Der Münchner Automobilhersteller BMW steht vor einer deutlichen Bereinigung seiner Modellpalette. Wie die Automobilwoche unter Berufung auf interne Informationen berichtet, sollen mehrere Baureihen verschwinden oder stehen zumindest auf dem Prüfstand. Dahinter steckt allerdings weniger ein klassisches Sparprogramm als ein grundlegender Umbau des Portfolios – und der führt bei selbst beim als besonders technologieoffen geltenden Hersteller BMW zunehmend in Richtung Elektroauto.
Bereits besiegelt ist demnach das Ende des Z4, dessen Produktion ausgelaufen ist. Auch die inzwischen betagte 8er-Reihe erhält voraussichtlich keinen regulären Nachfolger. Der klassische X4 läuft ebenfalls aus, während insbesondere der wenig erfolgreiche Plug-in-Hybrid XM sowie der 2er Active Tourer als weitere Streichkandidaten gelten. BMW selbst bestätigt eine solche umfassende Streichliste allerdings nicht.
Besonders interessant ist aus Sicht der Elektromobilität der BMW i4. Auch dessen Tage dürften in der bisherigen Form gezählt sein. Das ist allerdings gerade kein Zeichen für einen Rückzug vom Elektroauto. Vielmehr macht ihn der neue vollelektrische i3 der Neuen Klasse zunehmend überflüssig. BMW hatte bereits im Frühjahr bestätigt, dass das Modelljahr 2026 das letzte für den bisherigen i4 sein soll.
Der neue i3 zeigt zugleich, wohin die Reise geht. Die elektrische Mittelklasse-Limousine basiert von Grund auf auf der Neuen Klasse und soll bis zu 900 Kilometer WLTP-Reichweite erreichen. Dank 800-Volt-Technik sind bis zu 400 kW Ladeleistung vorgesehen, binnen zehn Minuten sollen unter optimalen Bedingungen bis zu 400 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können. Die Produktion in München lief vor wenigen Tagen an.
Auch beim X4 zeigt sich der Wandel besonders deutlich: Einen klassischen Nachfolger mit Verbrennungsmotor soll es nicht geben, dafür ist ein vollelektrischer iX4 auf Basis der Neuen Klasse in Entwicklung. Erlkönige sind bereits unterwegs, technisch dürfte sich das SUV-Coupé eng am iX3 orientieren. Damit würde BMW nicht die Fahrzeugklasse aufgeben, sondern lediglich den Antrieb und die technische Basis austauschen.
Dass BMW gerade jetzt Platz im Portfolio schafft, passt zur gewaltigen Produktoffensive rund um die Neue Klasse. Bis Ende 2027 sollen deren Technologien in rund 40 neue Modelle und Modellupdates einfließen. Erste Zahlen sprechen zumindest in Europa dafür, dass die Strategie aufgeht, auch wenn die Transformation wirtschaftlich erst einmal eine Hausnummer ist: Im zweiten Quartal 2026 setzte die BMW Group hier 81.445 reine Elektroautos ab – 38 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für den iX3 meldete BMW bereits im Frühjahr mehr als 50.000 Bestellungen, inzwischen nähert sich das Modell nach Unternehmensangaben der Marke von 100.000 Aufträgen.
China wird zum Härtetest
Umso wichtiger ist der schnelle Umbau mit Blick auf China. Dort brachen die BMW-Verkäufe im zweiten Quartal um gut 30 Prozent ein. Nach Daten von Global Mobility, auf die Reuters im Juli verwies, waren zuletzt lediglich rund fünf Prozent der in China verkauften BMW reine Elektroautos – bei einem Elektroanteil von 46 Prozent im Gesamtmarkt. Gerade dort muss die Neue Klasse deshalb beweisen, dass BMW technologisch mit den schnell entwickelnden chinesischen Wettbewerbern mithalten kann.
Einige traditionelle Nischen verschwinden vermutlich komplett, andere werden elektrisch neu besetzt. Dass dabei sogar ein noch vergleichsweise junger Stromer wie der i4 weichen muss, zeigt: BMW will die Elektromobilität künftig nicht mehr auf bestehende Verbrennerarchitekturen aufsetzen, sondern um die Neue Klasse herum organisieren. Dann kann die alte Verbrennerklasse davon losgelöst allmählich aussterben.
Quelle: Automobilwoche – BMWs neue Streichliste: Welche Modelle auf der Kippe stehen









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