„futuREady“: Renault-Konzern plant 36 neue Modelle bis 2030

„futuREady“: Renault-Konzern plant 36 neue Modelle bis 2030
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Renault

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 8 min

Der französische Automobilkonzern Renault hat seinen neuen Strategieplan „futuREady“ vorgestellt, der für die kommenden Jahre in einer zunehmend wettbewerbsintensiven Branche viele positive Impulse setzen soll. Mit dem neuen Strategieplan will der Konzern seine Wachstumsdynamik sichern und sich als europäischer Maßstab unter den Automobilherstellern etablieren, heißt es in zugehöriger Mitteilung.

„futuREady“ fokussiere auf die Produkte und das Kundenerlebnis, auf technologische Innovation und operative Exzellenz. Die Renault Group will bis 2030 weltweit 36 neue Modelle auf den Markt bringen und dabei sowohl die Elektrifizierung als auch die Erweiterung ihres internationalen Angebots beschleunigen.

Mittelfristig strebt die Renault Group robuste und widerstandsfähige Finanz­ergebnisse an – mit einer operativen Konzernmarge zwischen 5 und 7 Prozent des Umsatzes sowie einem durchschnittlichen jährlichen Free Cashflow im Automobilgeschäft von mindestens 1,5 Milliarden Euro.

„Seit meinem Amtsantritt als CEO im vergangenen Juli arbeiten wir weltweit mit dem gesamten Team daran, einen Plan zu entwickeln, der den Konzern – ungeachtet der bevorstehenden Herausforderungen – auf einen Kurs robusten und nachhaltigen Wachstums bringt. Neun Monate später erfüllt es mich mit großem Stolz, was wir gemeinsam erreicht haben und nun in unserer futuREady-Vision festgehalten haben“, so François Provost, CEO der Renault Group.

In einem globalen Umfeld zunehmender Unbeständigkeit und wachsender Konkurrenz sieht sich die Renault Group mit einer „starken Basis“ gut gerüstet, um in den nächsten Zyklus einzutreten. Mit „futuREady“ will der Konzern nun zum europäischen Referenzhersteller auf globaler Ebene werden. Um dies zu erreichen, will der Konzern sein solides Fundament in Europa stärken und seine Plattformen nutzen, um seine Wettbewerbsfähigkeit weiter zu schärfen und Produkte zu entwickeln, die noch besser auf die Erwartungen der Kundinnen und Kunden abgestimmt sind.

Darüber hinaus erhöht der Konzern das Tempo in seinen strategischen Wachstumsregionen – Indien, Südamerika und Südkorea –, die allesamt wesentlich zur Expansion beitragen sollen. „Europas Referenzhersteller zu werden heißt, den Anspruch zu formulieren, in Europa Produkte zu entwickeln und zu fertigen, die in puncto Attraktivität, Technologie und Wettbewerbsfähigkeit Maßstäbe setzen“, sagt Provost.

Der Strategieplan „futuREady“

Die Renault Group verfolgt das Ziel, ihre zweite große Produktoffensive erfolgreich zu gestalten – mit 22 neuen Modellen in Europa, davon 16 vollelektrisch, sowie 14 weiteren Modellen auf internationalen Märkten.

Die Marke Renault will ihr Wachstum über drei zentrale Hebel beschleunigen:

  • Stärkung des Markenpotenzials in Europa durch zwölf neue Modellpremieren
  • Breite Elektrifizierung der Modellpalette: Fortführung der Hybridtechnologie in Europa über 2030 hinaus, Ausbau der Hybridangebote auf internationalen Märkten sowie Erweiterung des vollelektrischen Portfolios durch eine neue Plattform
  • Intensivierung der internationalen Offensive mit 14 neuen Modellen

Bis 2030 strebt Renault mehr als zwei Millionen verkaufte Fahrzeuge pro Jahr an, davon die Hälfte außerhalb Europas. In Europa sollen 100 Prozent der verkauften Fahrzeuge elektrifiziert sein, außerhalb Europas peilt Renault 50 Prozent an.

