BMW-Chef Nedeljković: „Wir werden uns schlanker aufstellen“

BMW-Chef Nedeljković: „Wir werden uns schlanker aufstellen“
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Ein rasanter Einbruch in China, neue Wettbewerber in mehreren Weltregionen, Zölle, verschärfte Regulierung in Europa und geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten: Vor allem deutsche Premium-Automobilhersteller sehen sich derzeit mit vielen gleichzeitigen Belastungsfaktoren konfrontiert, darunter auch BMW. Wie ein Konzern dieser Größenordnung auf ein sich rasch wandelndes Marktumfeld reagiert, legte Dr. Milan Nedeljković, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG, in der Telefonkonferenz zum Quartalsbericht dar. Als oberster Repräsentant des Unternehmens ordnete er die Zahlen des ersten Halbjahres ein und skizzierte, mit welchen Maßnahmen BMW kurz-, mittel- und langfristig gegensteuern will.

Die Ergebnisse des zweiten Quartals entsprächen zwar der im Juni angepassten Prognose, seien für das erste Halbjahr insgesamt aber „nicht zufriedenstellend“, so Nedeljković. Ausschlaggebend für die Prognoseanpassung war demnach vor allem die schnelle Verschlechterung der Marktlage in China, verstärkt durch neue Wettbewerber, die im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und in Europa vordrängen. Hinzu kämen strukturelle Belastungen: Gegenwind durch Zölle, Handelsbarrieren und Wechselkurse, verschärfte regulatorische Anforderungen insbesondere in Europa sowie die Folgen des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Diese Faktoren hätten sich innerhalb von gut einem Jahr überlagert und das Geschäftsumfeld des Unternehmens spürbar verändert.

Kostensenkung und schlankere Strukturen als erste Antwort

Um kurzfristig gegenzusteuern, beschleunigt BMW nach Nedeljkovićs Angaben bereits laufende Kostensenkungen mit Fokus auf Struktur- und Effizienzmaßnahmen. Deren Wirkung soll ab 2027 sichtbar werden und eine neue Ausgangsbasis für künftige strategische und operative Schritte bilden. Ein zentraler Baustein ist die Verkleinerung der Organisation: Mit dem Gesamtbetriebsrat sei zügig eine Einigung über ein Personalstrukturprogramm erzielt worden, das unter anderem ein freiwilliges Aufhebungsprogramm für indirekte Funktionen in Deutschland umfasst. Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen solle nun vorangetrieben werden, um die Effekte kurzfristig zu realisieren.

Parallel dazu bereitet sich der Konzern nach eigenen Angaben auf mittelfristige Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vor. Nedeljković benannte vier Handlungsfelder: die Customer Journey, die Organisationsstrukturen, den Bereich Lieferanten und Einkauf sowie die Entwicklung. Auf der Kundenseite gehe es um die Fortführung eines neuen Vertriebsmodells in Europa, das einen Wandel vom Großhändler- zum Einzelhandelsansatz erfordere, kombiniert mit einer stärkeren Nutzung von Kundendaten zur Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten.

Organisatorisch setzt BMW verstärkt auf Künstliche Intelligenz, um Prozesse zu automatisieren und Entscheidungen im Unternehmen zu beschleunigen. Bei Lieferanten und Einkauf prüft der Konzern die globale Verteilung seiner Wertschöpfung und Möglichkeiten, den „Local-for-Local“-Ansatz auszubauen. In der Entwicklung liegt der Fokus auf mehr Standardisierung und der Nutzung gemeinsamer technischer Komponenten, um die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Ein Fundament, auf dem sich aufbauen lässt

Trotz des aktuellen Gegenwinds verfüge BMW über eine solide Basis, so Nedeljković. Im zweiten Quartal habe sich das Geschäft in Europa und den USA stark entwickelt und damit die Schwäche in China und im asiatisch-pazifischen Raum teilweise ausgeglichen. Die Performance in China habe sich im bisherigen Jahresverlauf zumindest im Rahmen der allgemeinen Marktentwicklung bewegt. Aufbauen könne das Unternehmen zudem auf bereits eingeleiteten Veränderungen: den Investitionen in die Neue Klasse, der Konsolidierung des chinesischen Händlernetzes und Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Strategisch stützt sich BMW nach Darstellung des Vorstandsvorsitzenden auf drei Säulen: ein starkes Portfolio an Premium-Produkten und -Technologien, einen technologieoffenen Ansatz sowie einen globalen, lokal ausgerichteten Footprint. Beim Modell iX3 verzeichne der Konzern weiterhin starke Nachfrage und nähere sich der Marke von 100.000 Bestellungen. Um dem Bedarf gerecht zu werden, sei im Werk Debrecen vorzeitig eine zweite Schicht eingeführt worden, seit Produktionsstart seien dort bereits 50.000 Einheiten des iX3 gefertigt worden, laut Nedeljković der schnellste Hochlauf eines neuen Werks in der Geschichte der BMW Group.

Auch die BMW i3 Launch Edition, deren Vorbestellungen bereits im Juni früher als geplant gestartet seien, stoße auf starke Nachfrage; der reguläre Bestellstart folgt Ende September. Vor wenigen Wochen feierte zudem der neue BMW X5 der fünften Generation seine Weltpremiere.

Regionale Unterschiede prägen die Verkaufszahlen

Wie unterschiedlich die Marktbedingungen ausfallen, zeigten die Zahlen des zweiten Quartals: In Europa sei der Absatz batterieelektrischer Modelle um mehr als ein Drittel gestiegen, während in den USA Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zweistellig zulegten und die BEV-Nachfrage im dortigen Gesamtmarkt zurückging. Die Produktroadmap laufe nach Angaben von Nedeljković weiter planmäßig: Bis Ende 2027 sollen 40 neue und überarbeitete Modelle folgen, darunter mit dem iX3 und dem i3 mit langem Radstand die ersten Neue-Klasse-Modelle für den chinesischen Markt, die im Werk Shenyang produziert und mit Technologien lokaler Unternehmen ausgestattet werden. Dieser „Local-for-Local“-Ansatz sei gerade in einem von Markt zu Markt unterschiedlichen Umfeld ein Faktor für Widerstandsfähigkeit und Flexibilität.

Für die kommenden Jahre kündigte Nedeljković an, kritisch bisherige Arbeitsweisen, Kernprozesse und Strukturen zu hinterfragen. Ziel bleibe es, das Unternehmen „Schritt für Schritt“ wieder an seine strategische EBIT-Marge von acht bis zehn Prozent heranzuführen, die bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts erreicht werden soll.

Quelle: BMW – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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