BMW überdenkt seine zukünftige Produktstrategie, was Autocar zufolge auch die Aussetzung des Modellprojekts G74 betrifft. Der Geländewagen sollte mit dem Land Rover Defender oder der Mercedes-Benz G-Klasse konkurrieren. Grund für den Strategiewechsel sind die sich ändernden Marktbedingungen. Wie viele andere Hersteller auch leidet das Geschäft bei BMW unter der nachlassenden Nachfrage in China, wachsendem Druck durch neue chinesische Konkurrenten sowie Handelsbarrieren, Währungsschwankungen und Zöllen, insbesondere in den USA. Dazu kommen strengere Vorschriften in Europa, der anhaltende Konflikt im Nahen Osten sowie die uneinheitliche Nachfrage auf den globalen Märkten.
Bereits im vergangenen Jahr hat Milan Nedeljković, der seit wenigen Monaten als Vorstandsvorsitzender für BMW tätig ist, diesen Wandel in der Automobilindustrie als dramatisch bezeichnet. China sei dabei eine der größten Herausforderungen für BMW, so der Vorsitzende: „Die rasante Verschlechterung der Marktbedingungen in China war der Hauptgrund dafür, dass wir unsere Prognose im Juni angepasst haben.“ Zudem expandieren neue Unternehmen aus China über den eigenen Markt hinaus in den asiatisch-pazifischen Raum, nach Lateinamerika und Europa.
BMW setzt auf Antriebsmix statt Elektro-Fokus
Bei seiner Einordnung der Zahlen des zweiten Quartals 2026 vor wenigen Tagen gab Nedeljković Einblicke in strategische Überlegungen bei BMW. Dazu gehört, dass das Unternehmen einen neuen Blick auf seine zukünftigen Produktpläne wirft. „So prüfen wir beispielsweise erneut, welche Technologien, Modellvarianten und Antriebe wir in Zukunft benötigen werden. Darüber hinaus untersuchen wir, wo neue Partnerschaften wirtschaftlich und technologisch sinnvoll sein könnten“, so Nedeljković.
Dass einzelne Modelle wie der G74 gestrichen oder verschoben werden könnten, wurde bisher nicht offiziell bestätigt. Insidern zufolge liege der Geländewagen, der mit mehreren Antriebssträngen geplant wurde, jedoch derzeit auf Eis. Autocar zufolge sei zu erwarten, dass die Planung zukünftiger neuer Modelle zunehmend flexibel wird, da sich die weltweite Nachfrage mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickelt.
Grundsätzlich entwickelt BMW aufgrund der unterschiedlichen Nachfragesituationen weiterhin Modelle mit Verbrennungs-, Plug-in-Hybrid-, Elektro– und Wasserstoffantrieb, anstatt sich ausschließlich auf Elektroautos zu konzentrieren. „Die Bedürfnisse und Erwartungen der Kundschaft variieren stark von Markt zu Markt – und sogar innerhalb einzelner Märkte“, sagte Nedeljković. Während der Absatz von Elektroautos in Europa im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel gestiegen ist, haben Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in den Vereinigten Staaten ein zweistelliges Wachstum verzeichnet. Die Regierung unter Trump steht der Elektrifizierung des Verkehrs kritisch gegenüber und hat infolgedessen zahlreiche Förderprogramme gestrichen. Eine Steuergutschrift in Höhe von umgerechnet zirka 6500 Euro entfiel im September 2025, wonach die Nachfrage nach Elektroautos in den USA sank.
Zugleich hat die Neue Klasse von BMW den Absatz getrieben und der neue iX3 erfreue sich weiterhin einer starken Nachfrage, so Nedeljković. Um den fast 100.000 Bestellungen nachzukommen, wurde im neuen ungarischen Werk Debrecen bereits eine zweite Produktionsschicht eingeführt. Zudem habe die frühe Nachfrage nach dem neuen i3 die Erwartungen übertroffen. Die Vorbestellungen wurden bereits im Juni vorzeitig eröffnet und vor wenigen Tagen begann die Serienproduktion in München.
Quelle: Autocar – BMW puts G-Class rival on hold as China headwinds hit home









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