Porsche setzt nur bedingt auf Plattform-Strategie des VW-Konzerns

Porsche setzt nur bedingt auf Plattform-Strategie des VW-Konzerns
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Sebastian Henßler
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In 2020 waren ein Drittel aller in Europa ausgelieferten Porsche voll- oder teilelektrisch angetrieben, weltweit waren es 17 Prozent. In 2025 soll die Hälfte aller neuverkauften Porsche einen E-Motor haben; im Jahr 2030 sollen mehr als 80 Prozent der Neufahrzeuge elektrifiziert unterwegs sein. Gestützt werden sollen solche Absatzzahlen nicht nur durch den Porsche Taycan oder Taycan Cross Turismo. Ab 2023 soll auch der Porsche Macan seinen Teil dazu beitragen.

Doch gerade dieser wirbelt wohl einiges durcheinander im VW-Konzern. Denn Volkswagen zieht das Tempo bei der Transformation zum elektrischen und vollvernetzten Zeitalter an. Dazu werde der Konzern seine erfolgreiche Plattformstrategie konsequent weiterentwickeln. Bis Mitte des Jahrzehnts will der Konzern mit der Scalable Systems Platform (SSP) die nächste Generation einer rein-elektrischen, voll-digitalen und hochskalierbaren Fahrzeugplattform entwickeln, auf der dann Modelle aller Marken und Segmente gebaut werden können. Doch Porsche lässt sich darauf nicht ein, zumindest nicht ganz. Dort setzt man zunächst auf die PPE-Plattform.

Geplant ist, dass bereits im nächsten Jahr der Konzern erste Fahrzeuge auf Basis der Premium Platform Electric (PPE), welche von Audi und Porsche gemeinsam entwickelt wurde, mit mehr Beschleunigung, höheren Reichweiten und kürzeren Ladezeiten auf die Straße bringt.  Das erste Modell, welcher die PPE-Plattform nutzt, wird der vollelektrische Porsche Macan SUV sein, der in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres in Produktion geht. Das erste PPE-Fahrzeug von Audi wird der Q6 e-tron SUV sein, ein Schwestermodell des Macan EV. SSP soll die MEB-Plattform des VW-Konzerns ersetzen, die derzeit in vollelektrischen Autos wie dem VW ID.3, dem VW ID.4 , dem Skoda Enyaq und dem kommenden Audi Q4 e-tron compact genutzt wird. „SSP wird bis 2035 das einzige Rückgrat für den Konzern sein“, so VW-Konzernchef Herbert Diess.

Produktions- und Logistikvorstand von Porsche, Albrecht Reimold, gab seinerseits zu verstehen, dass die PPE-Plattform für den Premiummarkt eingesetzt werde. Und SSP die Mainstream-Segmente der VW-Konzernmarken abdecken werde. „Es wäre zu teuer, eine einzige Plattform zu entwickeln, die alle Marktsegmente abdeckt, einschließlich derer [wie Porsche], die sehr hohe Spezifikationen verlangen“, so Reimold abschließend. Allerdings werde Porsche Software- und Technologieelemente von SSP verwenden. „Zukünftige Plattformen sollten nicht nur als Hardware und Geometrie betrachtet werden, sondern auch in Bezug auf Funktionen, Software und Intelligenz, und diese Aspekte werden wir in Zukunft teilen“, so Porsche über die Software-Integration.

Audi und Porsche wollen bis 2030 sieben Millionen Autos auf Basis der PPE-Plattform verkaufen, gab Audi-Chef Markus Duesmann bei der Jahrespressekonferenz der Marke am 18. März. zu verstehen. Die PPE-Architektur wird die Grundlage für Autos der oberen Preisklasse bilden, während Audi die MEB-Plattform des VW-Konzerns für kompakte und mittelgroße SUVs nutzt, sagte er. Audi sagte in seinem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht, dass es „verschiedene PPE-basierte Modellreihen“ plane, darunter SUV, Sportback, Avant (Kombi) und Crossover-Modelle, die die Segmente „von der oberen Mittelklasse bis zur Luxusklasse“ abdecken.

Quelle: Automotive News Europe – Porsche shuns new VW Group platform for its own premium-focused underpinnings

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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