William Li, der Gründer, Vorsitzende und CEO des chinesischen Autoherstellers Nio bekräftigte das Ziel des Unternehmens, im Jahr 2026 die jährliche Rentabilität zu erreichen. Diese Ansprache fand im Rahmen einer internen, unternehmensweiten Versammlung gegenüber den Mitarbeitenden statt. Zuvor hatte das Unternehmen seinen ersten Quartalsgewinn für das vierte Quartal 2025 angekündigt.
Nachhaltiges Wachstum erfordert angemessene Gewinne und dies sei ein grundlegendes Ziel, das Nio erreichen müsse, so Li. Daher strebt das Unternehmen in diesem Jahr eine Non-GAAP-Rentabilität an, wie lokale Medien berichteten. „Jährliche Rentabilität ist nicht leicht zu erreichen – nehmen Sie sie nicht als selbstverständlich hin”, so Li in der Ansprache. Weiterhin sagte er: „Wir haben es letztes Jahr geschafft und wir sollten es dieses Jahr wieder schaffen.”
Zentral für das Erreichen dieses Ziels ist die Unternehmensstruktur von Nio, die nach Cell Business Units (CBU) aufgeteilt ist. Diese einzelnen Einheiten sind für ihre eigenen Geschäfte verantwortlich und stehen anstelle von zentraler Steuerung. Da sich diese CBU-Struktur bewährt hat, soll sie künftig weiter ausgebaut werden: „Um eine Analogie zum Automobilbau zu verwenden: Im letzten Jahr haben wir im Wesentlichen ein Konzeptfahrzeug produziert. Wir werden diese Bemühungen fortsetzen und uns bemühen, schneller zur Serienproduktion zu gelangen und jährliche Verbesserungen der Betriebsleistung zu erzielen.“
Top-Modelle ES8, Onvo und Firefly
Während des Treffens würdigte Li verschiedene Bereiche des Unternehmens. Dazu gehören neben dem internen Team für die Entwicklung von Chips und dem Team für Kostensenkungen in der Lieferkette auch die Teams für die Modelle ES8, Onvo L90 und Firefly.
Diese Modelle waren die Grundlage für das robuste Wachstum von Nio in der zweiten Hälfte des Jahres 2025. Die dritte Generation des ES8 lieferte dabei in nur 134 Tagen 60.000 Einheiten aus und trug damit maßgeblich zur Rentabilität des Unternehmens im vierten Quartal des letzten Jahres bei. „Im Dezember belegte der neue ES8 nicht nur den ersten Platz bei den Verkäufen von großen SUVs in allen Preissegmenten und Antriebsarten, sondern sicherte sich auch die Spitzenposition bei den Verkäufen von Fahrzeugen mit einem Preis über 400.000 RMB (ca. 49.000 Euro), unabhängig von Antriebsart und Karosserieform“, so Li.
Der Verkaufsschlager bei den rein elektrischen SUVs mit drei Sitzreihen war der Onvo L90, der drei Monate in Folge über 10.000 Auslieferungen erzielte. Der Firefly wiederum erreichte im Dezember 61 Prozent des Marktanteils bei den Premium-Kleinwagen. Damit sei Firefly eines der wenigen Modelle der letzten Jahre, dessen Verkaufszahlen seit seiner Markteinführung stetig gestiegen sind, so Li. Das sei besonders beeindruckend im Hinblick auf ein Phänomen namens New Car Death Valley Effect: „Die Verkaufszahlen erreichen unmittelbar nach der Markteinführung ihren Höhepunkt und sobald die anfängliche Begeisterung nachlässt, wird es schwierig, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Selbst die beliebtesten Modelle stehen vor dieser Hürde, doch der Firefly hat die Erwartungen übertroffen und verkaufte sich in seiner stabilen Phase sogar noch besser“, so Li. Außerdem solle Firefly für Nio den Eintritt in den globalen Markt ebnen.
