Porsche bei 0,2 Prozent Marge: Zeitenwende in Zuffenhausen

Porsche bei 0,2 Prozent Marge: Zeitenwende in Zuffenhausen
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McLaren

Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Zum Jahresbeginn übernimmt Michael Leiters den Vorstandsvorsitz bei Porsche – und damit eine Aufgabe, die unter anderen Vorzeichen kaum anspruchsvoller sein könnte. Der promovierte Ingenieur folgt auf Oliver Blume, der sich künftig auf den Konzernvorsitz bei Volkswagen konzentriert. Für Leiters markiert der Schritt den vorläufigen Höhepunkt einer internationalen Karriere, für den Sportwagenhersteller beginnt eine Phase der Neuordnung unter hohem Druck.

Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich von früheren Führungswechseln. Der Umbau der Autoindustrie hin zur Elektromobilität verläuft langsamer als erwartet, zentrale Märkte schwächeln, und politische Faktoren verschärfen die Lage. Besonders schmerzhaft ist der Einbruch in China, das noch vor wenigen Jahren als wichtigster Absatzmarkt galt. Hinzu kommt das US-Geschäft, das unter der Zollpolitik von Präsident Donald Trump leidet. In dieser Gemengelage muss Leiters eigene Akzente setzen, ohne die Entscheidungen seines Vorgängers vollständig infrage zu stellen.

0,2 Prozent Marge zeigen die wirtschaftliche Schieflage von Porsche

Die wirtschaftliche Ausgangslage ist angespannt. Porsche, lange Zeit für hohe zweistellige Renditen bekannt, rutschte zuletzt in eine operative Marge von 0,2 Prozent. Ein Wert, der vor Kurzem noch als kaum vorstellbar galt. Der Autoanalyst Stephen Reitman von Bernstein sprach von einer Marke, die inzwischen „weit entfernt von der verlässlichen Ertragsmaschine früherer Jahre“ sei. Aussagen wie diese verdeutlichen, mit welcher Erwartungshaltung der neue Vorstandschef konfrontiert ist.

Schon vor Amtsantritt signalisierte Leiters Distanz zu seinem Vorgänger. Er entschied, ohne den bisherigen Kommunikationschef zu arbeiten, der zugleich Sprecher des Volkswagen-Konzerns ist. Die personelle Trennung wird in Zuffenhausen als bewusster Schritt interpretiert, um eigene Strukturen zu schaffen. Gleichzeitig bleibt die Konzernrealität präsent. Im Aufsichtsrat der Porsche AG sitzen mehrere Manager aus dem Volkswagen-Umfeld, auch wenn Blume selbst dort derzeit keinen Platz einnimmt.

Öffentlich zeigte sich Blume dennoch wohlwollend. Leiters sei ein „hervorragender Techniker und eine starke Führungspersönlichkeit“, erklärte er und verband dies mit der Erwartung, dass der Nachfolger auf der eingeschlagenen Neuausrichtung aufbaue. Diese Neuausrichtung war von späten Korrekturen geprägt. Weil der Hochlauf der Elektromobilität hinter den Planungen zurückblieb, kündigte Porsche zusätzliche Verbrenner- und Plug-in-Modelle an, verschob Plattformprojekte und stellte die Batteriefertigung der Tochter Cellforce ein. Zusammen mit angekündigten Stellenstreichungen belastet das die Bilanz im laufenden Jahr erheblich.

Leiters übernimmt damit ein Paket aus begonnenen Maßnahmen und offenen Baustellen. Analysten sehen gerade darin seine erste Bewährungsprobe. Reitman betonte, ein Führungswechsel sei der beste Zeitpunkt, um im Unternehmen ein stärkeres Gefühl von Dringlichkeit zu erzeugen. Investoren erwarten klare Prioritäten und nachvollziehbare Entscheidungen.

Ein Symbol für die Herausforderungen bleibt der Taycan. Das vollelektrische Modell sollte als technisches Aushängeschild dienen und trug Blume bis an die Spitze des Volkswagen-Konzerns. Inzwischen haben sich die Vorzeichen gedreht. Die Restwerte sind gesunken, die Auslieferungen gingen zurück, vor allem in China. Dort trifft der Taycan auf neue Wettbewerber wie den SU7 von Xiaomi, der zu einem deutlich niedrigeren Preis angeboten wird. Branchenexperten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management weisen darauf hin, dass in China ein umfassendes digitales Ökosystem rund um das Auto entscheidend sei, nicht allein Leistungsdaten.

Macan und Modellstrategie erzwingen teure Kurskorrekturen

Auch andere Modelle stehen im Fokus. Der Macan verkauft sich weiterhin gut, allerdings überwiegend mit Verbrennungsmotor außerhalb Europas. Das von Blume forcierte Ende des Verbrenners in der EU bezeichnete er später selbst als Fehler. Diese Kurskorrektur zwingt Leiters nun dazu, nachträglich Lösungen zu entwickeln, was mit hohen Kosten verbunden ist. Parallel dazu bleibt unklar, wie erfolgreich kommende elektrische SUV-Modelle im Luxussegment sein können.

Neben strategischen Fragen rücken soziale Aspekte in den Vordergrund. Für 2025 wird mit einem deutlichen Absatzrückgang gerechnet, was die Sorge um Arbeitsplätze nährt. Der neue Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan forderte früh Perspektiven für die deutschen Standorte und betonte die Bedeutung von Gesprächen auf Augenhöhe. Leiters kennt das Unternehmen, er arbeitete bereits 13 Jahre in Zuffenhausen, bevor er zu Ferrari und später zu McLaren wechselte. Diese Erfahrung könnte ihm helfen, Vertrauen aufzubauen.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie Leiters die Balance zwischen Tradition und Anpassung gestaltet. Absatzprognosen, Zollfragen und die Entwicklung in China bleiben Unsicherheitsfaktoren. Klar ist nur, dass sein Start mehr ist als ein routinemäßiger Führungswechsel. Für Porsche geht es um die Neujustierung eines Geschäftsmodells, das lange als stabil galt und nun unter veränderten Marktbedingungen bestehen muss.

Quelle: Handelsblatt – Zurück in die Zukunft? So will Leiters Porsche sanieren

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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