Das können BMWs ab nächstem Jahr (fast) alleine

Das können BMWs ab nächstem Jahr (fast) alleine
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der Münchner Automobilhersteller BMW will seine Fahrerassistenzsysteme ab 2027 deutlich erweitern und erstmals auch komplexere Fahrmanöver im Stadtverkehr teilautomatisiert ermöglichen. Die Fahrzeuge sollen dann nicht mehr nur auf Autobahnen und Landstraßen der vorgegebenen Navigationsroute folgen, sondern auch in Städten eigenständig bestimmte Fahrmanöver übernehmen können. Den Anfang macht Deutschland, weitere Länder sollen schrittweise folgen.

Konkret sollen entsprechend ausgestattete BMW-Modelle künftig selbstständig abbiegen, die Fahrspur wechseln, Kreisverkehre durchfahren und Vorfahrtssituationen bewältigen können. Voraussetzung ist eine aktive Zielführung über BMW Maps. Das automatisierte Anhalten und Wiederanfahren an Ampeln beherrscht der bisherige City Assistent bereits heute. Künftig sollen die verschiedenen Funktionen ineinandergreifen, sodass die Fahrzeuge ihre Fahrer von der Autobahn bis zum Ziel im Stadtgebiet durchgehend unterstützen können.

Allerdings bedeutet das keineswegs, dass die Fahrzeuge autonom unterwegs sind. BMW setzt weiterhin auf teilautomatisiertes Fahren nach SAE Level 2. Die Verantwortung bleibt damit vollständig beim Menschen am Steuer, der den Verkehr jederzeit beobachten und bei Bedarf eingreifen muss. Das System überwacht entsprechend, ob der Fahrer aufmerksam ist.

Neue Funktionen kommen per Softwareupdate

Die technischen Voraussetzungen sind in mehreren neuen BMW-Baureihen bereits serienmäßig vorhanden. Dazu gehören der elektrische iX3 und iX4 sowie die Modellreihen 3er, 7er und X5. Die zusätzlichen Funktionen lassen sich auch nach dem Fahrzeugkauf freischalten. Die erforderliche Software wird drahtlos aufgespielt. Wie genau und zu welchen Preisen BMW die Freischaltung anbieten wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Eine Besonderheit bleibt das sogenannte BMW Symbiotic Drive. Damit sollen Fahrer und Assistenzsystem nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich ergänzen. Wer beispielsweise während eines automatisierten Manövers selbst lenkt, bremst oder beschleunigt, kann unmittelbar Einfluss auf das Fahrverhalten nehmen, ohne dass die Assistenz zwangsläufig vollständig deaktiviert werden muss.

„Mit der Erweiterung teilautomatisierter Fahrfunktionen auf den urbanen Raum bieten wir unseren Kunden echten Komfortgewinn“, erklärt BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post. Das System solle der Navigationsroute künftig durchgehend von der Autobahn über Landstraßen bis in die Stadt folgen können.

Damit Fahrer nachvollziehen können, welche Manöver das Fahrzeug gerade plant, erweitert BMW auch seine Anzeigen. Eine neue dreidimensionale Navigationsansicht verbindet die Routenführung mit der Darstellung des Fahrzeugumfelds und den aktiven Assistenzfunktionen. So soll beispielsweise ersichtlich werden, welche Verkehrssituation das System erkannt hat und welcher Navigationsschritt als Nächstes ansteht.

Zulassung steht noch aus

Die regulatorische Grundlage für die Erweiterung bildet die aktualisierte UN-Regelung Nr. 171, genauer die sogenannte DCAS Serie 2. Sie schafft ab 2027 die Voraussetzungen für systeminitiierte Fahrmanöver auch im urbanen Raum. BMW hat die erforderlichen Tests im realen Straßenverkehr nach eigenen Angaben bereits erfolgreich durch einen unabhängigen technischen Dienst absolvieren lassen. Die behördliche Bestätigung wird Anfang 2027 erwartet.

Der genaue Einführungstermin steht allerdings noch nicht fest. Klar ist hingegen, dass BMW mit der Erweiterung eine weitere Grenze zwischen klassischer Fahrerassistenz und automatisiertem Fahren verschiebt. Gerade der Stadtverkehr mit seinen Kreuzungen, Fußgängern, Radfahrern und wechselnden Vorfahrtsituationen stellt erheblich höhere Anforderungen als die vergleichsweise geordneten Verkehrsabläufe auf Autobahnen.

Ob die neuen Funktionen im Alltag tatsächlich eine spürbare Entlastung bringen, wird deshalb nicht zuletzt davon abhängen, wie zuverlässig sie mit komplexen Verkehrssituationen umgehen können. Selbstständig fahren können die BMWs damit noch nicht. Sie übernehmen aber künftig deutlich mehr Aufgaben, die bislang dem Menschen vorbehalten waren.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 2. November 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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