Im aktuellen Podcast spreche ich mit Dr. Carl Phillip Tüllmann-de Lima, Head of Commercial Vehicle and Fleet Charging bei GP Joule Connect, über den Stand der Ladeinfrastruktur für E-Lkw in Deutschland. Ein Gespräch, das zeigt, wie weit die Branche gekommen ist – und an welchen Stellen es noch hakt.
Carl Phillip, Charly genannt, berichtet von einem deutlichen Stimmungswandel in der Speditionswelt. Wer vor einem Jahr noch mit Skepsis empfangen wurde, trifft heute auf offene Türen. „Es ist nicht mehr ideologisch, E-Truck zu fahren, sondern einfach wirtschaftlich für viele Cases wirklich sinnvoll“, beschreibt er die Entwicklung. Gerade die Mautbefreiung für elektrische Nutzfahrzeuge seit November habe die Anfragen spürbar steigen lassen – auch wenn mancher Spediteur seine Jahresplanung für 2026 da bereits abgeschlossen hatte.
Bevor GP Joule Connect überhaupt anfängt zu bauen, wird für jeden Standort ein individuelles Konzept entwickelt. Drei Mitarbeitende beschäftigen sich ausschließlich mit Netzbetreiberthemen. Auf der anderen Seite setzen sich Projektentwickler:innen mit der Disposition des Kunden zusammen und rechnen diesen vor wie weit man mit E-Lkws kommt. Dabei werden Kilometer in Kilowattstunden umgerechnet: „Das ist nämlich eins zu eins umrechenbar. Das ist viel besser, als wenn man irgendwie 30 Liter pro 100 Kilometer in einem Dreisatz rechnen muss“, erklärt er.
Ein zentraler Punkt im Gespräch: Was passiert, wenn sich ein Projekt nicht rechnet? Charly benennt drei Faktoren. Erstens der Netzanschluss. Die Baukostenzuschüsse sind teils massiv gestiegen – in einem konkreten Projekt in Nordhessen verdoppelten sich die Kosten von rund 160.000 auf über 300.000 Euro innerhalb weniger Monate. Zweitens die Tiefbaukosten, vor allem bei Neuversiegelung von Flächen. Drittens die Lkw-Preise selbst, die nach wie vor hoch liegen. Sein Rat an Spediteur:innen: Mehrere Händler ansprechen und Angebote vergleichen, der Marktdruck wirke sich zunehmend auf die Konditionen aus.
Wenn die Ladesäule steht, fängt die eigentliche Arbeit an
Beim Thema Service und Betrieb zeigt sich GP Joule Connect offen selbstkritisch. Die Servicemannschaft wurde verdoppelt, weil die im Pkw-Bereich übliche Verfügbarkeit für den Logistiksektor nicht ausreicht. Redundanz spielt eine wachsende Rolle – ein zusätzlicher Ladepunkt, ein mobiler Charger als Backup, doppelte Kommunikationsmodule in der Hardware. Ergänzend setzt das Unternehmen auf KI-basiertes Monitoring, um Ausfälle frühzeitig zu erkennen. „Wenn du nicht fährst, weil die Ladeinfrastruktur nicht funktioniert, dann geht es richtig rund“, bringt Charly die Dringlichkeit auf den Punkt.
Ein Aspekt, der im Gespräch immer wieder durchscheint: Die Elektrifizierung verändert nicht nur den Antrieb, sondern die gesamte Organisation. Disposition, Fahrer:innen, Facility Management – alle müssen mitgenommen werden. GP Joule Connect bietet Einführungen vor Ort an und versucht, das Thema in einfacher Sprache zu vermitteln. Logistikunternehmen stellen inzwischen Energiemanager:innen ein statt klassischer Fuhrparkmanager:innen, um Ladezeiten, Stromkosten und Einsatzplanung zu optimieren.
Und wo steht die Branche insgesamt? Charly beschreibt eine interne Ampel, die GP Joule für verschiedene Rahmenbedingungen führt. Serienverfügbarkeit der Trucks, politische Regulierung, Strompreise, Ladeinfrastruktur-Hardware – alles auf Grün. Das einzige Thema, das noch nicht vollständig gelöst ist: die Verfügbarkeit öffentlicher Lkw-Ladepunkte auf der Langstrecke. Und der Netzanschluss, bei dem er sich eine schnellere, digitalisierte Rückmeldung der Netzbetreiber wünscht – idealerweise in Wochen statt Monaten. Nun aber genug der Einordnung – hört am besten selbst rein ins Gespräch mit Charly.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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