Während der Anteil von Elektroautos an neuzugelassenen Autos stetig steigt und zuletzt in Deutschland bei 25,8 Prozent und in Europa bei gut 20 Prozent lag, dümpelt der Wert bei den Nutzfahrzeugen bei elf Prozent herum. Angesichts der strenger werdender EU-Vorgaben hinsichtlich des CO2-Ausstoßes der Nutzfahrzeugflotte drohen einigen Herstellern nun empfindliche Strafen. Allen voran Stellantis muss sich auf eine Strafzahlung von nahezu einer Milliarde Euro vorbereiten, berichtet die Automobilwoche unter Verweis auf eine Dataforce-Berechnung.
Imelda Labbé, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller VDIK, äußerte sich dahingehend, dass die Vorgaben für 2027 nicht erreichbar seien. „Für 2030 gilt für leichte Nutzfahrzeuge ein CO2-Reduktionsziel von 35 Prozent und für 2035 von 80 Prozent. Die Rahmenbedingungen, um diese Ziele zu erreichen, können die Hersteller jedoch kaum selbst beeinflussen“, sagte sie. Um die Ziele zu erreichen, müsste Experten zufolge der Anteil von E-Transportern von 11 auf 20 Prozent steigen – und das innerhalb weniger Monate. „Die aktuellen Ziele sind äußerst ehrgeizig. Wir brauchen daher eine Überarbeitung und praxisgerechte Flexibilisierung der Ziele“, fordert Labbé daher.
Stellantis pro Fahrzeug 20 Gramm über Zielwert
Stellantis mit seinen Marken wie Opel, Peugeot und Fiat ist der Marktführer bei Transportern, erreicht bislang allerdings erst acht Prozent Elektroanteil. Binnen weniger Monate müsste dieser nun auf etwa 20 Prozent steigen, was unrealistisch erscheint – zumal die Elektroauto-Technik bei Stellantis wiederum nicht unbedingt als marktführend gilt. Auch ein hoher Anteil von kleineren Transportern sorge bei Stellantis dafür, dass der individuelle CO2-Zielwert vergleichsweise gering ausfalle. Der Zielwert liegt bei 139 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer, zuletzt lag der Wert der verkauften Fahrzeuge jedoch bei 159 Gramm bei mehr als einer halben Millionen Neuzulassungen binnen 15 Monaten.
Auch andere Transporter-Hersteller müssen sich auf Strafen einstellen, wenn auch in deutlich geringerem, jedoch immer noch schmerzhaftem Ausmaß. So drohen Ford den Berechnungen zufolge knapp 200 Millionen Euro Strafe, bei Renault sind es 172 Millionen Euro, bei Toyota knapp 120 Millionen Euro, bei Volkswagen 100 Millionen Euro und bei Mercedes-Benz 91 Millionen Euro. Allesamt sind aber deutlich näher an ihrem Zielwert, so dass ein Erreichen noch eher möglich scheint als bei Stellantis.
Das Problem sei, dass Elektro-Transporter für viele Unternehmen bislang hinsichtlich der Total Cost of Ownership (TCO) noch nicht attraktiv genug sind, um sie Diesel-Fahrzeugen vorzuziehen. Vor allem die großen Anfangsinvestitionen der Elektrifizierung, bei der neben der Anschaffung der neuen Fahrzeuge in der Regel noch Investitionen in Ladeinfrastruktur vonnöten sind, sorgen bislang noch dafür, dass sich weniger Flotten als benötigt für die Elektrolösung entscheiden. Hoffnung macht jedoch, dass sich diese Berechnungen zuletzt für immer mehr Unternehmen hinsichtlich der Elektromobilität ins Positive verschieben und zudem immer mehr Anbieter Finanzierungslösungen anbieten, die ohne große Startinvestition auskommen.
Quelle: Automobilwoche – Milliardenstrafen drohen: Viele Hersteller verfehlen CO2-Ziele für Transporter









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