Dienstwagenflotte der Bundesregierung hat großen Aufholbedarf bei CO2-Emissionen

Dienstwagenflotte der Bundesregierung hat großen Aufholbedarf bei CO2-Emissionen
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 4 min

Neuwagen dürfen laut EU-Vorgaben seit Jahresbeginn im Durchschnitt nur noch maximal 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Nicht besonders vorbildlich allerdings ist die Flotte der deutschen Bundesminister und ihren Staatssekretären. Einige reissen die Vorgaben aus Brüssel sehr deutlich, wie aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervorgeht, über die der Berliner Tagesspiegel zuerst berichtet hatte. Vor allem Diesel-Fahrzeuge fallen in der Statistik negativ auf.

Demnach lässt sich aktuell Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im klimaschädlichsten Dienstwagen der Regierung chauffieren. Ihr Audi A8 Diesel in Langversion (Audi A8 L 50 TDI Quattro) stößt 191 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, ist in einem Mercedes-Benz S 350d unterwegs, der 165 Gramm CO2 pro Kilometer verursacht. Auf Platz drei rangiert Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), dessen BMW 730Ld 150 Gramm CO2 ausstößt.

Die anderen Mitglieder der Bundesregierung fahren auf den ersten Blick deutlich klimafreundlichere Autos: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) werden mit Audi A8 Plug-in-Hybriden chauffiert, die jeweils 66 Gramm CO2 je Kilometer in die Atmosphäre abgeben. Beim BMW 745 Plug-in-Hybrid von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind es 60 Gramm.

Plug-in-Mogelpackungen in Dienstwagenflotten

Die eigentlich unter den EU-Vorgaben liegenden CO2-Werte der Plug-in-Hybride dürften in der Realität allerdings deutlich höher ausfallen, wie Barbara Metz, die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem Tagesspiegel erklärt: „In unseren Dienstwagenumfragen zeigen wir jedes Jahr: Die Emissionen der Dienstwagen im Realbetrieb sind bei Verbrennerfahrzeugen wesentlich höher und damit gleichzeitig auch die CO2-Emissionen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Die Plug-in-Hybride seien zwar „auf dem Papier ein Klimagewinn“, auf der Straße aber „Spritschlucker“. Metz sagt, dass „gerade dienstlich genutzte Fahrzeuge häufig nicht geladen werden und der Löwenanteil der Strecke im Verbrennungsmodus gefahren“ werde. Der CO2-Ausstoß eines Plug-in-Hybriden liegt mehreren Untersuchungen zufolge über dem gut zwei- bis vierfachen Wertes der Herstellerangabe.

Als einziges Mitglied der Bundesregierung fährt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein reines Elektroauto: Einen Mercedes EQC 400, der mit null Gramm CO2 in die Statistik einfließt. Sie hat allerdings auch einen zweiten Wagen zur Verfügung, einen Plug-in-Hybriden von BMW mit einem Ausstoß von 52 Gramm CO2 je Kilometer.

Darüber hinaus stehen den Kabinettsmitgliedern gut ein Dutzend sogenannte „sondergeschützte Limousinen“ mit einem CO2-Ausstoß zwischen 260 und 421 Gramm pro Kilometer zur Verfügung. Mit diesen Autos können unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD), Horst Seehofer (CSU), Heiko Maas (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterwegs sein. Sie müssen besonders geschützt werden.

Die FDP-Wirtschaftspolitikerin Sandra Weeser, die die Übersicht angefordert hatte, äußerte scharfe Kritik an den nicht gerade klimafreundlichen Dienstfahrzeugen: „Wenn eine Bundesregierung wie beim Thema Klimaschutz viel von den Menschen einfordert, dann müssen Regierungsmitglieder und Ministerien die Ersten sein, die hier vorangehen“, fordert sie im Tagesspiegel.

Weeser verwies zudem darauf, dass einige Staatssekretäre sogar Dienstwagen mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 190 Gramm pro Kilometer fahren. Der Audi A8 50 TDI von CDU-Wirtschaftsstaatssekretär Marco Wanderwitz etwa emittiert 194 Gramm CO2, der Mercedes-Benz S 350d von CDU-Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß kommt auf 190 Gramm CO2. Beide Fahrzeuge sowie jene von elf weiteren Staatssekretären liegen oberhalb der EU-Norm von 95 Gramm.

Klimasünden auch im zivilen Bereich

Auch vom Ziel, mindestens 20 Prozent des Fuhrparks des Bundes im zivilen Bereich mit Elektroautos zu bestücken, ist die Regierung noch meilenweit entfernt. In der Flotte von circa 32.500 Fahrzeugen gibt es nur 405 Elektroautos, was 1,24 Prozent entspricht. Das liege auch daran, dass „vorgegebene Abschreibungszeiträume beziehungsweise Laufzeiten von Leasingverträgen“ erfüllt werden müssen, erklärt das Umweltministerium. Es finde allerdings ein permanenter Austausch eines Teils der Fahrzeugflotten statt.

Die CO2-Emissionen dieser Flotten, wohlgemerkt ohne Busse oder Lkw, sind besonders klimaschädlich: Die 29 Fahrzeuge des Familienministeriums etwa stoßen im Schnitt 235 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Kurz dahinter die gut 10.000 Autos des Bundesinnenministeriums mit im Schnitt 230 Gramm CO2 pro Kilometer. Das Gesundheitsministerium (214 Gramm) und das Auswärtige Amt (213 Gramm) sind ebenfalls deutlich über der 200-er Marke.

Quelle: Tagesspiegel – Klöckner fährt den klimaschädlichsten Dienstwagen / Handelsblatt – Welche Bundesminister die klimaschädlichsten Dienstwagen fahren

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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