BMW: Elektroautos ab 2021 das „new normal“

BMW: Elektroautos ab 2021 das „new normal“
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 1214140336

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Klaus Fröhlich verantwortet bei BMW die Fahrzeug-Entwicklung. In einem lesenswerten Interview mit der Autogazette sprach er ausführlich über BMWs Wandel zur Elektromobilität, die CO2-Vorgaben der EU und darüber, warum die Kunden seiner Meinung nach noch nicht auf Elektroautos umsteigen.

Der Vorwurf, die deutsche Automobilindustrie habe den Wandel zur Elektromobilität verschlafen, bringe ihn zum Schmunzeln, so Fröhlich: „Wir entwickeln mittlerweile die fünfte Generation von E-Antrieben und auch im Bereich der Batteriezelle haben wir enormes Know-how aufgebaut und beispielsweise die Energiedichte innerhalb der letzten fünf Jahre verdoppelt,“ merkt er an. Und als Seitenhieb auf die vielen aufkommenden Elektroauto-Start-ups fügt er hinzu, dass es „nicht schwierig“ sei, „ein Elektroauto zu bauen. Es ist aber schwierig, daraus ein nachhaltiges, also auch margenstarkes Geschäftsmodell zu entwickeln.“

BMW sei mit dem Elektroauto i3 ein „Pionier“ auf dem Markt gewesen und habe „mit dem i8 gezeigt, dass elektrifizierte Fahrzeuge auch emotional sein können“. Nun seien die Münchner dank der neuen Architekturen in der Lage, jedes Fahrzeug als Hybrid zu elektrifizieren, „vorausgesetzt die Kundennachfrage ist da“. Mit der Weiterentwicklung der Architekturen könne dann „jedes Modell auch batterieelektrisch“ angeboten werden, „wenn die Märkte es verlangen“. BMW sehe sich deshalb „definitiv“ auch weiterhin als Vorreiter.

Elektroautos werden „normal“

Die nächsten wichtige Schritte in Sachen Elektroautos seien der SUV iX3 und der E-Mini, die im Jahr 2019 debütieren sollen. Beide „nutzen hauptsächlich unsere vierte Generation der E-Antriebstechnologie“, so Fröhlich. Erst mit dem BMW iNext, der wie der BMW i4 im Jahr 2021 erscheinen soll, „machen wir den nächsten Sprung“. Dann gehe es „gar nicht mehr primär die Elektromobilität“, Elektroautos seien zu diesem Zeitpunkt das „new normal“.

Fröhlich hat sich dennoch schon darauf eingestellt, sich „jetzt wohl noch zwei Jahre anhören zu müssen, dass wir E-Mobilität verschlafen haben“. Aber dann werde „man sehen, dass wir E-Autos profitabel in Großserie bauen können und andere eben nicht“. Die Fahrzeuge der Mitbewerber, „die jetzt auf den Markt kommen, sind nichts anderes als Piloten, deren Befähigungsprojekte. Sie üben das, was wir vor vier, fünf Jahren geübt haben. Einziger Unterschied: Sie verbauen einen größeren Speicher als wir damals.“

Bis 2025 will BMW mindestens zwölf reine Elektroautos und 13 Plug-in-Hybride auf den Markt bringen, zu diesem Zeitpunkt sollen 15 bis 25 Prozent des Gesamtabsatzes mit elektrifizierten Fahrzeugen bestritten werden, so der Manager. Die üblichen gern genannten Kaufhindernisse wie etwa „eine schlechte öffentliche Ladeinfrastruktur, eine zu geringe Reichweite oder ein zu geringes Modellangebot“ hält Fröhlich vor vorgeschobene Argumente. „Der wirkliche Grund bei der Kaufentscheidung liegt in den Total Cost of Ownership“, ist er sich sicher.

„Wenn es nach mir ginge, würde ich nur noch reine Elektroautos verkaufen“

Als Option, Elektroautos den Kunden schmackhafter zu machen, bringt Fröhlich „gute Leasingangebote“ ins Spiel, die Restwertstabilität bieten. „Damit ist das Restwertrisiko dann bei uns als Hersteller und nicht beim Kunden“. Zwar müsse BMW auf diese Weise „die Elektromobilität noch eine Zeit lang subventionieren“. Aber der Hersteller nehme Maßnahmen wie diese in Kauf „um Elektromobilität auf die Straßen zu bekommen“. Irgendwann aber müsse die Nachfrage von selber anziehen, „sonst wird das keine nachhaltige Entwicklung“.

Im Hinblick auf die immer schärferen CO2-Grenzwerte und drohende Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sagte Fröhlich einen bemerkenswerten Satz: „Wenn es nach mir ginge, würde ich nur noch reine Elektroautos verkaufen. Dann wäre mein Leben als Entwickler viel einfacher.

Quelle: Autogazette – „Die BMW Group geht ihren eigenen Weg“

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in BMW Elektroautos

BMW und EU suchen Lösung für Mini-Importe aus China

BMW und EU suchen Lösung für Mini-Importe aus China

Sebastian Henßler  —  

BMW zahlt derzeit 30,7 Prozent Zoll auf seine in China gebauten Mini E-Autos. Nun verhandelt der Konzern mit der EU über Mindestpreise als Alternative.

iX3 dominiert seit Monaten BMWs E-Auto-Bestellungen

iX3 dominiert seit Monaten BMWs E-Auto-Bestellungen

Sebastian Henßler  —  

Seit der IAA 2025 ist jeder dritte bestellte vollelektrische BMW in Europa ein iX3, so Entwicklungsvorstand Joachim Post.

Das kann BMWs neue E-Limousine i3

Das kann BMWs neue E-Limousine i3

Stefan Grundhoff  —  

Aktuell laufen im Stammwerk München die ersten Vorserienfahrzeuge des elektrischen i3 vom Band. Was Kunden von der neuen E-Limousine erwarten dürfen.

V2G ab sofort für BMW iX3 bestellbar

V2G ab sofort für BMW iX3 bestellbar

Michael Neißendorfer  —  

Angekündigt hatte BMW es bereits, nun ist es Bestellbar: Das Paket für V2G inklusive Wallbox und Stromtarif. Wer schnell bestellt, bekommt 700 Euro Bonus.

BMW und PreZero wollen Kreislaufwirtschaft voranbringen

BMW und PreZero wollen Kreislaufwirtschaft voranbringen

Michael Neißendorfer  —  

BMW und PreZero, das international tätige Kreislaufwirtschaftsunternehmen der Schwarz Gruppe, gehen wichtige Schritte in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft.

BMW startet Vorserie der neuen Elektro-Limousine i3

BMW startet Vorserie der neuen Elektro-Limousine i3

Michael Neißendorfer  —  

Im Stammwerk von BMW in München beginnt in diesen Wochen eine neue Ära: Erstmals produziert das Werk Vorserienfahrzeuge der neuen Elektro-Limousine i3.

Was sich 2026 beim elektrischen Mini Countryman ändert

Was sich 2026 beim elektrischen Mini Countryman ändert

Sebastian Henßler  —  

Mini überarbeitet den elektrischen Countryman gezielt. Neue Technik steigert Effizienz und Reichweite, ohne das Format zu verändern. Marktstart ist im März.