Renault holt Geely-Technik für Brasiliens E-Wende

Renault holt Geely-Technik für Brasiliens E-Wende
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Sebastian Henßler
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Renault Geely do Brasil erweitert die Investitionen in das Werk im brasilianischen Curitiba um weitere zwei Milliarden brasilianische Reais. Damit steigt das Gesamtinvestment seit 2025 auf 5,8 Milliarden Reais, umgerechnet rund 899 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilt. Mit dem Geld sollen die Anlagen im Ayrton Senna Industrial Complex für die Fertigung elektrifizierter Fahrzeuge ausgerüstet werden.

Bis 2030 will Renault eine Million Autos außerhalb Europas verkaufen, die Hälfte davon elektrifiziert. 2025 lag die Zahl bei 620.000 Einheiten, das entspricht einem nötigen Wachstum von gut 61 Prozent. Das Werk in Curitiba ist seit 1998 in Betrieb und für eine Jahreskapazität von 300.000 Autos ausgelegt, gebaut wurden im vergangenen Jahr knapp 195.000 Einheiten.

Seit 2025 ist der Standort kein reiner Renault-Betrieb mehr: Geely stieg mit insgesamt 26,4 Prozent ein, aufgeteilt auf Geely Auto und die Zhejiang Geely Holding. Inzwischen läuft mit dem Plug-in-Hybrid-SUV EX5 EM-i das erste Geely-Modell in Brasilien vom Band. Eingefädelt hatte den Deal noch der frühere Renault-Chef Luca de Meo. Sein Nachfolger François Provost war unter dessen Führung selbst für das Partnerschaftsmanagement zuständig und hält an der Kooperation fest.

Ab Dezember 2026 soll in Curitiba die Fertigung des rein elektrischen Geely EX2 anlaufen. Ein Jahr später folgt ein elektrifiziertes Modell auf Basis der GEA-Architektur (Global Intelligent Electric Architecture), dann unter der Marke Renault. Details nennt der Hersteller noch nicht, bestätigt ist lediglich, dass es sich um ein Multi-Energy-Modell für den lateinamerikanischen Markt handelt. Zusätzlich erhält das SUV Boreal, das seit 2025 in Curitiba auf der RGMP-Plattform (Renault Group Medium Platform) gefertigt wird, im kommenden Jahr einen elektrifizierten Allradantrieb mit Flex-Fuel-Verbrenner an der Vorder- und Elektromotor an der Hinterachse.

Neue Modelle für einen boomenden Markt

„Die Ankündigung eines neuen Renault-Fahrzeugs auf Basis der GEA-Plattform markiert einen wichtigen Meilenstein für die Marke und den ersten großen Produktschritt im Rahmen unseres FutuREady-Plans für das Land“, sagt Fabrice Cambolive, CEO der Marke Renault und Chief Growth Officer auf Konzernebene der Renault Group. Victor Yang, Senior Vice President der Geely Holding, bezeichnet die erfolgreiche Markteinführung des ersten lokal gefertigten Geely-Fahrzeugs als historischen Meilenstein für die Globalisierungsstrategie der Geely Auto Group und nennt Brasilien einen strategisch äußerst wichtigen Markt.

Der brasilianische Automarkt wuchs 2025 auf 2,5 Millionen Neuwagen, für das laufende Jahr werden 2,9 Millionen Einheiten erwartet, was das Land zum sechstgrößten Automarkt der Welt macht. Lange dominierten Hersteller wie General Motors, Fiat, Volkswagen do Brasil und Toyota mit Flex-Fuel-Verbrennern, die wahlweise mit Benzin oder lokal aus Zuckerrohr gewonnenem Ethanol laufen. Seit 2022 drängen jedoch chinesische Marken wie BYD, Geely, Chery, Great Wall Motor und Leapmotor mit überwiegend elektrifizierten Modellen auf den Markt und sind in Großstädten längst im Straßenbild sichtbar. Renault selbst bietet in Brasilien bislang kein eigenes elektrifiziertes Modell an, einzige Ausnahme ist der aus Südkorea importierte Hybrid Koleos E-Tech.

Für die wachsende Nachfrage sprechen vor allem niedrige Energiekosten und ein sauberer Strommix. Laut Bradesco-Analyst Constantin Jancsó stammt die Elektrizität in Brasilien zu 56 Prozent aus Wasserkraft, zu 14 Prozent aus Windkraft und zu 8 Prozent aus Solarenergie, was Elektroautos hierzulande sauberer mache als im europäischen Strommix. Die Spritpreise liegen bei 1,00 bis 1,20 Euro je Liter und damit angesichts eines Durchschnittseinkommens von rund 500 bis 660 Euro vergleichsweise hoch. Ariel Montenegro, CEO von Renault Geely do Brasil, betont, dass die Elektrifizierung für Brasilien viel Sinn ergebe, wobei sich kurz- und mittelfristig keine einzelne Antriebstechnologie durchsetzen werde.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur gilt im Vergleich zu europäischen Standards noch als ausbaufähig, entwickelt sich laut Provost aber schnell, zumal viele Kund:innen unkompliziert eine eigene Ladestation zu Hause installieren könnten. Die Geely-Technik bleibt dabei auf Lateinamerika beschränkt, für Europa schließt Cambolive einen entsprechenden Schritt aus. „In Europa setzen wir auf Unabhängigkeit, international auf Pragmatismus“, so der Manager, der früher selbst das Brasilien-Geschäft leitete.

Quelle: Automobilwoche – Renault setzt in Brasilien auf Geely: 319 Millionen Euro für die Elektro-Offensive

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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