Batterietausch-Start-up Ample meldet Insolvenz an

Batterietausch-Start-up Ample meldet Insolvenz an
Copyright:

Ample

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Mit Ample ist ein Start-up insolvent gegangen, das jahrelang große Erwartungen an den Batterietausch geweckt hatte. Das Unternehmen aus San Francisco wollte zeigen, dass sich die Ladeinfrastruktur für Elektroautos grundlegend anders denken lässt – schneller, günstiger und unabhängig vom jeweiligen Automodell. Nun steht fest, dass diese Vision vorerst nicht aufgegangen ist.

Ample hatte angekündigt, vollautomatische Tauschstationen entwickelt zu haben, die sich innerhalb kurzer Zeit errichten lassen. Herzstück des Konzepts war eine modulare Batterie, die sich in unterschiedliche Autoarchitekturen integrieren lassen sollte. Der eigentliche Wechsel sollte laut Unternehmensangaben rund fünf Minuten dauern. Die Kosten pro Tausch bezifferte Ample mit etwa 13 US-Dollar, umgerechnet rund 11 Euro. Damit wollte das Start-up nicht nur Zeit sparen, sondern auch eine wirtschaftliche Alternative zu herkömmlichen Schnellladesäulen schaffen.

Langfristig zielte das Konzept auf eine massive Skalierung. Der Batterietausch sollte helfen, den Ausbau der Elektromobilität zu beschleunigen. Investoren und Industriepartner zeigten sich zeitweise offen für diese Idee. Insgesamt sammelte Ample im Laufe seiner Unternehmensgeschichte rund 330 Millionen US-Dollar ein, was etwa 281 Millionen Euro entspricht. Trotz dieser Finanzierung reichte das Kapital am Ende nicht aus: Ample hat in Texas ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Als Grund nennt das Unternehmen Liquiditätsengpässe und ein schwieriges Umfeld für Investitionen in erneuerbare Energien. Zwar sei es gelungen, im laufenden Jahr noch frisches Geld einzuwerben, doch habe dies nicht gereicht, um den Betrieb dauerhaft zu sichern.

Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Ample Vermögenswerte zwischen 10 und 50 Millionen US-Dollar besitzt, also rund 8,5 bis 42,5 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von 50 bis 100 Millionen US-Dollar, entsprechend etwa 42,5 bis 85 Millionen Euro. Zusätzlich beantragt das Unternehmen eine Finanzierung über 6 Millionen US-Dollar, umgerechnet 5,1 Millionen Euro, um laufende Kosten zu decken und das Insolvenzverfahren zu begleiten. Von ehemals zahlreichen Beschäftigten sind inzwischen nur noch zwei im Unternehmen verblieben.

Ein anonymer Hinweis, der an das Portal Electrek ging, zeichnet ein kritisches Bild der internen Abläufe. Demnach seien viele Mitarbeitende bereits vor einigen Monaten kurzfristig entlassen worden. Zudem steht eine Klage wegen möglicher Verstöße gegen den US-amerikanischen WARN Act im Raum, der Massenentlassungen regelt. Der Informant betont, dass die technische Lösung grundsätzlich funktioniere, sieht die Ursachen der Insolvenz jedoch vor allem in mangelnder Managementerfahrung, überzogenen Versprechen und einem ineffizienten Umgang mit Kapital.

Wie es mit der entwickelten Technik weitergeht, ist offen. Denkbar wäre eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen, sofern dieses Potenzial in dem Ansatz sieht. Immerhin konnte Ample namhafte Partner wie Shell, Mitsubishi und Stellantis für Investitionen oder Kooperationen gewinnen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass die Technologie vom Markt verschwinde.

Quelle: elecetrek.co – Another EV battery swapping company is going bankrupt

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

Sebastian Henßler  —  

MG will als erster Automobilhersteller eine Semi-Solid-State-Batterie in Großserie nach Europa bringen. Der Hochlauf läuft, doch manche Fragen bleiben offen.

Polestar erhöht Anteil an recyceltem Kobalt in Batterien

Polestar erhöht Anteil an recyceltem Kobalt in Batterien

Maria Glaser  —  

In den Batterien der Modelle Polestar 2 und 3 der schwedisch-chinesischen Marke sind nun mindestens 50 Prozent an recyceltem Kobalt enthalten.

Lyten plant 1000 Jobs auf Northvolt-Gelände bei Heide

Lyten plant 1000 Jobs auf Northvolt-Gelände bei Heide

Sebastian Henßler  —  

Das US-Unternehmen Lyten will auf dem Northvolt-Gelände bei Heide rund 1000 Jobs schaffen und 2028 die Produktion mit grüner Energie starten.

Chery-Akku schnuppert an 1500 Kilometern Reichweite

Chery-Akku schnuppert an 1500 Kilometern Reichweite

Daniel Krenzer  —  

Die ersten Festkörperbatterien sollen noch in diesem Jahr in einem Elektroauto getestet werden, halbfeste Batterien gehen zeitnah in Serie.

Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten

Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten

Sebastian Henßler  —  

Die Batterie-Pack-Produktion wechselt von der Innovationsphase in die industrielle Reife – was das für Anlagenbauer und ihre Kunden bedeutet.

Donut Lab legt nach: Neue Daten sollen Zweifel zerstreuen

Donut Lab legt nach: Neue Daten sollen Zweifel zerstreuen

Daniel Krenzer  —  

Donut Lab veröffentlicht neue Testdaten zur Ladungserhaltung seiner umstrittenen Feststoffbatterie. Die Ergebnisse sollen Zweifel am „Wunder-Akku“ ausräumen.