Renault sieht keine Krise für Elektroautos in Europa

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Renault | Fabrice Cambolive

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

In den letzten Monaten hat sich die Nachfrage nach Elektroautos in Europa deutlich verändert. Während in einigen Märkten wie Deutschland ein Rückgang zu verzeichnen ist, sieht Renault-Markenchef Fabrice Cambolive dennoch keine Krise der Elektromobilität, wie er im Interview mit Electrified ausführt. „Eine Krise sehe ich nicht. Schaut man auf die Zahlen in Europa, sehen wir indes seit Anfang des Jahres das Erreichen eines Plateaus. Ein solches Plateau ist in einer Wachstumsperiode nichts Ungewöhnliches. Jetzt geht es darum, wieder zu wachsen“, erklärt er.

Besonders neue Modelle im B-Segment sollen den Markt beleben. „Ich bin sicher, dass die zunehmende Zahl von E-Autos im B-Segment dem Markt wieder zu Wachstum verhelfen wird. Wir haben es beim Sozialleasing gesehen: Wenn man attraktive Produkte hat, dann sind die Kunden auch bereit, sich für Elektromobilität zu entscheiden“, so Cambolive weiter. Renault setzt auf preiswerte Elektroautos wie den R5, der ab gut 25.000 Euro zu haben ist, um den Hebel in Richtung Elektromobilität umzulegen.

Die Marktentwicklung in Europa zeigt deutliche Unterschiede. Während Deutschland einen Rückgang von fast 31 Prozent bei den Zulassungszahlen verzeichnet, bleibt die Situation in anderen Ländern deutlich stabiler mit Wachstumsraten weiterhin im deutlich zweistelligen Bereich. In Frankreich beispielsweise haben staatliche Förderprogramme wie das Sozialleasing dazu beigetragen, die Nachfrage hochzuhalten. „Die Situation ist sehr gut, da wir immer noch Fahrzeuge ausliefern, die bestellt wurden, als das Sozial-Leasing-Programm noch in Kraft war“, erklärt Cambolive. Er betont, dass attraktive Produkte entscheidend sind, um Kunden für Elektromobilität zu gewinnen.

Potenzial im B-Segment

Modelle wie der kommende R4 und der Twingo sollen die Marktposition stärken und das Volumen steigern. Cambolive ist überzeugt, dass bezahlbare Elektroautos der Schlüssel sind, um den Markt wieder anzukurbeln. „Ich denke, dass wir in der Lage sind, mit unseren Fahrzeugen den Hebel in Richtung E-Mobilität umzulegen. Wir sind generell stark in diesem Segment“, sagt er. Auch die Ladeinfrastruktur und die Strompreise spielen eine wichtige Rolle, um Kunden von Elektroautos zu überzeugen. „Natürlich vergleichen die Kunden den Energiepreis mit dem Preis für Benzin. Deshalb ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, das richtige Ökosystem zu schaffen,“ betont Cambolive.

Trotz der positiven Aussichten gibt es Herausforderungen. Die hohen Strompreise und politische Diskussionen über die Zukunft der Elektromobilität beeinflussen den Markt. In Deutschland wurde die Kaufprämie gestrichen, was die Nachfrage nach Elektroautos gebremst hat. Zudem ist der deutsche Markt stark auf das C-Segment fokussiert, was die Situation weiter verkompliziert. „Wenn ich mir den starken Rückgang der Zulassungen in Deutschland anschaue, sehe ich zwei Gründe. Erstens die Streichung der Kaufprämie, die die Entwicklung der E-Mobilität verlangsamt hat. Zweitens ist der deutsche Markt stark auf das C-Segment fokussiert – das Flottengeschäft spielt nicht mehr die Rolle, die es in den vergangenen Monaten gespielt hat,“ erklärt der Renault-Chef.

Offenheit für verschiedene Technologien

Renault setzt auf eine zweigleisige Strategie: Vollhybrid-Technologie bei Verbrennungsmotoren und eine reine Elektroauto-Produktpalette. Cambolive betont, dass die Branche offen für verschiedene Technologien bleiben müsse. Auch Wasserstoff und E-Fuels werden als mögliche Alternativen gesehen, obwohl das vollelektrische Auto derzeit die besten Möglichkeiten biete. „Wir sind offen für verschiedene Technologien. Auch auf dem nächsten Pariser Autosalon werden Sie einige interessante Dinge sehen“, so Cambolive.

Staatliche Förderungen wie das Sozialleasing-Programm in Frankreich haben gezeigt, dass finanzielle Unterstützung einen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage nach Elektroautos haben kann. Cambolive hofft, dass solche Programme fortgesetzt werden, um den Markt weiter zu unterstützen. „Wenn die französische Regierung im Jahr 2025 das Sozialleasing wieder einführt, werden wir uns daran beteiligen“, sagt er. Die EU plant zudem Strafzölle auf chinesische Elektroautos, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. „Wir brauchen einen fairen Wettbewerb zwischen chinesischen und europäischen Herstellern“, betont Cambolive.

