So wirkt sich die Hormus-Krise auf Mobilität in China aus

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Maria Glaser
Maria Glaser
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China hat in den vergangenen Jahrzehnten Vollgas bei der Entwicklung von Elektromobilität gegeben. Diese Strategie hat sich bereits bewährt, da chinesische Autohersteller wie BYD oder Geely weltweit aus der Branche kaum noch wegzudenken sind. Jetzt zahlt sich diese Politik einmal mehr aus, denn dank der frühen und umfassenden Elektrifizierung des Verkehrs sind Transport und Mobilität in China unabhängiger von Ölkrisen als andere Länder.

Aufgrund der andauernden Konfliktsituation zwischen den USA und dem Iran, die den Schiffstransport durch die Meerenge von Hormus beeinträchtigt, sind die Treibstoffpreise weltweit seit Monaten hoch. Viele Länder, darunter auch Deutschland, sind von den Folgen stark beeinträchtigt. In China hingegen sinkt der Kraftstoffverbrauch, während die Nutzung von Taxis und insbesondere Elektrotaxis zunimmt.

Elektrotaxis werden in China immer beliebter

Immer mehr Menschen steigen in China ins Taxi. Im Mai wurden dort über 3 Milliarden Fahrten mit Taxis oder Mitfahrgelegenheiten unternommen, die Zahl der Taxifahrten stieg nach Beginn des Iran-Kriegs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen März und Mai um 6 Prozent.

Die Elektrifizierung des Verkehrs in China betrifft auch diesen Bereich. Die Hälfte der 1,3 Millionen Taxis in China fährt elektrisch und in Großstädten sind es fast 100 Prozent. Bei der Taxi-App Didi wurden im vergangenen Jahr weitere 2 Millionen Hybrid– und Elektroautos registriert, wodurch sich die Gesamtflotte mit alternativen Antrieben auf 8 Millionen Fahrzeuge erhöhte. Elektroautos machten 75 Prozent aller zurückgelegten Kilometer aus. Greenpeace prognostiziert, dass 90 Prozent der Fahrleistungen von Taxis und Mitfahrdiensten bis 2035 elektrisch zurückgelegt werden.

In Deutschland gab und gibt es ebenfalls politische Anreize für elektrische Taxis, wie das Förderprogramm der Stadt München oder das Taxi-Verbrenner-Verbot in Hamburg, jedoch ist die Entwicklung noch nicht flächendeckend umgesetzt.

Dass Taxis in China gerade eine Boom-Phase erleben, hat mehrere Ursachen. Reuters berichtet, dass eine Flut neuer Fahrer:innen hinzukomme, die in der schwächelnden Wirtschaft nach Arbeit suchen. Zugleich sind immer mehr günstige Elektroautos auf den Straßen. So können die Fahrpreise sinken, obwohl die Benzin- und Dieselpreise steigen. Das sorgt für einen deutlich kompetitiveren Arbeitsalltag der Taxifahrer:innen: Der für einen Fahrdienst in Peking tätige Mann mit dem Nachnamen Li, den Reuters zitiert, berichtet von einer Preissenkung zwischen 10 und 15 Prozent.

Daher steigen immer mehr Menschen auf Taxifahrten um, wenn das eigene Fahrzeug mit Verbrennungsmotor läuft. Reuters zitiert Yang, eine 45-jährige Besitzerin eines Benzinfahrzeugs: „Vor allem wenn die Benzinpreise hoch sind, nehme ich lieber ein Taxi zu Orten, die für eine Fahrt mit dem Fahrrad zu weit entfernt sind. So muss ich weder nach einem Parkplatz suchen noch für Benzin bezahlen.“

Yang ist dabei kein Einzelfall, sondern Teil einer allgemeinen Entwicklung: „Da die Kraftstoffpreise gestiegen sind, fahren die Menschen weniger mit ihren eigenen Benzinfahrzeugen“, sagte Daizong Liu, Direktor für Ostasien am Institut für Verkehrs- und Entwicklungspolitik in China. „Aber die Verkehrsnachfrage steigt insgesamt weiterhin an, sodass immer mehr Fahrten auf öffentliche Verkehrsmittel wie Taxis und die U-Bahn verlagert werden.“

Elektrifizierung und die Unabhängigkeit von Öl

Im Mai wurden in China 10 Prozent weniger Benzin und 14 Prozent weniger Diesel als im Vorjahr verbraucht, obwohl der Straßengüterverkehr um 2 Prozent zunahm. China ist es gelungen, seine Ölimporte drastisch zu senken, ohne wesentlich auf seine Reserven zurückzugreifen. Im Juni gingen die Importe gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent zurück. „Der Konflikt könnte Verhaltensänderungen beschleunigt haben, die bereits im Gange waren, sodass China strukturell weniger vom Öl abhängig ist, als der Markt historisch angenommen hat“, erklärte Natasha Kaneva, Analystin bei J.P. Morgan.

Ob es dabei bleibt, wenn die Kraftstoffpreise wieder fallen, ist abzuwarten. J.P. Morgan geht davon aus, dass die Benzinnachfrage auch 2027 weiter sinken wird, allerdings langsamer als in diesem Jahr. Es wird ein Rückgang von 50.000 Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert, während der Rückgang in diesem Jahr bei 150.000 Barrel pro Tag lag.

Quelle: Reuters – China turns to electric taxis to soften Hormuz oil shock

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Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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