Grundsätzlich sieht Li die aktuellen Erfolge als ein Resultat der Investitionen in grundlegende Technologien in den letzten zehn Jahren: „Im Jahr 2025 wurden unser intelligenter Fahrchip Shenji 9031, das All-Domain-Betriebssystem SkyOS und das intelligente Fahrwerk SkyRide in Serienfahrzeugen eingesetzt. Der Nio ET9, dessen Auslieferung im März letzten Jahres begann, ist bis heute das technologisch fortschrittlichste Fahrzeug der Welt.“
Batteriewechsel statt Ladesäule
Ein weiteres Geschäftsmodell, das sich für Nio laut Li bewährt habe, ist der Battery Swap. Dabei werden Elektroauto-Akkus in entsprechenden Servicestellen getauscht, wodurch das Elektroauto-Laden entfällt. Dieses Konzept, was es auch in Deutschland gibt, geht mit dem Battery-as-a-Service-Konzept von Nio einher. In China ist es bereits weit verbreitet, sodass Nio vor wenigen Tagen seinen 100-millionsten Batteriewechsel als Service absolvierte. Derzeit betreibt Nio über 3.700 Batteriewechselstationen und plant, in diesem Jahr 1.000 weitere zu bauen.
Hinsichtlich der Auslieferungen habe Nio zahlreiche Meilensteine erreicht. Der Jahresumsatz des Unternehmens stieg im letzten Jahr um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr und in der zweiten Jahreshälfte lag der Anstieg sogar bei über 70 Prozent. Anfang Januar produzierte Nio sein millionstes Serienfahrzeug – ein Elektroauto. In Europa verläuft der Verkauf der Marke jedoch derweil schleppend, sodass Nio im Januar 2026 in Deutschland lediglich ein einziges Auto verkauft hat.
Im vierten Quartal konnte Nio erstmals Gewinn verzeichnen, unabhängig davon, ob nach Non-GAAP- oder GAAP-Standards. Damit hat das Unternehmen ein profitables viertes Quartal erzielt. Die Rentabilität sei jedoch nur der Ausgangspunkt, so Li, und das Unternehmen müsse weiterhin stetig voranschreiten. Nio befinde nun in der dritten Phase der Unternehmensentwicklung.
Die drei Phasen bei Nio
Li zufolge erstreckte sich die erste Phase des Unternehmens von der Gründung und der ersten Auslieferung 2018 bis zum Jahr 2021. Dabei konnte mitunter ein jährliches Wachstum von über 100 Prozent erreicht werden.
Die zweite Phase von 2022 bis zum ersten Halbjahr des letzten Jahres war von einem jährlichen Wachstum von über 30 Prozent gekennzeichnet, obwohl die Verkäufe in diesem Zeitraum hinter den Erwartungen zurückblieben. Außerdem erfolgten in dieser Zeit Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur. Die organisatorische Transformation zu CBU-Strukturen fällt ebenfalls in diesen Zeitraum. Deren Früchte könnten nun – in der dritten Phase – geerntet werden, so Li. Dabei strebt Nio ein jährliches Wachstum von 40 bis 50 Prozent an.
Trotzdem müsse weiterhin genau geprüft werden, welche Ausgaben für das Unternehmen zielführend sind und welche nicht. „Früher haben wir es oft versäumt, Konzepte zu priorisieren, die wir für potenziell wertvoll hielten. Wir haben detaillierte Berechnungen vernachlässigt und es versäumt, die Kapitalrendite rigoros zu bewerten – dieser Ansatz ist eindeutig nicht nachhaltig“, reflektiert Li. Nio wolle in Zukunft seine Rolle in der Technologie- und Produktentwicklung der Automobilindustrie behaupten und den Schlüssel dafür sieht Li in verbesserter Forschung und Entwicklung. Es gehe darum, mit möglichst geringem Aufwand die größtmögliche Wirkung zu erzielen.
Quelle: CnEVPost – William Li reaffirms Nio’s 2026 annual profitability target in internal address








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