Nio steigert Umsatz, bleibt aber in den roten Zahlen

Nio steigert Umsatz, bleibt aber in den roten Zahlen
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Sebastian Henßler
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Der chinesische Elektroautohersteller Nio hat das Geschäftsjahr 2025 mit deutlich höheren Umsätzen, steigenden Auslieferungen und verbesserten Margen abgeschlossen. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen unter dem Strich weiterhin in den roten Zahlen. Die aktuellen Zahlen zeigen damit ein Bild aus wachsendem Absatz, steigender Effizienz und weiterhin hohen Investitionen in Technologie und Infrastruktur.

Im Gesamtjahr 2025 erzielte Nio einen Umsatz von umgerechnet etwa 11,37 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von rund 33 Prozent. Einen großen Anteil daran hatte der Verkauf von Autos, der auf etwa 9,99 Milliarden Euro stieg. Damit legten die Erlöse aus dem Autogeschäft um rund 32 Prozent zu.

Parallel zu den steigenden Umsätzen verbesserte sich auch die Profitabilität auf Bruttoebene. Die Bruttomarge lag 2025 bei 13,6 Prozent, nachdem sie ein Jahr zuvor noch 9,9 Prozent betragen hatte. Auch die Marge im Autogeschäft entwickelte sich positiv und erreichte 14,6 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens hängt dieser Anstieg vor allem mit einer veränderten Modellstruktur zusammen, bei der stärker nachgefragte und höherpreisige Modelle einen größeren Anteil an den Auslieferungen hatten.

Deutlich mehr ausgelieferte Autos treiben Geschäft

Der Zuwachs beim Absatz bildet eine zentrale Grundlage für diese Entwicklung. Im gesamten Jahr 2025 lieferte Nio über seine drei Marken hinweg gut 326.000 Autos aus. Damit stieg die Zahl der Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 47 Prozent. Besonders im vierten Quartal entwickelte sich das Geschäft dynamisch. In diesem Zeitraum setzte das Unternehmen fast 125.000 Autos ab und erreichte damit ein Wachstum von mehr als 70 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Firmengründer und Vorstandsvorsitzender William Bin Li bezeichnete das vergangene Jahr als Phase beschleunigten Wachstums. In einer Stellungnahme erklärte er, dass die Nachfrage nach den verschiedenen Marken des Unternehmens weiter gestiegen sei. „Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte wurde in ihren jeweiligen Marktsegmenten breit anerkannt“, sagte Li. Er verwies dabei unter anderem auf die Entwicklung einzelner Modelle. Das Modell Nio ES8 habe weiterhin stabile Auslieferungszahlen erreicht, während der Onvo L90 zu den meistverkauften großen Elektro-SUV gezählt habe.

Neben den etablierten Nio-Modellen baut der Hersteller seine Markenstruktur weiter aus. Zum Portfolio gehören inzwischen neben der Kernmarke Nio auch die Marke Onvo sowie die kleinere Baureihe Firefly. Laut Unternehmen richtet sich jede dieser Marken an unterschiedliche Marktsegmente. Diese Strategie soll es ermöglichen, eine breitere Kundengruppe anzusprechen und gleichzeitig Skaleneffekte bei Entwicklung und Produktion zu nutzen.

Verluste sinken trotz weiter hoher Investitionen

Trotz des Umsatzwachstums bleibt die Bilanz jedoch weiterhin von Verlusten geprägt. Für das Gesamtjahr 2025 meldete Nio einen Nettoverlust von etwa 1,94 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Fehlbetrag allerdings verringert. 2024 lag der Nettoverlust noch bei rund 2,8 Milliarden Euro. Auch beim operativen Ergebnis zeigte sich eine ähnliche Entwicklung. Der operative Verlust reduzierte sich auf etwa 1,83 Milliarden Euro, was einem Rückgang von knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Finanzvorstand Stanley Yu Qu verwies darauf, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung besonders im letzten Quartal des Jahres verbessert habe. Im vierten Quartal erzielte das Unternehmen erstmals ein positives operatives Ergebnis auf bereinigter Basis. „Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt in unserer operativen Leistung“, erklärte Qu. Verbesserungen bei der Produktstruktur sowie Programme zur Kostenkontrolle hätten dazu beigetragen, die Margen zu erhöhen.

Investitionen in Technik und Konzernstruktur auch in 2026

Ein Teil der strategischen Ausrichtung betrifft weiterhin Investitionen in Technologie. Nio arbeitet nach eigenen Angaben an mehreren Kerntechnologien rund um Software, autonomes Fahren und Energiesysteme. Dazu zählt auch die Entwicklung eigener Chips für intelligente Fahrfunktionen. Auch innerhalb der Konzernstruktur wurden Anpassungen vorgenommen. Ende 2025 und Anfang 2026 vereinbarte das Unternehmen den Rückkauf kleinerer Beteiligungen an seiner China-Einheit. Für diese Transaktionen ist ein Gesamtbetrag von bis zu 130 Millionen Euro vorgesehen. Nach Abschluss der Käufe soll der Anteil des Mutterkonzerns an Nio China auf etwa 92,9 Prozent steigen.

Parallel dazu setzt der Hersteller auf steigende Produktionszahlen im laufenden Jahr. Für das erste Quartal 2026 erwartet Nio Auslieferungen zwischen 80.000 und 83.000 Autos. Das würde einem Wachstum von mehr als 90 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entsprechen. Bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 lieferte das Unternehmen nach eigenen Angaben fast 48.000 Autos aus.

Quelle: Nio – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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