Dacia soll seinen Aufwärtstrend ebenfalls fortsetzen – mit denselben Grundprinzipien und derselben klaren Philosophie:

  • Bereitstellung des wettbewerbsfähigsten Angebots auf Basis von Preis, Kosten und Kundennutzen
  • Beschleunigung der Elektrifizierung, um bis 2030 davon zwei Drittel der Verkäufe zu erreichen
  • Fortsetzung der Offensive im C‑Segment, das bis 2030 ein Drittel des Absatzes ausmachen soll
  • Ausbau der Kompetenz bei Allradantrieben, der gruppenweiten E‑Tech‑Hybridtechnologie sowie der führenden Position bei LPG‑Fahrzeugen

Bis 2030 soll Dacia konsequent auf elektrische Mobilität umgestellt sein und die Zahl der Elektromodelle im Portfolio von einem auf vier erhöht haben.

Auch der Sportwagenableger Alpine soll seine Wachstumsstrategie vorantreiben:

  • Markteinführung der nächsten Generation der ikonischen A110, basierend auf der Alpine Performance Platform (APP)
  • Gewinnung neuer Kundengruppen durch die Modelle A290 und A390
  • Ausbau exklusiver und individualisierter Angebote – etwa durch limitierte Serien wie der A110 R Ultime

Die Kundenerfahrung soll im Rahmen der Produktoffensive und über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge hinweg eine zentrale Rolle in der Strategie der drei Marken spielen. Sie soll sich zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal und Treiber für langfristige Kundenbindung entwickeln. Jeder Schritt im Lebenszyklus der Fahrzeuge soll für die Kundinnen und Kunden einen klaren Mehrwert bieten – und zugleich einen Beitrag zur Ertragsoptimierung für den Konzern und sein Vertriebsnetz leisten. Dies gelte für Neuwagen ebenso wie für Service, Gebrauchtwagen, Finanzdienstleistungen der Renault-Tochter MFS – Mobilize Financial Services – sowie den Energiebereich.

Renaults Anspruch ist es, das Potenzial der zweiten und dritten Lebensphase der Fahrzeuge voll auszuschöpfen. Damit will der Konzern bis 2030 eine Kundentreue von 80 Prozent über einen Zehnjahreszyklus erreichen und die Marken unter den Besten in puncto Kundenzufriedenheit positionieren.

Die mit diesem Ansatz verbundene technologische Transformation zielt zudem darauf ab, das Vertriebssystem umfassend zu modernisieren. Dazu gehört insbesondere die Einführung des Programms Software‑Defined Retail, das auf der konsequenten Digitalisierung der kommerziellen Prozesse sowie auf dem digitalen Zwilling des Fahrzeugs basiere. Dieses Programm soll die Effizienz steigern und eine Kostensenkung von rund 20 Prozent ermöglichen.

Renault setzt seine Elektroautos auf 800 Volt

Elektrifizierung, Software, digitale Technologien und Plattformen sind die zentralen technologischen Treiber, die es dem Konzern ermöglichen sollen, mit den besten Automobilherstellern weltweit mitzuhalten. Erste Priorität ist für den Konzern, die nächsten Generationen elektrischer C‑Segment‑Fahrzeuge vorzubereiten – mit dem Ziel, hohe Effizienzstandards zu erreichen und damit das bestmögliche Verhältnis aus Reichweite und Kosten zu bieten.

Dafür will die Renault Group auf ihre neue elektrische Plattform RGEV Medium 2.0 zurückgreifen: Mit einer 800 Volt‑Elektroarchitektur, die besonders schnelles Laden ermöglicht, soll diese modulare Plattform ein breites Spektrum an Modellen vom B+‑ bis zum D‑Segment aufnehmen können. Sie ist zudem so vielseitig ausgelegt, dass sie alle Karosserieformen unterstützt – Limousine, SUV und MPV (Multi Purpose Vehikel). Diese neue Plattform soll überwiegend in Frankreich entwickelt werden und die Kosten gegenüber der aktuellen Elektroautogeneration um 40 Prozent senken.

