Mercedes GLC EQ im Fahrtest: Komfort statt Kompromiss

Mercedes GLC EQ im Fahrtest: Komfort statt Kompromiss
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Mercedes-Benz

Joaquim Oliveira
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  —  Lesedauer 4 min

Der neue BMW iX3 hat imposant vorgelegt, nun holt Mercedes zum Gegenschlag aus. Der elektrische GLC ist im gleichen Segment unterwegs und setzt insbesondere auf ein völlig neues Komfortniveau. Schwere Zeiten für den Verbrenner.

Der Mercedes GLC ist seit einigen Jahren das meistverkaufte Modell der Schwaben, womit er der C-Klasse den Rang abgelaufen hat. Bisher nur als Verbrenner zu bekommen, soll der GLC EQ als Elektromodell jene Mercedes-Fans ansprechen, die bisher mit den Nachteilen des E-Antriebs gehadert haben. Dabei steigt der GLC voll ein: kein müdes Startmodell, sondern als 400 EQ 4matic ein Volltreffer und einer, der große Teile der Konkurrenz ins Abseits stellen würde – gäbe es da nicht eben jenen BMW iX3.

Der war nicht nur ein paar Monate früher dran, sondern kann – zumindest den technischen Daten nach – vieles ein Stück besser und schneller als der neue Elektro-Benz. Dabei ist dessen technische Ausstattung mehr als imposant: 800-Volt-Bordnetz, zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit stattlichen 360 kW / 489 PS, die von einem 94 kWh großen Batteriepaket im Unterboden mit Energie versorgt werden. Das maximale Ladetempo: 330 kW – deutlich weniger als der nahezu identisch motorisierte BMW iX3, aber allemal flott genug. Aus dem Stand geht es auf Wunsch in 4,3 Sekunden auf Tempo 100, bei mehr als ausreichenden 210 km/h wird abgeregelt.

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Ein Familien-SUV, der aus dem Stand in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 spurtet – Wahnsinn für ein 2,5 Tonnen schweres Gefährt. Bei jeder Beschleunigung werden die Insassen in die Sitze gepresst, wenn der Fahrer das Gaspedal durchdrückt. Die Lenkung präsentiert sich dabei sehr direkt und erfordert nur 2,2 Lenkradumdrehungen, was sie extrem präzise macht – fast schon Supersportwagen-Niveau. Zudem vermittelt das Steuer eine sehr gute Rückmeldung, was dem 4,85 Meter langen SUV ein souveränes Kurvenverhalten ermöglicht. Das Fahrzeug bietet eine ausgewogene Balance zwischen Stabilität und Komfort, mit gut kontrollierten Karosseriebewegungen und ohne übermäßig straffe Federung trotz stattlicher 20-Zöller.

Mercedes GLC EQ: Sportwagen-Feeling im 2,5-Tonnen-Familien-SUV

Das Fahrgefühl und speziell das feste Bremspedal ist eine weitere Stärke des rund 71.000 Euro teuren EQC-Nachfolgers. Die Verzögerung reagiert stets prompt und linear – eine enorme Weiterentwicklung gegenüber Elektroautos der Schwaben wie EQE und EQS. Hinter dem Lenkrad befinden sich Schaltwippen zum Umschalten zwischen den einzelnen Fahrmodi mit entsprechend gewünschter Rekuperation. Per Taste lassen sich verschiedene Fahrmodi auswählen: Comfort, Sport, Eco, Individual und Terrain. Im Individual-Modus können die Einstellungen aufgerufen und die bevorzugten Fahreinstellungen ausgewählt werden. Das Testfahrzeug war mit der einer Luftfederung an beiden Achsen ausgestattet, die obligatorisch mit der Hinterachslenkung kombiniert ist und dort einen Lenkeinschlag von bis zu 4,5 Grad ermöglicht. Dadurch wird der GLC im Stadtverkehr, insbesondere beim Einparken, deutlich agiler, da der Wendekreis erheblich verkleinert wird.

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Neben dem ausgewogenen Fahrverhalten ist der Innenraum eine der großen Stärken des elektrischen Mercedes GLC. Die Materialien am Armaturenbrett sind fast durchweg angenehm weich, insbesondere im oberen und mittleren Bereich. Der Plastiklook zwischen den Vordersitzen hinterlässt jedoch weder optisch noch haptisch einen guten Eindruck. Das digitale Kombiinstrument mit cockpitfüllender 39-Zoll-Diagonale bietet verschiedenste Darstellungen. Dabei sind auf dem zentralen Bildschirm wichtige Informationen, wie beispielsweise der Stromverbrauch, nicht immer leicht zu finden.

Viel Platz und 1740 Liter Stauraum

Angenehm: Die Doppelverglasung in den Vordertüren trägt zu spürbarer Geräuschreduzierung im Innenraum bei. Platzmangel herrscht im GLC EQ schon durch den 2,97 Meter langen Radstand nicht, vier oder gar fünf Personen finden bequem Platz, auch wenn die Füße der Fondpassagiere etwas höher stehen als ideal. Das Panorama-Schiebedach durchflutet den Innenraum mit Licht und bietet einem 1,80 Meter großen Fondpassagier mehr als eine Hand Kopffreiheit.

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Überraschenderweise gibt es keine Jalousie, und die Mitfahrenden in der zweiten Reihe können selbst in einem SUV dieser Klasse weder die Temperatur noch die Intensität des Luftstroms aus den Lüftungsdüsen zwischen den Vordersitzen regulieren. Zudem fehlen weiche Polsterungen in den hinteren Türablagen. Die Rücksitze lassen sich asymmetrisch umklappen und ermöglichen so eine breite, ebene Ladefläche, wenn die Kofferraumbodenwanne in der höchsten Position ist. Der Laderaum ist riesig: die normalen 570 Liter an Volumen lassen sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1740 Liter erweitern. Und dann ist da noch der 128 Liter große Frunk – das ist amtlich. Zudem kann der Elektro-Crossover bis zu 2,4 Tonnen schwere Anhänger schleppen.

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Joaquim Oliveira

Der gebürtige Brasilianer arbeitet seit Jahren als internationaler Korrespondent für verschiedene Automagazine, wie das brasilianische "Quatro rodas", das englische "AutoExpress" oder den chinesischen "Car & Driver". Für Elektroauto-News.net verfasst er regelmäßig entsprechende Fahr- und Erfahrungsberichte aktueller Elektroauto-Modelle.

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