Wissing setzt auf „Dienstwageneffekt“ bei E-Autos

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Daniel Krenzer
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Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist zuversichtlich, dass die heute neu zugelassenen E-Autos als Dienstwagen die ersehnten günstigen Gebrauchtwagen von morgen sein werden. „Der Gebrauchtwagenmarkt bei E-Fahrzeugen speist sich im Augenblick vor allen Dingen aus dem Dienstwagenmarkt“, sagte er laut Deutscher Presseagentur, wie unter anderem die Zeit berichtet.

Da gewerblich genutzte Fahrzeuge häufiger ausgetauscht würden, seien sie ein entscheidender Faktor für den Gebrauchtmarkt. Dass Dienstwagen oft große Limousinen sind, die auch gebraucht noch alles andere als günstig sind, lässt Wissing als Argument nicht gelten und sagt: „Der klassische Dienstwagen ist ein Standardfahrzeug.“ Aus diesem Grund verteidigt Wissing auch den Kurs der FDP, an steuerlichen Vorteilen für Dienstwagen festzuhalten. Dies sollten auch diejenigen im Blick behalten, die Klimaschutz voranbringen wollten.

Ab dem kommenden Jahr wird damit gerechnet, dass mehr Leasingrückläufer mit Elektromotoren auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen werden. Viele Menschen scheuen aber zudem derzeit noch den Kauf eines gebrauchten E-Autos aus Sorge, der Akku könnte bereits zu sehr an Kapazität eingebüßt haben. Dass Dienstwagenfahrer nicht unbedingt ausschließlich akkuschonend laden, ist als Befürchtung nachvollziehbar. Allerdings zeigen Tests, dass neue Batterien in der Regel auch nach mehr als 100.000 Kilometern noch kaum an Kapazität verloren haben. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auch die Restkapazität der Akkus ausmessen lassen.

Wissing: Mit der E-Mobilität allein nicht am Ziel

Was Wissing bei seiner Argumentation allerdings verschweigt: Der Anteil von vollelektrischen Fahrzeugen war zuletzt bei Privatkäufern sogar höher als bei Firmenkunden. Jeder fünfte privat angeschaffte Wagen war in der ersten Jahreshälfte ein Elektroauto, allerdings nur knapp jeder achte Dienstwagen. Derzeit sind etwa sechs Prozent aller dienstlich genutzten Fahrzeuge in Deutschland vollelektrisch.

Außerdem warb der Bundesverkehrsminister wieder einmal für die Zukunft synthetischer klimafreundlicher Kraftstoffe, sogenannter E-Fuels. „Auch weil wir sehen, dass E-Fahrzeuge preislich für viele derzeit nicht erreichbar sind“, begründet er laut Deutscher Presseagentur. Mit der Elektromobilität allein sei man noch nicht am Ziel und müsse daher auch andere Technologien offen in Betracht ziehen. „Für gute Angebote muss die Automobilindustrie sorgen. Dass deutsche Autobauer das können, haben Sie bereits eindrucksvoll bewiesen“, motiviert der dafür viel kritisierte Wissing die deutschen Hersteller, auch über die batterieelektrische Mobilität hinaus Angebote im Pkw-Bereich zu schaffen.

Quelle: Zeit – „Wissing setzt auf Dienstwagen-Effekt für günstige E-Autos“

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Daniel Krenzer

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Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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