Die Nachfrage nach Elektroautos aus dem Volkswagen Konzern zieht in Europa spürbar an, belastet aber zugleich die Bilanz. In den ersten neun Monaten 2026 stieg der Auftragseingang für batterieelektrische Modelle um 39 Prozent, Ende September entfielen rund 40 Prozent des europäischen Auftragsbestands auf E-Autos. Allein für die Electric Urban Car Family lagen etwa 150.000 Bestellungen vor. Finanz- und Produktionsvorstand Arno Antlitz sieht darin allerdings kein reines Erfolgssignal: Der Markterfolg setze das Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil der Konzern mit Elektroautos derzeit noch weniger verdiene als mit Verbrennern.
Auch das Europageschäft insgesamt zeigt sich stabil. Der Auftragseingang legte um rund vier Prozent auf drei Millionen Autos zu, nach 2,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Gegenüber dem Jahresende 2025 wuchs der Auftragsbestand um elf Prozent auf rund 1,1 Millionen Einheiten. Volkswagen sieht sich bei der Elektromobilität in Europa führend.
Auf Konzernebene zeichnet die Neunmonatsbilanz hingegen ein anderes Bild. Die Umsatzerlöse sanken um zwei Prozent auf 233,4 Milliarden Euro, da das Wachstum der Finanzdienstleistungen von acht Prozent den Rückgang im Automobilgeschäft um vier Prozent nur teilweise ausgleichen konnte. Das operative Ergebnis fiel von 5,4 Milliarden auf 0,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich steht nach Steuern ein Verlust von 2,7 Milliarden Euro.
Für Antlitz ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: „Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln.“ Als Belastungsfaktoren nennt er US-Zölle, einen schrumpfenden chinesischen Markt und den massiv zunehmenden Wettbewerbsdruck in Europa. Hinzu kommt der gestiegene Anteil margenschwächerer E-Autos an den Verkäufen.
Porsche-Abschreibung reißt tiefes Loch in die Bilanz
Hauptursache für den Ergebnisrückgang sind Sondereffekte von 8,7 Milliarden Euro, wovon 7,8 Milliarden Euro auf das dritte Quartal entfallen. Ein Großteil geht auf eine nicht zahlungswirksame Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche über 6,4 Milliarden Euro zurück. Dazu kommen Wertberichtigungen auf Vermögenswerte vollkonsolidierter Gesellschaften in China von rund einer Milliarde Euro sowie Aufwendungen rund um den angestrebten Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH.
Bereinigt um diese Effekte erreicht der operative Gewinn 8,8 Milliarden Euro, die Umsatzrendite liegt bei 3,8 Prozent. Das sei zu wenig, um weiter kraftvoll in die Zukunft zu investieren, so Antlitz. Beim Absatz verbuchte der Konzern 5,9 Millionen Autos und damit elf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ausschlaggebend waren vor allem rückläufige Märkte wie China; ohne die chinesischen Joint Ventures lag das Minus bei lediglich einem Prozent.
Zwischen den Markengruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Core erzielte ein operatives Ergebnis von 4,3 Milliarden Euro nach 4,7 Milliarden im Vorjahr, die Rendite sank von 4,4 auf 4,1 Prozent. Eine starke Entwicklung bei Škoda glich das schwache Ergebnis der Marke Volkswagen aus, während der schnelle Hochlauf der E-Autos den Ergebnisbeitrag der profitableren Verbrenner schmälerte. Belastend wirkten zudem Restrukturierungskosten und der Produktionsstopp des ID.4 in den USA.
Bei Progressive sank das Betriebsergebnis um 26 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, vor allem wegen Volumenrückgängen in China und Nordamerika. Porsche kam auf 1,5 Milliarden Euro und eine Rendite von 6,7 Prozent. Die Lkw-Sparte Traton steigerte den Auftragseingang um 25 Prozent auf 253.100 Fahrzeuge und erwirtschaftete operativ 1,7 Milliarden Euro.
Sparprogramm über 31 Milliarden Euro soll Rendite stärken
Positiv entwickelte sich der Netto-Cashflow im Konzernbereich Automobile, der dank geringerer Investitionen und Portfoliomaßnahmen um 145 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zulegte. Ohne Effekte aus Firmenkäufen und -verkäufen liegt der Wert bei rund 3,9 Milliarden Euro. Die Nettoliquidität belief sich zum 30. September auf 33,0 Milliarden Euro.
Um die Ertragskraft nachhaltig zu steigern, setzt Volkswagen auf den Zukunftsplan. Dazu zählen eine gestraffte Modellpalette, einfachere Strukturen, geringere Fahrzeug- und Gemeinkosten, effizientere Werke sowie eine schnellere Technologieentwicklung. In Summe umfasst das Kostenprogramm rund 31 Milliarden Euro. „Jetzt kommt es auf die rasche und konsequente Umsetzung an“, betont Antlitz.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatz von rund 315 Milliarden Euro und einer operativen Umsatzrendite von bis zu einem Prozent. Der Netto-Cashflow im Automobilbereich soll zwischen drei und sechs Milliarden Euro liegen. Mögliche Folgen einer Eskalation im Nahen Osten sind in der Prognose ebenso wenig berücksichtigt wie Effekte aus dem Group Target Picture 2030 oder dem Verkauf eines Mehrheitsanteils an Everllence.
Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung








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