Ambitionierte Ziele für 2025

Der Automobilhersteller strebt an, bis 2025 einen Marktanteil von 20 Prozent für Elektroautos in Europa zu erreichen. Neue Modelle wie der R5 und der Twingo sollen dabei helfen. Der Börsengang der Elektrosparte Ampere wurde zwar verschoben, doch das Programm werde wie geplant fortgesetzt. „Das Programm von Ampere wird wie geplant fortgesetzt, wie Sie an den Modellen Renault 5, R4, Scenic und Twingo sehen können,“ sagt Cambolive.

Die Elektromobilität in Europa steht vor Herausforderungen, doch Fabrice Cambolive blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Mit neuen Modellen, staatlichen Förderungen und einer starken Fokussierung auf das B-Segment möchte Renault den Markt wiederbeleben und weiter wachsen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich der Markt entwickelt und welche Maßnahmen letztlich den größten Erfolg bringen.

Quelle: Electrified – „Müssen den BEV-Markt weiter vorantreiben“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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egon_meier:

liebe Downvoter …
habt ihr zum Inhalt bzw zu den Zahlen auch was zu sagen/schreiben?

panibodo:

Wirklich verstanden hat der Herr nicht, was „fairer Wettbewerb“ bedeutet, denke ich. Brutale Strafzölle gegen China sowie staatliche Subventionen werden unsere Autoindustrie weiterhin davon abhalten, bezahlbare Autos zu bauen. Unsere bis zu 9.000 € Umweltprämien waren von den Autofirmen voll eingepreist und sie konnten sich wunderbar auf einem dicken Finanzpolster ausruhen. Wettbewerb war damit einige Zeit ein Fremdwort für die Autofuzzis.
Wenn unsere verlogenen Entscheider es wirklich ernst meinten mit der E-Mobilität, würden sie die Zollschranken gegen China sofort stoppen und damit eine signifikante Zahl bezahlbarer E-Autos nach Europa bringen. Unsere Autoindustrie will Geld verdienen und sie müsste endlich von ihrem hohen Ross herunter kommen und sehr schnell reagieren. Q6, iX, EQE, i5, etron GT und Taycan sind nicht die Lösung unserer Probleme.
Ein weiterer Punkt, der in meinen Augen die Verlogenheit von Politik und Wirtschaft zeigt, sind die Strompreise an öffentlichen Ladesäulen. Wir können alle rechnen – wenn wir mit den Unterhaltskosten unserer E-Autos kaum noch sparen können, wären wir doch ziemlich blöd, wenn wir für unseren Akku 5 bis 15.000 € zusätzlich auf den Thresen unseres Autohändlers legen würden.
SO kommt man seinem hehren Ziel von 15 Millionen e-Autos in 2030 nicht näher.

Smartino:

Hoffentlich bringt Renault bald den vollelektrischen R4, so genial wie das Urmodell, mit grosser Klappe und topfebenem Kofferraumboden ohne Eintrittsschwelle.
Einfach aber praktisch.

Peter:

Ist halt leider Fakt, Deutschland hat sich zum Land des Stillstands entwickelt hat aber nix mit der Ampel zu tun, die ganze Rentnerpolitik geht seit gut 40 Jahren so.
„Haben wir schon immer so gemacht.“ und „Alles neue ist böse !“
Dies sind die deutschen Leitsätze.

https://youtu.be/qLiFnR_zqhU?si=_opEcncz9k8sLD82

egon_meier:

ja .. das der Herr von Renault überhaupt noch in BEV-Fragen zitiert wird ist ein Witz.. und dass die Öffentlichkeit irgendwas auf sein Gerede gibt sowieso

Es mag so sein, dass die BEV keine Krise haben aber wenn es eine gibt heißt die Renault.
2017 noch 10% BEV-Marktanteil in Europa (Nissan war Marktführer aber das lassen wir lieber ganz .. )
2023 Renault+Dacia noch 3 %

währenddessen ist der VW-Konzern von .13. auf 23% gewachsen

egon_meier:

jajaja .. bei den andere ist es sooo toll .. die Franzosen mit ihren KKW und ihren Atombomben, die Briten mit ihrem Brexit, die Schweden mit ihrem Bandenterror, die Polen mit ihrer Kohle, die Österreicher mit ihrem Kickl, die Italiener mit ihrer Meloni und erst die Russen .. mit ihrem Dmitri Anatoljewitsch Medwedew .. ich bin soooo neidisch ..

R.D.:

Europa tut gut daran nicht mehr auf Deutschland zu schauen, ein Land welches sich immer mehr zum Tal des Jammers entwickelt. Innovation erstickt im Hass des gemeinen Volkes auf alles was von oben oder von außen kommt, ein Hoch auf den Status quo, bloß keine Veränderung. Nicht alle, aber viele denken so.

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