Der französische Automobilhersteller Renault hat schnellere und effizientere Entwicklungszeiten zu einem wesentlichen Bestandteil seiner neuen Strategie „futuREady“ erklärt. Demnach sollen zwischen der Vorstellung des Konzeptautos „Concept Freeze“ und der öffentlichen Vorstellung maximal zwei Jahre liegen. Vorstandsvorsitzender François Provost hat nun erklärt, dass ein Minimum von zwei Jahren jedoch nötig sei, um die Qualität zu gewährleisten und kostspielige Rückrufaktionen zu vermeiden.
Um mit der chinesischen Konkurrenz und dem sogenannten „China Speed“ mithalten zu können, hatte Renault eine drastische Verkürzung der Entwicklungszeiten neuer Fahrzeuge angekündigt. Während der Standard bei chinesischen Autobauern inzwischen auf einen Zeitraum von 18 Monaten zusteuert, sagte Provost bei einer Roundtable-Diskussion Anfang September, dass die Marke von zwei Jahren das Minimum sei, „um Qualität zu gewährleisten – insbesondere, um Millionen von Kilometern in realen Testbedingungen zurückzulegen, unter winterlichen und heißen Bedingungen, und dabei Fehler zu beheben und so weiter“.
Keine Kompromisse bei der Qualität
Chinesische Hersteller, unter denen zwei Jahre Entwicklungszeit inzwischen als Standard gelten, wollen den Prozess auf 18 Monate verkürzen. Indessen haben mehrere Aufsichtsbehörden in China eine einjährige Kampagne angekündigt, die schärfere Qualitäts- und Sicherheitskontrollen vorsieht. Damit soll überprüft werden, ob die Qualität beim Streben nach noch kürzeren Entwicklungsphasen überhaupt gewährleistet werden kann.
Renault-Chef Provost erklärte, dass der Hersteller trotz des beschleunigten Zeitplans in der Entwicklung „keinerlei Kompromisse“ in Hinblick auf die Qualität eingehe. Man setzte dabei weiterhin auf reale statt auf simulierte Testbedingungen. „Wenn wir nicht zu 100 Prozent sicher sind, dass es keine Qualitätsprobleme gibt, werden wir kein Auto auf den Markt bringen, ganz gleich, wie groß der kommerzielle Druck auch sein mag“, sagte er. Bezüglich der vermehrten Kontrollen durch chinesische Aufsichtsbehörden habe man bei Renault daher „keinerlei Bedenken“.
Bei der Vorstellung der Zukunftsstrategie „futuREady 2030“ hatte Provost betont, wie entscheidend die Verkürzung der Entwicklungszeiten angesichts des harten Wettbewerbs sei. Das Unternehmen setzt daher KI-Tools und digitale Zwillinge ein, die den tatsächlichen Entwicklungsprozess nachbilden. Zur Vereinfachung trage außerdem modulare und skalierbare Technologiebausteine bei.
Noch kürzere Zyklen bei Derivaten
Das erste Modell, das Renault im „China Speed“ entwickelte, war der elektrische Twingo, der im November 2023 angekündigt wurde und im Dezember 2025 bestellt werden konnte. Beim Dacia Spring, der vom Twingo abgeleitet ist, vergingen hingegen gerade einmal 16 Monate vom Konzeptauto bis zum Produktionsstart. Provost erklärte, dass die Derivatmodelle von der bereits geleisteten Arbeit profitierten.
Während der Renault Twingo und der Dacia Spring von Ingenieuren im Ampere China Development Center in Shanghai entwickelt wurden, plant Renault, den verkürzten Prozess auf Autos zu übertragen, die in Renaults technischem Zentrum außerhalb von Paris sowie im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Dacia in Rumänien entwickelt werden.
Quelle: Automotive News – At Renault Group, even ‘China speed’ has a limit, CEO says








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