Das Scout-Werk im US-Bundesstaat South Carolina wird teurer als ursprünglich geplant und soll statt der ursprünglich geplanten zwei Milliarden Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro) nun drei Milliarden Dollar (etwa 2,5 Milliarden Euro) kosten, wie eine Sprecherin der VW-Tochter gegenüber der Automobilwoche bestätigte.
Die wiederbelebte Marke Scout gilt für Volkswagen als großer Hoffnungsträger, mit dem man US-Marktanteile gewinnen will. Aus Konzernkreisen heißt es, der Bau der Fabrik verlaufe reibungslos. Die höheren Kosten des Bauvorhabens kommen laut der Sprecherin zustande, weil die zwei Milliarden Dollar nur eine „garantierte Mindestinvestition“ gewesen seien, die mit dem Bundesstaat vereinbart worden sei. Entsprechend erhielt der Autohersteller von der lokalen Regierung ein Incentive-Paket in Milliardenhöhe.
Nicht zuletzt haben in den vergangenen zwei Jahren Inflation, Arbeitskräftemangel und höhere Stahlpreise die Kosten in die Höhe getrieben. Dennoch hatte Scout bereits im vergangenen Herbst eine Erweiterung der Fabrik um einen 1,2 Quadratkilometer großen Zuliefererpark beschlossen, durch die zusätzliche Kosten von rund 300 Milliarden Dollar (ca. 255 Millionen Euro) anfallen.
Standort ist von strategischer Bedeutung für VW
Der Produktionsstandort, in dem 2027 das erste Auto vom Band rollen soll, hat außerdem eine zentrale Bedeutung für den Volkswagen-Konzern, weil es sich um sein zweites US-Werk neben dem VW-Werk Chattanooga handelt. Insbesondere für die Konzernmarken Porsche und Audi, wäre der neue Standort eine Option, die hohen Einfuhrzölle zu umgehen.
„Wir haben das Werk so aufgebaut, dass eine Auftragsfertigung für andere VW-Marken – oder für jeden, der Interesse hat – möglich ist“, erklärte Scout-Manager Joern Petri bereits im Oktober 2024. Audi soll bereits Pläne für ein neues SUV-Modell haben, das speziell auf US-Kunden zugeschnitten ist, und in South Carolina gebaut werden soll.
Scout selbst will im kommenden Jahr mit der Serienproduktion des Traveler und Terra beginnen. Die Autos sollen als rein elektrische Variante oder mit Range-Extender erhältlich sein. Aufgrund des stockenden Hochlaufs der Elektromobilität in den USA steht für den Hersteller die Variante mit Range-Extender im Fokus, die laut Scout-Chef Scott Keogh rund 80 Prozent der Vorbestellungen ausmacht und noch vor den reinen E-Auto-Varianten auf den Markt kommen soll.
VW-Händler kritisieren Direktvertriebsmodell
Während der Bau des Scout-Werks nach Plan läuft, kommt es unter den Volkswagen-Händlern zu Unmut aufgrund des geplanten Scout-Direktvertriebs. „Ich kenne keinen einzigen Händler in einem der 50 Bundesstaaten, der sich mit einem Direktvertriebsmodell wohlfühlt. Besonders wenn es von der übergeordneten Marke kommt, die wir vertreten“, sagte etwa der texanische Händler McCollum, der gleichzeitig Vorsitzender des Audi National Dealer Council ist, gegenüber Automotive News.
Die VW-Händler sind vor allem deshalb frustriert, weil sie seit Langem die Scout-Marke gefordert haben, die bei US-Kunden traditionell gefragt ist. Aus ihrer Sicht unterscheidet sich Scout nicht von den anderen Marken des Konzerns und sollte daher genauso behandelt werden wie Porsche, Audi und Volkswagen.
Quelle: Automobilwoche – „Pünktlich und im Budget“: Scout-Werk in den USA kostet drei Milliarden Dollar






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