Bei der Energieintegration soll die Batterie in einer Cell‑to‑Body‑Architektur ausgeführt sein – mit 20 Prozent weniger Bauteilen sowie Kompatibilität zu Pouch‑, prismatischen und Blade‑Zellen. Die Reichweiten der Fahrzeuge sollen bis zu 750 Kilometer WLTP-Reichweite in den reinen Elektroversionen und bis zu 1400 Kilometer mit Range-Extender betragen.

Mit der zentralisierten Software Defined Vehicle‑(SDV)‑Architektur sollen künftig 90 Prozent der Fahrzeugfunktionen per FOTA (Firmware Over The Air) aktualisiert und damit die Implementierungszeiten halbiert werden. Gleichzeitig soll das erste gemeinsam mit Partner Google entwickelte carOS auf Android‑Basis eingeführt werden. Der nächste Schritt sei dann die Weiterentwicklung des SDV zum Artificial Intelligence Defined Vehicle (AIDV), das Infotainment, Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und Fahrwerk intelligent steuern kann – und damit den Weg zum wirklich smarten Fahrzeug ebnet.

Während die künftigen C‑Segment‑Modelle auf Basis der RGEV‑Medium‑2.0‑Plattform sowie der neue Trafic E‑Tech Electric mit dieser zentralisierten SDV‑Architektur ausgestattet sein sollen, setzt die Renault Group parallel weiterhin auf ihre elektrische und elektronische Domain‑Control-Architektur, bei der Fahrzeugfunktionen nach Domänen wie ADAS oder Cockpit gebündelt werden. In den kommenden Jahren soll diese Architektur weiter optimiert werden.

Zwei Batterietypen für unterschiedliche Ansprüche

Gleichzeitig will der Konzern seine Kompetenz in Elektro‑ und Hybridfahrzeugen weiter ausbauen. Bei den elektrischen Antriebssträngen soll die Batterie auf zwei unterschiedliche Zellchemien setzen, um den verschiedenen Kundenanforderungen gerecht zu werden:

Eine Batteriezellchemie mit hoher Energiedichte – wahrscheinlich Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) – für Modelle mit hoher Leistung und/oder sehr hoher Reichweite. Elektroautos mit dieser Batterietechnologie sollen ab 2028 schrittweise auf eine 800‑Volt‑Architektur umgestellt werden, um Schnellladezeiten von bis zu zehn Minuten zu erreichen.

Eine kosteneffizientere Zellchemie für Kleinwagen und Varianten mit Standard‑Reichweite, wahrscheinlich Lithium-Eisenphosphat (LFP). Fahrzeuge der Segmente A und B sollen weiterhin auf 400‑Volt‑Architektur basieren und eine Ladezeit von rund 20 Minuten erreichen.

Der Konzern plant zudem die Entwicklung eines neuen Elektromotors der dritten Generation ohne seltene Erden mit gewickeltem Rotor (EESM). Mit einem Wirkungsgrad von 93 Prozent auf der Autobahn und 25 Prozent mehr Leistung wird dieser 202 kW (275 PS) starke Motor vollständig im eigenen Haus entwickelt und gefertigt werden und sowohl in Front‑ als auch in Heckantriebsvarianten verfügbar sein. In Kombination mit einen neuen skalierbaren ‚7‑in‑1‘‑Leistungselektronik soll der neue Motor zudem 20 Prozent kostengünstiger sein als die vorherige Generation.

Bei Hybridfahrzeugen will die Renault Group ihre E‑Tech‑Technologie auch über 2030 hinaus ausbauen – unter anderem mit neuen Varianten unter 150 PS Leistung. Zudem soll diese Technologie künftig verstärkt außerhalb Europas eingeführt werden, wobei die Kosten deutlich gesenkt werden sollen.

