Nios Europa-Umbau trifft Deutschland am härtesten

Nios Europa-Umbau trifft Deutschland am härtesten
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Nach einem ernüchternden Verkaufsjahr in Europa stellt Nio seine Organisationsstrukturen auf dem Kontinent grundlegend neu auf. Der chinesische Automobilhersteller ersetzt die bisherige länderspezifische Aufstellung durch eine europäische Funktionsstruktur, die bis Ende des Monats stehen soll. Deutschland-Chef David Sultzer hat das Unternehmen bereits verlassen.

Dabei hatte das vierte Quartal 2025 eigentlich Grund zur Zuversicht geliefert: Nio erzielte erstmals seit Unternehmensgründung einen operativen Quartalsgewinn – und löste damit ein Versprechen von CEO William Li ein. Global verkaufte die Marke im vergangenen Jahr rund 326.000 Autos, ein Plus von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Marktexperten führen die verbesserte Ertragslage vor allem auf Skaleneffekte durch das gestiegene Produktionsvolumen zurück.

Geduld scheint an ihre Grenzen zu stoßen

Der europäische Beitrag zu dieser Entwicklung fällt allerdings kaum ins Gewicht. In den sieben Kernmärkten Deutschland, Norwegen, Niederlande, Schweden, Dänemark, Belgien und Portugal verzeichnete Nio im gesamten Jahr 2025 gerade einmal 1129 Neuzulassungen – ein Rückgang um 31 Prozent im Vergleich zu 2024. Zum Vergleich: Der ebenfalls aus China stammende Automobilhersteller Xpeng brachte es in seinem ersten vollen Verkaufsjahr in Deutschland allein auf knapp 3000 Einheiten.

Nio-Europa-Chef Hui Zhang betonte wiederholt, dass Europa in der globalen Strategie des Unternehmens eine zentrale Rolle spiele. Im Sommer erklärte er gegenüber der Automobilwoche, man nehme sich bei der Entwicklung des europäischen Geschäfts Zeit und schaue nicht auf kurzfristige Absatzzahlen. Ein Sprecher bestätigte auf Nachfrage, diese strategische Einschätzung habe weiterhin Bestand.

Die jetzt eingeleitete Umstrukturierung deutet jedoch darauf hin, dass die anhaltend schwachen Verkaufszahlen Konsequenzen nach sich ziehen. Mit der neuen Funktionsstruktur verspricht sich Nio mehr Effizienz und eine besser koordinierte Umsetzung seiner Wachstumspläne. Ein wesentlicher Nebeneffekt: Kostensenkungen. In Deutschland wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr lediglich 325 Autos der Marke zugelassen. Das sei, räumt Nio ein, ein schwaches Argument für eine eigenständige Landesorganisation mit einem General Manager an der Spitze.

Direktvertrieb weicht klassischem Händlermodell

Was die Umstrukturierung für die rund 120 Nio-Beschäftigten in Deutschland bedeutet, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffern. Das Münchner Design- und Entwicklungszentrum gewinne durch die Neuausrichtung eher an Bedeutung, ebenso bleibe der Service im gewohnten Umfang bestehen. Auch die Führungspositionen von Hui Zhang als Vice President Nio Europe und Thijs Meijling als Head of Nio Europe stehen nicht zur Disposition.

Grundlegender fallen die Veränderungen im Vertrieb aus. Nio will den Direktvertrieb in mehreren europäischen Märkten durch ein klassisches Händlermodell ersetzen. In Ländern, in denen das bisherige Modell funktioniert – etwa den Niederlanden oder Norwegen –, soll es bestehen bleiben. Für Deutschland zeichnet sich dieser Weg nicht ab.

Quelle: Automobilwoche – Nio-Dauerschwäche in Europa: Der Patriarch wird ungeduldig

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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