SMI-Bilanz: Smart-Meter-Rollout mit strukturellen Lücken

SMI-Bilanz: Smart-Meter-Rollout mit strukturellen Lücken
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Drei Jahre ist es nun her, dass das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GDEW) in Kraft trat. Am 27. Mai 2023 schuf die damalige Bundesregierung unter Wirtschaftsminister Robert Habeck den regulatorischen Rahmen, der den jahrzehntelang ins Stocken geratenen Smart-Meter-Rollout in Deutschland wieder in Bewegung bringen sollte. Zum Jahrestag hat die Smart-Meter-Initiative (SMI) – ein Zusammenschluss der Ökostromanbieter Tibber, Octopus Energy, Ostrom und Rabot Energy – eine Zwischenbilanz vorgelegt. Das Fazit: Fortschritte sind sichtbar, strukturelle Bremsklötze aber auch.

Den Stand des Rollouts beziffert die Bundesnetzagentur (BNetzA) für Ende 2025 auf eine Gesamtquote von 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen und die Niederlande haben schon vor Jahren eine nahezu vollständige Abdeckung erreicht. Deutschland hat also noch erheblichen Nachholbedarf – auch wenn die Dynamik seit Inkrafttreten des GDEW deutlich zugenommen hat und 2026 nun ein Rekordjahr negativer Strompreise zu werden droht, was die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Smart Meter und dynamische Tarife weiter erhöht.

Große Betreiber liefern, kleine bleiben zurück

Ein zentraler Befund der SMI-Analyse: Die Größe eines Messstellenbetreibers korreliert stark mit dessen Rollout-Erfolg. Große grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) wie Stromnetz Berlin und Westnetz haben die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht-Rollout-Quote von 20 Prozent zum vierten Quartal 2025 nicht nur erfüllt, sondern übererfüllt – in mehr als der Hälfte ihrer zuständigen Haushalte sind intelligente Messsysteme bereits installiert. Auf der anderen Seite stehen 77 überwiegend kleine Betreiber, die noch kein einziges intelligentes Messsystem ausgerollt haben.

Die BNetzA zählte zuletzt 599 Messstellenbetreiber mit weniger als 30.000 Messstellen. Unter diesen kam die durchschnittliche Rollout-Quote auf lediglich 14,6 Prozent – deutlich unter dem gesetzlichen Ziel. „Aus Branchenkreisen ist immer wieder zu hören, dass es mindestens 500.000 Messstellen braucht, damit sich die Investitionen lohnen. Die in Europa fast einzigartige Kleinteiligkeit des deutschen Messstellenbetriebs ist daher aus ökonomischen Gründen eine strukturelle Bremse des Rollouts“, erklärt Matthias Martensen, Co-Founder von Ostrom und Mitglied der SMI.

Immerhin zeigt sich, dass die Konsolidierung beginnt: Drei kleine Stadtwerke in der Pfalz haben ihren Zusammenschluss für Anfang 2027 angekündigt, in Thüringen bahnt sich eine weitere Fusion an.

Dynamische Tarife: Wachstum, aber noch kein Durchbruch

Neben der Rollout-Infrastruktur beschäftigt die SMI die Frage, ob die installierten Smart Meter auch tatsächlich genutzt werden. Zwar müssen seit 2025 alle Stromanbieter in Deutschland einen dynamischen Stromtarif anbieten – in der Praxis existieren viele dieser Angebote jedoch nur auf dem Papier, werden kaum beworben und sind unattraktiv ausgestaltet. Selbst Haushalte, die bereits über ein intelligentes Messsystem verfügen, stecken teils noch in einem Fixtarif fest.

Gleichwohl ist ein Trend erkennbar: Laut einer Erhebung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) nutzten 2022 nur zwei Prozent der deutschen Haushalte dynamische Stromtarife, 2024 waren es bereits sieben Prozent. Das Interesse stieg im gleichen Zeitraum von 45 auf 60 Prozent. „Das sprunghafte Wachstum ist ein guter Anfang – mittelfristig aber müssen die dynamischen Stromtarife zum Standard werden. Wenn finanzielle Anreize fehlen, verschiebbare Verbräuche in günstige und grüne Stunden zu verlegen, läuft die Wirkung der Smart Meter ins Leere“, so Martensen.

Dynamische Netzentgelte als nächster Schritt

Ein weiteres offenes Kapitel sind dynamische Netzentgelte. Echte Lösungen, bei denen Netzbetreiber die Netzgebühren in Abhängigkeit der tatsächlichen Netzauslastung berechnen, fehlen noch – sowohl die nötige IT-Infrastruktur als auch eine flächendeckende Smart-Meter-Datenbasis stehen vielerorts nicht bereit.

Mit der Umsetzung von Modul 3 des Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes sind 2026 immerhin zeitvariable Netzentgelte auf den Preisblättern der Netzbetreiber erschienen. Haushalte mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen – etwa Wärmepumpen oder Wallboxen – können ihre Netzkosten in lastschwachen Stunden wie den Nachtstunden gezielt senken. Ein erster Schritt, der aber nach Einschätzung der SMI noch nicht ausreicht, um die systemischen Potenziale zu heben.

Quelle: Smart-Meter-Initiative (SMI) – Pressemittielung per Mail

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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