E-Autos bei TCO im Schnitt mehr als 1000 Euro pro Jahr günstiger

E-Autos bei TCO im Schnitt mehr als 1000 Euro pro Jahr günstiger
Copyright:

Shutterstock / 2381590025

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 6 min

Ein Elektroauto lohnt sich in den meisten Fällen jetzt schon gegenüber einem Auto, das mit Benzin oder Diesel betankt wird – in Deutschland wie in Großbritannien. Die beiden Länder sind die größten Märkte für Elektro­autos in Europa. Jedoch sind die Ersparnisse der Britinnen und Briten bei den verglichenen Modellen deutlich höher als in Deutschland. Grund dafür ist der meilenweite Vorsprung Großbritanniens bei Smart Metern und die damit verbundene Verfügbarkeit von günstigen Nachtstromtarifen. Das zeigt eine aktuelle gemeinsame Analyse der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) und der britischen Organisation Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU).

Die Sparpotenziale bei einem Elektroauto gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor sind sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien erheblich. Dies zeigt der Vergleich der Gesamtbetriebskosten mehrerer Automodelle. Verglichen wurden folgende Modelle, sowohl im deutschen als auch im britischen Kontext (das erst genannte Modell jeweils mit Verbrennungsmotor): VW Tiguan mit VW ID.4, VW Polo mit Renault 5, Audi Q5 mit Tesla Model Y, BMW 318 mit Tesla Model 3, Hyundai Tucson mit Hyundai Kona. Bei der Auswahl der Modelle wurde auf eine ähnliche Größe und Leistung der Fahrzeuge geachtet sowie deren Beliebtheit in beiden Märkten.

Für die Vergleichbarkeit der beiden Länder wurde angenommen, dass das Laden zuhause möglich ist – allerdings mit Netzstrom und ohne eigene Photovoltaikanlage. Mit selbstproduziertem Solarstrom würden die Kosteneinsparungen noch deutlich höher liegen. Berücksichtigt wurden auch weitere Parameter wie Kosten für Strom, Benzin, Kfz-Versicherung und Steuern über eine geschätzte Lebensdauer von 14 Jahren. Alles in allem zeigen sich bei allen verglichenen Modellen große Sparpotenziale bei einem Umstieg auf ein Elektroauto, wie in der Vergangenheit auch schon etliche andere Studien gezeigt haben.

Der VW Tiguan gehört zu den in Deutschland in den letzten Jahren meistverkauften Autos. Wer sich aber anstelle des Tiguan für einen batterieelektrischen ID.4 entscheidet, ebenfalls von Volkswagen, spart unter Einbeziehung der oben genannten Parameter 855 Euro pro Jahr. Über 14 Jahre Haltedauer sind das 12.000 Euro. Noch eindrucksvoller ist der Vergleich zwischen dem vollelektrischen Tesla Model Y und dem Audi Q5: Hier spart der Besitzer bzw. die Besitzerin 1790 Euro im Jahr bzw. 25.000 Euro über 14 Jahre. Im Durchschnitt aller verglichenen Modelle können mit einem Elektroauto jährlich 1100 Euro eingespart werden.

IKND

Vor dem Hintergrund dieser Ersparnisse werden Elektro­autos auch bei höheren Kaufpreisen unter Einberechnung der Betriebskosten schon zwei bis drei Jahre nach der Anschaffung gün­sti­ger als ihr Pendant mit Verbrennungsmotor. In manchen Fällen, wie zum Beispiel bei den Vergleichen Audi Q5 vs. Tesla Model Y und BMW 318 vs. Tesla Model 3, ist das Elektroauto von vornherein gün­sti­ger. Der Betrieb, das heißt das Tanken, Steuern und Wartungskosten, eines VW Polo ist nach sieben Jahren teurer als der batterieelektrische Renault 5. Während die Preisparität noch auf sich warten lässt, sollten leicht höhere Kaufpreise Käuferinnen und Käufer also nicht abschrecken.

Britische E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer sparen im Durchschnitt nochmal 56 Pro­zent mehr

Großbritannien und Deutschland sind die größten Märkte für Elektro­autos in Europa. Im Jahr 2024 überholte Großbritannien Deutschland zum ersten Mal bei der absoluten Zahl der Verkäufe von Elektro­autos: 84.000 gegenüber 81.000 im ersten Quartal 2024. Ein Grund dafür dürfte sein, dass der Betrieb eines Elektro­autos auf der Insel deutlich gün­sti­ger ist als in Deutschland.

Die zusätzlichen Ersparnisse im Kostenvergleich sind beeindruckend: Im Durchschnitt sparen Autofahrerinnen und Autofahrer im Vereinigten Königreich mehr als 1700 Euro im Jahr. Damit sparen Briten jährlich über 600 Euro mehr gegenüber deutschen E-Autofahrerinnen und -fahrern. Mit einem batterieelektrischen ID.4 anstelle eines Tiguan sparen die britischen Autofahrerinnen und -fahrer umgerechnet 1145 Euro im Jahr und 19.040 Euro über 14 Jahre. Das sind 7040 Euro mehr als bei den deutschen Nutzerinnen und Nutzern. Der Vergleich Tesla Model Y und Audi Q5 ergibt 2606 Euro im Jahr und 36.684 Euro über die angenommene Lebensdauer von 14 Jahren.

