Der europäische Markt für Nutzfahrzeuge ist 2025 spürbar ins Stocken geraten. Die aktuellen Zahlen des Branchenverbands ACEA zeigen: Die Neuzulassungen von Transportern gingen um 8,8 Prozent zurück, schwere Lkw um 6,2 Prozent, einzig Busse konnten mit einem Plus von 7,5 Prozent zulegen. Vollelektrische Nutzfahrzeuge entwickelten sich dabei hingegen positiv, allerdings in manchen Klassen auf einem noch niedrigen Niveau.
Denn der Rückgang betrifft vor allem klassische Verbrennersegmente in einem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Hohe Investitionskosten, Unsicherheiten bei der Konjunktur sowie weiterhin volatile Energiepreise sorgen dafür, dass viele Unternehmen ihre Flottenentscheidungen vertagen. Das gilt insbesondere für leichte Nutzfahrzeuge, die stark vom Handwerk, vom Mittelstand und vom urbanen Lieferverkehr genutzt werden. Gleichzeitig zeigt sich aber: Gerade dort, wo neu zugelassen wird, wächst der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge weiter – teils deutlich.
E-Transporter nehmen allmählich Fahrt auf
Besonders augenfällig ist das bei den Transportern. Zwar dominiert der Diesel hier weiterhin klar den Markt, doch der Anteil batterieelektrischer und teilelektrischer Vans hat sich innerhalb kurzer Zeit nahezu verdoppelt. Elektrische Transporter kommen inzwischen auf einen zweistelligen Marktanteil. Das ist bemerkenswert, weil dieses Wachstum in einem insgesamt schrumpfenden Markt stattfindet. Für die Elektromobilität ist das ein wichtiges Signal – und ein Hinweis darauf, dass sich das Kosten- und Einsatzargument zunehmend durchsetzt, zumindest im urbanen und regionalen Verkehr. Denn für viele Flotten sind Elektrofahrzeuge schon heute mit Blick auf die Total Cost of Ownership (TCO) über den gesamten Nutzzyklus hinweg die günstigste Wahl.
Deutlich schwieriger bleibt die Lage bei schweren Nutzfahrzeugen. Elektro-Lkw legen zwar ebenfalls zu, bewegen sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau. Ein Marktanteil von rund vier Prozent zeigt, dass die Technologie im Alltag angekommen ist, jedoch noch weit von einer breiten Marktdurchdringung entfernt bleibt. Die Gründe sind bekannt: hohe Anschaffungskosten, begrenzte Modellvielfalt, fehlende Schnellladeinfrastruktur entlang der Fernverkehrsrouten und Unsicherheiten bei Reichweite und Nutzlast. Oft scheitert es aber auch bloß an der nötigen Technologieoffenheit in den Unternehmen. Gleichzeitig lässt sich aber auch hier feststellen, dass der Trend eindeutig ist. Elektro-Lkw wachsen schneller als der Gesamtmarkt – nur eben von einer sehr kleinen Basis aus.
Jeder vierte neue Bus elektrisch
Ganz anders stellt sich die Situation im Bussegment dar. Hier ist die Elektromobilität längst mehr als ein Zukunftsversprechen. Nahezu jeder vierte neu zugelassene Bus fährt inzwischen europaweit elektrisch, in Deutschland liegt der Wert mit 26,2 Prozent etwas über dem Schnitt. Gerade als Stadtbusse sind E-Fahrzeuge absolut alltagstauglich, eine entsprechende Ladeinfrastruktur am Betriebshof vorausgesetzt. Kommunale Verkehrsbetriebe, klare politische Zielvorgaben, Förderprogramme und planbare Einsatzprofile sorgen dafür, dass E-Busse in vielen europäischen Ländern zum neuen Standard werden. Der öffentliche Verkehr zeigt damit, was möglich ist, wenn Regulierung, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit zusammenspielen.
In der Gesamtbetrachtung sind die ACEA-Zahlen daher weniger ein Krisenindiz als vielmehr ein Hinweis auf eine Phase der Neujustierung. Der Markt schrumpft, aber innerhalb dieses schrumpfenden Marktes verschiebt sich die Nachfrage zunehmend in Richtung elektrischer Antriebe. Besonders bei Bussen und Transportern ist diese Entwicklung klar erkennbar, bei Lkw beginnt sie gerade erst.
Für die Elektromobilität bedeutet das: Der Durchbruch im Nutzfahrzeugbereich erfolgt nicht gleichmäßig, sondern segmentweise. Während E-Busse bereits weit verbreitete Realität sind, kämpfen E-Transporter noch um Skalierung und E-Lkw vielerorts noch um Wirtschaftlichkeit und Infrastruktur. Die Zahlen aus 2025 zeigen jedoch, dass selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen die Richtung stimmt. Der Wandel ist langsamer als politisch gewünscht – aber er ist stabil und zunehmend unumkehrbar.
Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 29. Januar 2026








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