Die Verkäufe von Volkswagen in den Vereinigten Staaten sind im letzten Jahr eingebrochen, allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2025 um 20 Prozent. Aufgrund der politischen Veränderungen durch die Präsidentschaft von Donald Trump war das vergangene Jahr unbeständig für die Automobilindustrie, was für VW jedoch folgenreicher war, als für die Konkurrenz. Einem Bericht der New York Times (NYT) zufolge habe der deutsche Autohersteller überdurchschnittlich stark unter den Folgen der Zölle und Handelskonflikte sowie dem Wegfall von Steuergutschriften für Elektroautos gelitten.
Während der Absatz von Elektroautos in China, Europa und anderen Regionen der Welt wächst, sinken die Zahlen in den USA, wo die Politik seit knapp einem Jahr fossile Brennstoffe anstelle von Elektromobilität fördert. Darunter leiden auch heimische Hersteller, wie General Motors und Ford. Beide haben kürzlich hohe Verluste im Zusammenhang mit Elektroautos verzeichnet.
Für Autohersteller, die nicht US-amerikanisch sind, sei es daher schwer, Modelle anzubieten, die den amerikanischen Verbraucher:innen gefallen, gleichzeitig aber auch eine andere Kundschaft ansprechen und chinesische Autohersteller abwehren, so die NYT, denn vor allem in Europa und Asien müssen sich Hersteller gegen die Konkurrenz aus China durchsetzen. Zudem seien Importeure stärker von den Zöllen von betroffen als einheimische Hersteller, obwohl es im vergangenen Jahr entgegengesetzte Prognosen gab.
Weltweit liegt Volkswagen zwar bei den Verkaufszahlen nur hinter Toyota, jedoch kann sich der Hersteller in den USA nicht durchsetzen. Im letzten Jahr verkaufte VW 330.000 Fahrzeuge in den USA, 13 Prozent weniger als 2024. Der Absatz der Marke Audi, die als Tochterunternehmen zum VW-Konzern gehört, sank in den USA im letzten Jahr ebenfalls: um 16 Prozent auf 165.000 Fahrzeuge. Toyota hingegen verkaufte 2025 mehr als 2,1 Millionen Autos in den Vereinigten Staaten, was einem Anstieg von 8 Prozent entspricht. Auch andere Marken aus dem Ausland überholten Volkswagen im Jahresvergleich, wie etwa Toyotas Premium-Ableger Lexus mit fast 400.000 Fahrzeugen oder die koreanische Marke Hyundai mit 900.000 Verkäufen.
Neben den erschwerten politischen Bedingungen hängt Volkswagen auch noch der Diesel-Abgasskandal nach, der inzwischen über zehn Jahre zurückliegt. Der führende Autoimporteur für die USA zu werden, wie es VW in den 1960er Jahren einmal war, scheint in immer weitere Ferne zu rücken. Insgesamt meldete das Unternehmen mit Sitz in Wolfsburg im dritten Quartal 2025 einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro, nicht zuletzt aufgrund der Bedingungen auf dem US-Markt.
Hoffnungen für 2026
Mit Schwung und einem Bekenntnis zum US-Markt, so wolle VW nach den Herausforderungen in das neue Jahr starten, so der Präsident der Volkswagen Group of America, Kjell Gruner. Entsprechend prognostizierte VW für 2026 eine Umsatzsteigerung, die auch durch eine neue Version des SUV Atlas beginnen soll, die in Tennessee hergestellt wird. Während der Atlas von Importzöllen ausgenommen ist, könnten importierte Modelle wie der Tiguan, Golf und Jetta aus Mexiko oder Europa problematischer werden.
Zwar stehe eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA aus, der einige Zölle von Trump für ungültig erklären könnte, jedoch seien die Autozölle davon nicht betroffen und blieben bestehen, so der Artikel der NYT.
VW ist kein Einzelfall
Neben Volkswagen haben in den USA auch andere deutsche Hersteller einen Rückgang verzeichnet. So sei nach Schätzungen von Analysten der Absatz von Mercedes-Benz im vergangenen Jahr um etwa 10 Prozent gesunken, jedoch wurden noch keine offiziellen Verkaufszahlen veröffentlicht. Mercedes produziert seine SUV-Modelle im US-Werk, jedoch werden die Luxuslimousinen sowie viele Komponenten des Herstellers importiert. Der US-Absatz von BMW hingegen verzeichnete ein Wachstum um 5 Prozent im Vorjahresvergleich, jedoch könne der Rückgang von 3 Prozent im vierten Quartal 2025 auf Schwierigkeiten im Jahr 2026 hindeuten, so die NYT. BMW produziert die beiden SUV-Modelle X3 und X5 in den USA.
Dass die Verluste bei Volkswagen höher ausfallen, liege der NYT zufolge auch daran, dass VW bereits 2022 als einer der ersten Importeure auf Elektromobilität gesetzt hat. Damit wollte der Hersteller einen größeren Anteil am US-Automarkt erobern – eine unter der Vorgängerregierung von Joe Biden schlüssige Entscheidung. Im Gegensatz zu Trump hat die Biden-Regierung massiv in Elektromobilität investiert.
Nachdem im September in den USA die Steuergutschrift für E-Autos in Höhe von umgerechnet knapp 6500 Euro ausgelaufen ist, ging der Absatz des VW ID.4 im vierten Quartal um 60 Prozent zurück. Hybridautos, die in den USA derzeit beliebt sind, bietet VW in den USA im Gegensatz zur Konkurrenz nicht an. Bei Toyota beispielsweise waren fast die Hälfte aller US-Verkäufe Hybride.
Zudem leide Volkswagen unter dem zweigeteilten Automobilmarkt der USA, in dem eine wohlhabende Kundschaft für Luxusfahrzeuge neben der finanziell eingeschränkten Mittelschicht existiert. VW-Modelle im mittleren Preissegment, wie der Jetta oder Golf, bedienen keine dieser Gruppen. Erin Keating, Executive Analyst bei Cox Automotive sagt: „Sie sind in einem Mittelklasse-Markt positioniert, der sich auflöst. Die Käufer entscheiden sich entweder für etablierte Luxusmarken oder für günstigere Modelle.“
Quelle: New York Times – Volkswagen Suffers More Than Rivals From Auto Industry Woes








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