BMW: Neue Materialien und Technologien für einen verringerten Co2-Ausstoß bis 2030

BMW: Neue Materialien und Technologien für einen verringerten Co2-Ausstoß bis 2030
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BMW AG

Felix Katz
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  —  Lesedauer 4 min

Mit klar definierten CO2-Zielen intensiviert die BMW Group ihren Kampf gegen den Klimawandel: Dies verkündete Oliver Zipse, der Vorstandsvorsitzende der BMW AG, vor kurzem auf einer Presseveranstaltung in München. Schwerpunkte der richtungsweisenden Strategie seien einerseits eine drastische CO2-Reduktion pro Fahrzeug bis zum Jahr 2030. Andererseits treibe die BMW Group im Zuge der Einführung der „Neuen Klasse“ die Nutzung von Sekundärmaterial sowie einer nachhaltigeren Kreislaufwirtschaft massiv voran. Dies tue man vor allem für das „1,5 Grad Ziel“ zur Begrenzung der globalen Erderwärmung.

Die Erfüllung sämtlicher Klimaziele hängt wesentlich mit der Forschung und Entwicklung nachhaltiger Materialien zusammen. Aus Sicht von BMW könne nur ein ganzheitlicher Ansatz im Umgang mit bewährten und auch neuen Materialien den CO2-Ausstoß dauerhaft reduzieren. Aus diesem Grund habe man sich laut Unternehmen verstärkt der Entwicklungs- und Forschungsarbeit von umweltschonenden Rohstoffen verschrieben. Gleichzeitig forciere man den gezielten Aufbau eines Marktes für Sekundärmaterialien und arbeite zielgerichtet mit Startups und erfahrenen Materiallieferanten an neuen Werkstoffen.

„Wir setzen neue Maßstäbe für nachhaltige Premiumqualität. Dafür denken wir Materialien neu, legen unseren Fokus noch gezielter auf ressourcenschonende Materialalternativen und erneuerbare Materialien mit einer ausgeprägten Demontagefähigkeit,“ sagt Dr. Stefan Floeck, Leiter Entwicklung Karosserie, Exterieur und Interieur. Zudem ist Fleck seit dem 1. September verantwortlich für die Produktlinie MINI und Kompaktklasse bei BMW. Und weiter: „Damit gehen wir einen konsequenten Weg – hin zu einer ganzheitlich nachhaltigen Produktentwicklung, dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und der Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft.“

Das Ziel: mehr natürliche Rohstoffe und Rezyklate

Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen ist im Automobilbau nichts Neues. Auch BMW setzt seit einigen Jahren auf nachwachsende Rohstoffe in seinen Fahrzeugen – bisher zum Beispiel in Türverkleidungen in Form einer Naturfasermatte gepaart mit Kunststoff, der für die nötige Stabilität sorgt. Nachwachsende Rohstoffe wie Naturfasern seien dabei nicht nur 30 Prozent leichter als das Alternativmaterial Kunststoff, sondern gehen überdies mit einem negativen Wert in die CO2-Berechnung ein, da sie laut BMW in der Wachstumsphase CO2 aufnehmen und Sauerstoff emittieren. Dies sei der Grund, warum der Konzern mit seinen Partnern den Einsatz von Fasern wie Hanf, Kenaf oder Flachs konsequent weiterentwickelt und mit Naturfaser-Gitterstrukturen versehen habe. Dank Stützstrukturen wie Kunststoff sei es aber dennoch möglich, die mechanischen Eigenschaften zu erhalten und weiteres Gewicht durch einen reduzierten Materialeinsatz einzusparen. So biete auch Holz als nachwachsender Rohstoff viele Einsatzfelder, weshalb die Bajuwaren an neuartigen Holzschäumen frischen. Sie bestehe laut Pressemitteilung aus einer offenporigen Struktur, bestehend aus fein zerkleinerten Holzpartikeln. Die Festigkeit des Schaums entstehe dabei durch holzeigene Bindungskräfte, die es möglich machen sollen, auf synthetische Klebstoffe zu verzichten. Das Gute: Die Schäume bestehen laut eigenen BMW-Angaben somit zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und könnten in Zukunft Akustikschäume ersetzen.

