei Leihflotten. In Deutschland beispielsweise gibt es das Fahrzeug bei dem Unternehmen EV Camper am Standort in Dortmund zum Ausprobieren.

Disclaimer: Outbase hat den Delta-Camper in Utrecht in den Niederlanden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die hier geschriebene, ehrliche Meinung.

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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