Um sich für die Zukunft zu rüsten, will der Konzern auch die Integration neuer Technologien in Schlüsselbereichen deutlich vorantreiben – etwa im intelligenten Cockpit und Fahrwerk, bei neuen Batteriezellchemien, Radnabenmotoren, Leistungselektronik, Software und elektronischen Architekturen.

Die Herausforderung: In einem zunehmend unbeständigen Umfeld verfolgt die Renault Group den Anspruch, in puncto Innovation, Kosten und Geschwindigkeit mit chinesischen Fahrzeugherstellern gleichzuziehen. Das bedeutet vor allem deutlich schnellere Produktentwicklungen – mit einem Entwicklungszyklus von nur zwei Jahren. Alle neuen Projekte des Konzerns werden bereits konsequent mit diesem Ziel vorangetrieben, lässt der Hersteller wissen.

Produktion soll effizienter werden

Auch in der Produktion will das Unternehmen sein Betriebsmodell weiter stärken. Dafür will die Renault Group die Nutzung der Daten aus ihrem industriellen Metaverse maximieren, dem digitalen Zwilling aller Werke. Damit lassen sich sämtliche Produktionsschritte sowie mögliche Störungen weltweit und in Echtzeit überwachen.

Zudem sollen durchschnittlich 30 Prozent weniger Bauteile pro Fahrzeug eingesetzt und 350 humanoide Roboter der neuen Generation eingeführt werden, die schwere oder geringwertige Tätigkeiten übernehmen sollen. Dank künstlicher Intelligenz (KI) strebt die Renault Group an, die Produktionspausen in den Werken zu halbieren und den Energieverbrauch um 25 Prozent zu senken – insgesamt soll dies zu einer Verringerung der Produktionskosten um 20 Prozent führen.

Im Bereich Qualität setzt die Renault Group auf durchgängige, KI‑gestützte Überwachung aller kritischen Fertigungsschritte – insgesamt mehr als 1000 Prüfpunkte. Mit vollständiger Rückverfolgbarkeit, einer deutlich beschleunigten Reaktion auf Warnmeldungen aus dem Vertriebsnetz und der Möglichkeit, Fahrzeuge in nahezu allen Fällen per Fernzugriff zu aktualisieren, will der Konzern die Voraussetzungen schaffen, die Zahl der Vorfälle bereits im ersten Nutzungsjahr zu halbieren und die Kundenreklamationen innerhalb von fünf Jahren um den Faktor drei zu senken.

Diese „operative Strenge“, wie Renault es bezeichnet, soll die variablen Stückkosten (COGS) pro Fahrzeug im Durchschnitt um rund 400 Euro pro Jahr und die Anfangsinvestitionen um bis zu 40 Prozent senken.

Schließlich will die Renault Group weiter ihre Partnerschaftskompetenz stärken, die sie durch die strategische Allianz mit Nissan und Mitsubishi Motors aufgebaut hat. In Europa will der Konzern seine vollständige industrielle und technologische Unabhängigkeit bewahren und offen bleiben dafür, Fahrzeuge für andere Hersteller zu produzieren.

In Europa ziehen die Technologien und industriellen Kapazitäten des Konzerns bereits Nissan, Mitsubishi Motors, Volvo Group (Renault Trucks) und nun auch Ford an. International soll Indien zu einem echten Produktions‑ und Lieferzentrum heranwachsen, das sowohl den lokalen Markt als auch globale Märkte bedienen soll – insbesondere durch die Fertigung eines vollständigen Nissan‑Modellportfolios. In Südkorea und Südamerika will der Konzern seine Partnerschaft mit Geely weiter stärken. Insgesamt will die Renault Group bis 2030 über 300.000 Fahrzeuge für diese fünf Hersteller auf drei Kontinenten produzieren.

Quelle: Renault – Pressemitteilung vom 10.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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