Ford und Geely bündeln ihre Kräfte am Ford-Standort Valencia. Der US-amerikanische Automobilhersteller plant dort ein neues SUV, das auf der elektrifizierten Plattform GEA des chinesischen Partners basiert. Grundlage ist ein gemeinsames Joint Venture beider Unternehmen, wie Geely mitteilte. Der Marktstart des kompakten Crossover-Modells mit „Multi-Energie“-Antrieben ist für 2029 geplant. Optisch soll sich das Modell von bestehenden Geely-Fahrzeugen unterscheiden: Ein „rallyeerprobtes“ Design und eine entsprechende Fahrdynamik sollen an Fords Motorsport-Historie mit Modellen wie Escort, RS200 und Sierra Cosworth erinnern.
Die GEA-Architektur bildet bereits die Basis für Geelys vollelektrisches SUV EX5 sowie den Plug-in-Hybriden Starray, die beide in Europa erhältlich sind. In angepasster Form als RGEA kommt dieselbe Plattform auch bei zukünftigen Renault-Modellen zum Einsatz, die im brasilianischen Curitiba entstehen. Dort läuft seit Juni bereits die Fertigung des Elektro-Kleinwagens EX2, ein Ergebnis der Kooperation zwischen Renault und Geely, bei der der chinesische Hersteller 26 Prozent an Renault do Brasil hält.
Der Standort Valencia soll für Geely eine größere Rolle einnehmen. An Conghui, neuer Vorstandsvorsitzender der Geely Auto Group, bestätigte auf der Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen am 17. August, dass das Werk „eine ganze Reihe von Modellen“ für die eigene Marke bauen soll. Ziel sei es, künftig zwei Drittel des Absatzes außerhalb Chinas zu erzielen, aktuell liegt dieser Anteil bei etwa einem Drittel. „Wir müssen die Lokalisierungsstrategie weiter vertiefen“, sagte An dazu.
Geely investiert in Fords spanisches Werk
Für die geplante Zusammenarbeit zahlt die Geely-Tochter Centurion Industries 221 Millionen Euro an Ford und erhält dafür einen Anteil von 34 Prozent an der Fabrik in Valencia. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung von Geely hervor. Für den chinesischen Hersteller verringert die Vereinbarung nach eigenen Angaben Ausführungsrisiken und den Kapitalbedarf, der beim eigenständigen Aufbau eines neuen Produktionsstandorts entstehen würde. Ein ähnliches Modell hatte Geely bereits 2022 mit Renault in Südkorea vereinbart: Centurion Industries übernahm damals 34 Prozent an Renault Korea Motors und dessen Werk in Busan, wo seither die SUV-Modelle Grand Koleos und Filante auf Basis der Geely-Plattform CMA gefertigt werden. Eigene Modelle baut Geely in Busan bislang nicht.
Hintergrund der Lokalisierungsstrategie sind auch regulatorische Vorgaben in der Europäischen Union. Die EU plant mit den sogenannten „Made in Europe“-Regeln Anreize für in der EU gefertigte Elektroautos. Eine lokale Fertigung erlaubt es Geely zudem, die Einfuhrzölle auf in China gebaute Elektroautos zu umgehen, die für die Marke aktuell bei 28,8 Prozent liegen, inklusive des regulären EU-Importzolls von 10 Prozent. Entsprechend kündigte An an, auch die Zulieferkette in Europa stärker vor Ort aufzubauen.
Ford verfolgt in Valencia parallel eigene Pläne. Ab 2028 soll dort zusätzlich ein SUV der Marke Bronco entstehen, das auf einer eigenen Plattform basiert und möglicherweise dieselbe technische Basis wie das aktuelle Modell Kuga nutzt, nicht jedoch die Geely-Architektur. Die Zusammenarbeit mit Geely reiht sich damit in eine breitere Partnerstrategie ein, mit der Ford sein Europageschäft neu aufstellt.
Ähnliche Allianzen prägen den europäischen Automarkt
Branchenbeobachter:innen bezeichnen solche Konstruktionen als „umgekehrte Joint Ventures“: Etablierte globale Marken greifen auf die Kostenstruktur und das Elektro-Knowhow chinesischer Partner zurück, eine Umkehrung der klassischen Joint Ventures, mit denen internationale Hersteller einst den chinesischen Markt erschlossen. Ein vergleichbares Beispiel liefert Stellantis: Der Konzern hat mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor vereinbart, freie Kapazitäten in spanischen Werken zu nutzen. Leapmotor stellt dafür die Plattform für ein neues SUV der Marke Opel beziehungsweise Vauxhall bereit.
Geely verfolgt in Europa insgesamt ehrgeizige Wachstumsziele. Langfristig sollen die Marken Geely, Lynk & Co und Zeekr zusammen 400.000 Autos pro Jahr auf dem Kontinent verkaufen. Im ersten Halbjahr kamen die drei Marken laut Daten des Marktanalysten Dataforce gemeinsam auf knapp 25.000 verkaufte Einheiten, mehr als dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Ab 2028 will zudem Volvo Fahrzeuge der Geely Auto Group in seinen europäischen Werken fertigen. Welche Marke dabei zum Einsatz kommt, ließ An offen, wobei Zeekr innerhalb der Geely Auto Group aktuell die einzige als Premium positionierte Marke ist.
Quelle: Automotive News Europe – Ford to use Geely’s electrified GEA platform for European SUV









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