Darüber hinaus setze der Automobilbauer bereits heute in ihren thermoplastischen Bauteilen auf bis zu 100 Prozent Kunststoff-Rezyklat. Gemeinsam mit innovativen Kunststoffherstellern werde an der Weiterentwicklung von Kunststoff-Rezyklaten und Biokunststoffen mit einem deutlich verminderten CO2-Fußabdruck gearbeitet. Dafür nutze das Unternehmen neben Kunststoff-Rezyklaten biobasierte Kunststoffe und Kunststoffe mit Naturfaserverstärkung wie Cellulose, Hanf, Holz oder Bambus, um den Anteil erdölbasierten Primär-Kunststoffs zu reduzieren. „Das Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 thermoplastische Kunststoffe mit einem Rezyklat-Anteil von durchschnittlich 40 Prozent einzusetzen“, heißt es weiter.

Einsatz von neuen Textilien und Bio-Kunstler

Neue vegane und ressourcenschonende Lederalternativen seien ein weiterer wichtiger Teil der Forschungsarbeit. Kunstleder mit biobasierten Rohstoffen, 100 Prozent recyceltem Polyester-Textil und Korkpartikeln sollen eine Reduzierung der CO2-Emissionen gegenüber heutigem PVC-Kunstleder um bis zu 45 Prozent ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Startup Adriano di Marti S.A de C.V. erforscht die BMW Group einen nachhaltigen Werkstoff basierend auf Kaktus. Das sogenannte „Deserttex“ setzt sich aus pulverisierten Kaktusfasern und einer biobasierten Polyurethan-Matrix zusammen. Eine ebenfalls vielversprechende Alternative zu Leder sei das vollständig recycelbare „Mirum“, das alle Eigenschaften von traditionellem Leder, von Garnen und Schäumen imitieren soll. Die Entwicklung geschieht laut BMW mit dem Startup-Unternehmen „Natural Fiber Welding“.

Zur Forschungsarbeit zählen vor allem auch synthetische Textilvarianten, die zum großen Teil für Sitzbezüge eingesetzt werden. Sie haben einen geringen CO2-Footprint und können aus 100 Prozent recyceltem Material hergestellt werden. Dank ihrer Zusammensetzung können sie im Laufe ihres Produktlebenszyklus immer wieder einem Kreislauf zugeführt und mehrfach verwendet werden. BMW möchte auch hier mehr Monomaterialien anstelle von mehrschichtigen, multimaterialen Ansätzen verwenden. Bei einem Sitz beispielsweise sind der Bezug und der darunter liegende Schaumstoff heute aus unterschiedlichen Materialien. Diese lassen sich weder einfach trennen noch gemeinsam zu einem im Fahrzeug einsetzbaren neuen Material recyceln. Dabei spielen auch die verschiedenen Verbindungen zwischen den Materialien eine Rolle wie zum Beispiel Klebstoffe und Garn. Bestehen beide Teile aus dem gleichen Material, ist ein Recycling im Sinne der Kreislaufwirtschaft möglich. Zudem werden zuklünftig auch neue Techniken eingesetzt, um Textilien ein neues Erscheinungsbild zu geben. Dazu zählen neue 3D-Strukturen, Applikationen, Muster und graphische Elemente.

Mit diesen und weiteren Maßnahmen möchte die BMW Group das allgemeine Bewusstsein für nachhaltige Materialien schärfen und transparenten Einblick in ihren zirkulären Weg in eine nachhaltige Zukunft bieten – eben „mit dem Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen über den Lebenszyklus unserer Produkte um mehr als 40 Prozent zu senken“.

Quelle: BMW-Presseportal

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Felix Katz

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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