Nissans Elektro-Chef: 10.000-Euro-Auto ist Geschichte

Nissans Elektro-Chef: 10.000-Euro-Auto ist Geschichte
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Nissan

Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 2 min

Guillaume Pelletreau, Vize-Chef des Elektromobilitätsbereiches beim japanischen Autobauer Nissan, hat im Interview mit Vision Mobility gemutmaßt, dass es künftig keine vollwertigen Autos mehr für 10.000 Euro geben wird. Elektrisch betriebene Fahrzeuge unter 20.000 Euro seien derzeit schlichtweg nicht darstellbar. Nissan plane zwar, die Batteriekosten bis 2028 um 65 Prozent zu senken. Auf solch niedrige Preise, wie sie derzeit zum Beispiel Dacia bei konventionell betriebenen Fahrzeugen bietet, würden die Automobilbauer zukünftig aber wohl nicht mehr kommen.

Angesprochen auf die Konkurrenz aus China – BYD will den Seagull für etwa jene 10.000 Euro verkaufen – stellt Pelletreau fest, dass diese Fahrzeuge nicht mit einem Package angeboten werden könnten, das Nissan-Kunden erwarten würden. „Aber uns ist auch klar, dass viele Kunden die höheren Preise nicht mehr mitgehen können oder wollen“, stellt er fest – und verweist auf Leasing-Fahrzeuge oder junge Gebrauchte von Nissan, deren Software dank Over-the-Air-Updates der von Neufahrzeugen entsprechen würde.

Ariya ist noch ein seltener Anblick

Er selbst nutze als Dienstwagen einen Nissan Ariya, dieser ist jedoch auf deutschen Straßen noch ein seltener Anblick. „Für die Stückzahlen, die wir aktuell liefern können, sind wir sehr zufrieden. Absolut gesehen sind wir es natürlich nicht, denn als wir den Launch geplant haben, hatten wir weder Covid, noch die Chipkrise, noch den Ukraine-Konflikt auf dem Zettel. Aber die Situation bessert sich wöchentlich“, führte er im Gespräch mit Vision Mobility aus.

Als Topmodell unterstreiche der Ariya Nissans Ansprüche für die elektrische Zukunft der Marke. Als weitere elektrische Fahrzeuge sind bereits ein weiteres SUV, einen Sportwagen sowie ein Kompaktmodell auf Basis des neuen Renault 5 angekündigt worden, letzteres könnte den in die Jahre gekommenen Leaf beerben – einst Pionier der Elektromobilität, inzwischen aber durch Chademo-Ladeanschluss und Problemen beim wiederholten Schnellladen technisch überholt.

e-Power als Elektro-Einstiegsdroge?

Zudem verteidigte Pelletreau den Nissan-Weg, „Mogel-Elektromobilität“ in Form der sogenannten e-Power-Technik anzubieten. Der Qashqai als Bestseller der Marke sowie der X-Trail werden damit verkauft. Die Fahrzeuge werden mit Benzin betankt, fahren aber – anders als ein Vollhybrid – rein elektrisch, nachdem die Energie aus dem fossilen Treibstoff im Fahrzeug energetisch umgewandelt wurde – der Benzinmotor dienst letztendlich als Generator. „Wir orientieren uns hier klar am Kunden. Dank e-Power kann man erfahren, wie angenehm es ist, rein elektrisch zu fahren, ohne sich Sorgen um die Reichweite zu machen. Und dank e-Power steigt das Interesse an rein elektrischen Fahrzeugen, die unsere Zukunft sein werden!“, erläuterte er.

Quelle: Vision Mobility – „Nissan-Elektro-Chef Pelletreau: Vom 10.000-Euro-Auto werden wir uns verabschieden müssen!“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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