Mit einem beschleunigten Smart-Meter-Rollout La­de­kos­ten sparen

Ein wichtiger Grund für die Ersparnisse in Großbritannien gegenüber Deutschland ist der signifikante Vorsprung bei Smart Metern und die damit verbundene Verfügbarkeit von günstigen Nachtstromtarifen. 62 Pro­zent der Britinnen und Briten hatten 2024 einen Smart Meter verbaut, in Deutschland waren es im selben Jahr nur ein Pro­zent. Das hat zur Folge, dass dynamische Tarife hierzulande kaum verfügbar sind, da ein Smart Meter fast immer die Voraussetzung dafür ist. Er erfasst den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen und übermittelt die Daten an den Anbieter, um die Kosten direkt an die stündlichen Börsenpreise zu koppeln und so das Sparen durch das Verschieben von Verbräuchen zu ermöglichen. Nur 7 Pro­zent der deutschen Haus­halte nutzte 2024 einen fle­xi­blen Stromtarif.

IKND

Im Vereinigten Königreich gibt es günstige Nachtstromtarife. Diese sind aus mehreren Gründen gün­sti­ger: Zum einen wegen einer geringeren Nachfrage, zum anderen einer zeitweisen hohen Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Offshore-Windenergieanlagen. Dank der Kombination aus Smart Meter und fle­xi­blem Stromtarif können Elektro­autos in Großbritannien für nur 8 Cent pro Kilowattstunde (7 pence/kWh) aufgeladen werden. Das bedeutet, dass sie für weniger als 1,4 Cent pro Kilometer (2 Pence/Meile) betrieben werden können, verglichen mit etwa 11 Cent pro Kilometer (15 Pence/Meile) für ein Benzin- oder Dieselauto.

Deutsche Fahrerinnen und Fahrer von Elektro­autos, die ihre Fahrzeuge zu Hause aufladen, zahlen ohne dynamischen Stromtarif in der Regel etwa 33 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht etwas mehr als 5 Cent pro Kilometer, bzw. etwas mehr als 5 Euro auf 100 Kilometer. Zwar ist das immer noch deutlich gün­sti­ger als das Fahren mit einem mit Benzin- oder Diesel betriebenen Auto, aber im Durchschnitt immer noch 600 Euro teurer als im Vereinigten Königreich.

Wo Stromnetze digitalisiert sind, sinken die La­de­kos­ten

Der Blick ins Vereinigte Königreich zeigt: Wo Stromnetze digitalisiert sind, sinken die La­de­kos­ten. Dort senken Smart Meter und fle­xi­ble Tarife die Betriebskosten von Elektro­autos spürbar und bringen auch die Dekarbonisierung des Verkehrssektor weiter in Fahrt.

Für Deutschland bedeutet das: Ohne einen beschleunigten Rollout intelligenter Messsysteme und ohne marktgängige fle­xi­ble Strom­ta­rife bleiben zentrale Kostenvorteile der Elektro­mobilität ungenutzt. Dabei zeigt der Kostenvergleich, dass ein moderneres Stromsystem die Wirtschaftlichkeit von Elektro­autos unmittelbar verbessert und Haus­halte dauerhaft entlasten kann.

Eine zügige Digitalisierung der Netze hierzulande würde die bestehende Preisvorteilsstruktur des ele­ktrischen Antriebs verstärken und damit Investitionsentscheidungen im Verkehrssektor erleichtern – für Verbraucher ebenso wie für Unternehmen. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und der anstehenden Modernisierung des Fahrzeugbestands ist Handlungstempo entscheidend, damit deutsche Autofahrerinnen und -fahrer den vollen wirtschaftlichen Nutzen des Elektro­autos realisieren können.

Quelle: IKND – Pressemitteilung vom 28.01.2026

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Mehr CO2 statt weniger: Verkehrssektor versagt beim Klimaschutz

Mehr CO2 statt weniger: Verkehrssektor versagt beim Klimaschutz

Michael Neißendorfer  —  

Der Rückgang klimaschädlicher Emissionen verlangsamt sich, in manchen Bereichen wie insbesondere dem Verkehrssektor nimmt die CO2-Belastung sogar zu.

E-Lkw und E-Busse gewinnen in Europa an Fahrt

E-Lkw und E-Busse gewinnen in Europa an Fahrt

Daniel Krenzer  —  

Neue ICCT-Daten zeigen: Elektro-Lkw und Elektrobusse gewinnen in Europa an Marktanteilen. Das liegt auch an strengeren CO₂-Vorgaben.

Mit den Spritpreisen steigt auch das Interesse an E-Autos

Mit den Spritpreisen steigt auch das Interesse an E-Autos

Tobias Stahl  —  

Die deutlich gestiegenen Spritpreise erhöhen auch das Interesse an E-Autos und Plug-in-Hybriden, wie die Auswertungen zweier Branchenplattformen zeigen.

E-Fuels aus der Wüste retten den Verbrenner nicht

E-Fuels aus der Wüste retten den Verbrenner nicht

Daniel Krenzer  —  

E-Fuels gelten als Hoffnung für den Verbrenner. Doch Energieverluste, Kosten und neue Importabhängigkeiten sprechen gegen ihren Einsatz im Pkw.

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Michael Neißendorfer  —  

Die Elektromobilität steht weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial – aber auch viele Bremser.

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Tobias Stahl  —  

Die Volkswagen Group hat die Marke von vier Millionen ausgelieferten vollelektrischen Fahrzeugen geknackt. Die wichtigsten Zahlen im Überblick.

Deutschlands E-Autos sparen zwölf Millionen Badewannen Sprit

Deutschlands E-Autos sparen zwölf Millionen Badewannen Sprit

Sebastian Henßler  —  

Mehr als zwei Millionen E-Autos sind nun in Deutschland zugelassen. Diese sparen 1,8 Milliarden Liter Sprit und bis zu 5,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.