The Mobility House will E-Autofahrer gratis laden lassen

The Mobility House will E-Autofahrer gratis laden lassen
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BMW

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 5 min

Bidirektionales Laden soll die Stromnetze entlasten und Strom günstiger machen. E-Autos sollen dazu als rollende Energiespeicher dienen, die Netzstrom in ihrer Batterie speichern, wenn gerade viel erneuerbarer Strom erzeugt wird und die Preise an den Strombörsen niedrig sind. Steigen die Preise, kann der Strom gewinnbringend wieder ins Netz eingespeist werden.

Inzwischen gibt es zwar eine Reihe von Elektroautos, die diese sogenannte Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) beherrschen – bis Ende 2025 stand der Gesetzgeber jedoch auf der Bremse: Haushalte müssen beim Laden ihrer Fahrzeugbatterie ohnehin Netzentgelte zahlen, wie bei jedem anderen Stromverbrauch auch. Wenn das Auto später netzdienlich Strom ins Netz zurückgab, wurde diese Rückspeisung zwar nicht erneut belastet, doch beim Wiederaufladen der Batterie fielen erneut Netzentgelte an. Damit wurden Besitzer V2G-fähiger E-Autos, die die Funktion tatsächlich nutzen wollten, faktisch zweimal mit Netzentgelten belegt, obwohl die Zwischeneinspeisung das Stromsystem stabilisierte, moniert der Ladelösungsanbieter The Mobility House (TMH). Diese doppelte Belastung machte Vehicle-to-Grid wirtschaftlich unattraktiv, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Gesetzesreform macht bidirektionales Laden wirtschaftlich attraktiver

Seit einer Reform des Energiewirtschaftsgesetzes im November 2025 werden V2G-fähige Elektroautos jedoch regulatorisch wie große Batteriespeicher behandelt und nicht mehr doppelt mit Netzentgelten belastet. The Mobility House sprach anlässlich der Reform von einem „Durchbruch für bidirektionales Laden“ – nun zeichnet sich ab, was der Anbieter aus der Reform machen möchte: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, will Mobility House noch in diesem Jahr einen Stromtarif anbieten, mit dem Privatkunden völlig kostenlos laden sollen. „Wir sind noch klein“, so Herbert Diess, Verwaltungsratvorsitzender bei The Mobility House und ehemaliger VW-Konzernchef. „Aber wenn unser Geschäftsmodell funktioniert – und die Chancen dafür sind hoch – werden Elektroautos umsonst fahren können.“

Das Angebot soll noch im zweiten Quartal zunächst für den neuen Renault R5 herauskommen, im Laufe des Jahres sollen auch Besitzer der Mercedes-Modelle CLA und GLC teilnehmen können. Die Kunden erhalten kostenlosen Ladestrom, verpflichten sich im Gegenzug jedoch, ihren Stromer jede Nacht an die heimische Wallbox anzuschließen und mit einem vorab festgelegten Mindestladestand zufrieden zu sein, heißt es in dem Bericht.

Von dem Konzept sollen beide Seiten profitieren können, sowohl der Ladelösungsanbieter als auch seine Kunden: „Der Kunde benennt einen Mindestfüllstand, beispielsweise, dass das Fahrzeug morgens um sieben Uhr zu 60 Prozent geladen sein soll“, erklärt TMH-Chef Thomas Raffeiner. In den Nachtstunden verrichtet The Mobility House seine Arbeit: „Wir können innerhalb der vom Kunden vorgegebenen Grenzen Flexibilität netzdienlich einsetzen“, so Raffeiner weiter. „Wenn irgendwo ein Trafo überlastet ist, dann stoppen wir das Laden, und wenn wir zu viel Energie im System haben, weil der Wind kräftig weht, dann laden wir das Auto und nehmen somit Strom aus dem Netz heraus.“

Das Unternehmen bezieht den Strom in Phasen, in denen er günstig ist, und speichert ihn über die intelligenten Wallboxen in den Antriebsbatterien der teilnehmenden Fahrzeuge. Wenn der Strom gerade teuer (oder zumindest teurer) ist, kann TMH ihn wieder ins Netz einspeisen und davon profitieren. Ein Teil des Erlöses wird genutzt, um den Kunden dauerhaft kostenlos laden zu lassen, den anderen Teil streiche das Unternehmen selbst als Erlös ein, erklärt Raffeiner.

Gute Erfahrungen in Frankreich – und eine Chance für deutsche Autobauer?

Raffeiner zufolge braucht es nicht einmal spezielle Anreize, um sicherzustellen, dass die Kunden ihr Fahrzeug tatsächlich jede Nacht an die Wallbox anschließen. Das zeigen zumindest Erfahrungen aus einem Nachbarland: „Zusammen mit Renault bieten wir unseren Tarif schon heute in Frankreich an und haben die Erfahrung gemacht: Die Kunden stecken zuverlässig ein – einfach auf Vertrauensbasis“, so der TMH-Chef.

Auch der Energieversorger Eon bietet in Kooperation mit BMW bereits seit Februar einen Tarif an, der ähnlich funktioniert: Fahrer des neuen BMW iX3 erhalten eine Vergütung für jede Stunde, die das Auto an der heimischen Wallbox hängt. Damit sollen die E-Autofahrer bis zu 720 Euro im Jahr erwirtschaften können. Vorstandschef Leonhard Birnbaum spricht von einer Flexibilitätslösung, die es Kunden ermögliche, „aktiv von der Energiewende zu profitieren“.

Im Sommer dieses Jahres will der Ökostrom-Versorger Octopus Energy einen ähnlichen V2G-Tarif in Kooperation mit Ford auf den Weg bringen. Kunden erhalten hier eine Preisreduktion beim Ladestrom sowie einen Bonus von bis zu 360 Euro pro Jahr, wenn das Auto mindestens 300 Stunden im Monat an der heimischen Wallbox hängt. Voraussetzung ist es in allen Fällen, im Besitz eines V2G-fähigen Autos, eines intelligenten Stromzählers und einer passenden Wallbox zu sein. Bislang sind die Tarife außerdem Kooperationsprojekte zwischen Energieversorgern und Autoherstellern, sodass die Stromanbieter nur bestimmte Fahrzeugmodelle zulassen. TMH-Chef Raffeiner geht jedoch davon aus, dass nun immer mehr Automodelle mit bidirektionalen Ladefähigkeiten auf den Markt kommen.

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt Raffeiner das Konzept als große Chance für die deutsche Autoindustrie. Die Chinesen hätten gute Autos, günstige Batterien und niedrige Herstellungskosten, so der TMH-Chef. Da sei ein Tarifangebot mit dauerhaft kostenlosem Strom schon etwas, „womit ich mich als deutscher Autohersteller differenzieren kann“.

Auch der ehemalige VW-Chef Diess argumentiert, dass E-Autos heute „eine völlig neue Rolle übernehmen“ können und „viel mehr für eine Gesellschaft leisten als ein Verbrenner“, da die Kunden dann nichts mehr für den Strom zahlten, Strom aufgrund der besseren Steuerung von Nachfrage und Angebot insgesamt günstiger wird und man so auch insgesamt weniger Netzausbau bräuchte. „Das wäre natürlich ein Vorzeigethema für Deutschland, das hier als Erste zum Laufen zu bringen“, so Diess.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung – Gratisstrom fürs Elektroauto / The Mobility House – Pressemitteilung vom 18.11.2025

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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