Der französische Automobilhersteller Renault nutzt die IAA Transportation in Hannover als Startpunkt für eine größere Nutzfahrzeugoffensive. Bis 2028 will die französische Marke fünf neue leichte Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen. Den Anfang macht der neue Trafic E-Tech, der nicht nur mit mehr als 470 Kilometern Reichweite, sondern vor allem mit einer für elektrische Transporter noch ungewöhnlichen 800-Volt-Architektur aufwartet.
Der neue Trafic soll noch in diesem Jahr zunächst als Kastenwagen auf den Markt kommen. Chassis-Cab-Versionen und Varianten mit Doppelkabine folgen nach aktueller Planung 2027. Entwickelt und produziert wird der elektrische Transporter im französischen Werk Sandouville. Renault positioniert ihn als technologischen Neustart der Baureihe, von der seit 1980 mehr als 2,8 Millionen Exemplare verkauft wurden.
Eine Batterie mit 81 kWh Kapazität soll nach vorläufigen Angaben für mehr als 470 Kilometer nach WLTP reichen. Im Stadtverkehr nennt Renault sogar knapp 690 Kilometer. Renault spricht von einem Wirkungsgrad des Antriebsstrangs von mehr als 90 Prozent und hat zudem die Aerodynamik gegenüber dem bisherigen Konzept verbessert.
800 Volt sind gerade beim Transporter ein Vorteil
Eine der technisch wichtigsten Neuerungen steckt jedoch zwischen Ladestation, Batterie und Antrieb. Der Trafic E-Tech setzt auf eine 800-Volt-Architektur. Renault zufolge lassen sich innerhalb von 20 Minuten bis zu 280 Kilometer Reichweite nachladen. Bezogen auf den Stadtverkehr sollen es sogar bis zu 380 Kilometer sein. Eine konkrete maximale DC-Ladeleistung nennt Renault in der aktuellen Mitteilung allerdings nicht.
Jan Ptacek, Vice President LCV, Renault Group, wird wie folgt zitiert: „Der neue Trafic E-Tech elektrisch ist mehr als nur eine Ergänzung unserer Modellpalette. Er ist ein echter Game Changer auf dem europäischen Markt für leichte Nutzfahrzeuge und bietet mehr Technologien, mehr Services und mehr Möglichkeiten zur Umrüstung. Er steht voll und ganz für unsere Strategie und markiert einen Durchbruch auf dem Markt für elektrische Transporter.“
Der Schritt auf 800 Volt ist dabei mehr als ein Marketingdetail. Bei gleicher elektrischer Leistung muss bei höherer Spannung weniger Strom fließen. Das reduziert Wärmeverluste und erleichtert es, hohe Ladeleistungen zu übertragen, ohne Kabel und andere Komponenten immer stärker dimensionieren oder aufwendig kühlen zu müssen. Gerade bei einem gewerblich genutzten Transporter kann das wichtiger sein als bei einem privaten Pkw. Ein Fahrzeug, das während des Arbeitstages eine halbe Stunde oder länger an einer Schnellladesäule steht, verdient in dieser Zeit kein Geld. Können während einer ohnehin eingelegten Pause in 20 Minuten wieder annähernd 300 Kilometer Reichweite geladen werden, nähert sich der praktische Umgang mit dem E-Transporter deutlich stärker dem eines Dieselmodells an.
Bis zu 1,3 Tonnen Nutzlast und zwei Tonnen Anhängelast
Auch die klassischen Transporterwerte sollen nicht unter der Elektrifizierung leiden. Renault nennt bis zu 5,8 Kubikmeter Ladevolumen, 1,3 Tonnen Nutzlast sowie zwei Tonnen Anhängelast. Drei Europaletten sollen in den Laderaum passen, dessen Ladekante 53 Zentimeter hoch liegt. Trotz seiner Größe soll der Trafic mit einem Wendekreis von 10,3 Metern ähnlich wendig sein wie ein Renault Clio. Mit 1,89 Metern Höhe passt er außerdem in übliche Tiefgaragen.
Serienmäßig ist zudem eine Vehicle-to-Load-Funktion vorgesehen. Damit können beispielsweise Werkzeuge oder andere elektrische Geräte direkt aus der Traktionsbatterie betrieben werden – insbesondere für Handwerker und Baustelleneinsätze eine durchaus praktische Ergänzung. Renault geht davon aus, dass die Gesamtbetriebskosten des neuen Elektro-Transporters bis zu zehn Prozent niedriger ausfallen können als bei einem vergleichbaren Verbrenner.
Neben dem elektrischen Antrieb setzt Renault stark auf Software. Der Trafic E-Tech soll das erste leichte Nutzfahrzeug in Europa mit einer sogenannten Software-Defined-Vehicle-Architektur sein. Statt rund 80 einzelner Steuergeräte sollen zwei zentrale Hochleistungsrechner wesentliche Fahrzeugfunktionen übernehmen. Das Betriebssystem CAR OS wurde gemeinsam mit Google entwickelt. Funktionen sollen dadurch während des Fahrzeuglebens aktualisiert oder ergänzt werden können.
Darauf baut auch das für 2027 angekündigte Programm Renault Uptimize auf. Vernetzte Fahrzeugdaten und künstliche Intelligenz sollen helfen, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen und Werkstattaufenthalte besser zu planen. Renault stellt eine Verringerung der Ausfallzeiten um bis zu 50 Prozent in Aussicht. Flottenmanager erhalten zudem Daten etwa zu Kilometerständen, Energieverbrauch, Routen und Ladevorgängen.
Quelle: Renault – Pressemitteilung vom 14. September 2026









Wird geladen...