Gebrauchte E-Autos werden langsam beliebter – und günstiger

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Die Entwicklung des Automobilmarktes in Deutschland ist aktuell stark von der wirtschaftlichen Situation geprägt, so das aktuelle DAT-Barometer Juni 2023. Neuwagenzulassungen resultieren demnach oft noch aus Bestellungen vom Vorjahr. Besonders Firmenfuhrparks tauschen derzeit (z. T. nach überdurchschnittlicher Haltedauer) ihre Fahrzeuge, während die private Neuwagen-Nachfrage eher schwach sei.

Hinzu komme: Die Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der DAT (Deutsche Automobil Treuhand) zufolge sehr verhalten. Der Bedarf sei zwar vorhanden, aber hohe Preise schrecken in der angespannten Gesamtsituation mit allgemein steigenden Kosten oftmals ab. Betrachtet man nur Elektroautos, so sorgen bei gewerblichen Zulassungen wahrscheinlich Mitnahmeeffekte vor Ablauf der Förderung im September für steigende Zulassungen. Die private Nachfrage soll eher verhalten ein, daher könnte man vermuten, der Markt für E-Autos sei vorerst gesättigt – zumindest bei Endverbrauchern.

Die wahrscheinlichste Wahl der Motorart ist der DAT zufolge bei den Gebrauchtwagen- wie auch bei den Neuwagenkaufplanern weiterhin der Verbrenner. Bei Letztgenannten liegen die Hybride aber fast gleich auf, gefolgt von reinen E-Autos. Batterieelektrisch angetriebenen Pkw spielen wiederum unter den Gebrauchtwagenkaufplanern (14 Prozent) eine noch untergeordnete Rolle. Eine grundsätzliche Skepsis zu E-Autos sei bei vielen Kaufplanern noch vorhanden, wobei deutlich unterschieden werden müsse, welche Antriebsart demnächst angeschafft werden soll. Wer die Anschaffung eines E-Autos plant, für den sei dieses in hohem Maße ein perfektes Alltagsauto. Diesem Personenkreis genügen etwas mehr als 360 km Reichweite, und es würde bei knapp 80 Prozent der Käufer als Erstwagen genutzt werden.

Benziner bleiben gefragteste Motorart

Wer sich momentan in einem Autokaufprozess befindet, tendiere stark zu Verbrennungsmotoren. Im Drei-Jahres-Trend werde bei den Neuwagenkaufplanern deutlich, dass sich Benziner und Diesel nach oben entwickelt haben, während rein batterieelektrische Pkw (BEV) in der Gunst der Kaufplaner gesunken sind. Benziner (31 Prozent), Hybride (30 Prozent) und E-Autos (26 Prozent) liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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DAT

Bei den Gebrauchtwagen-Kaufplanern werden Benziner deutlich (41 Prozent) vor allen Antriebsarten präferiert, mit Abstand folgen Hybride (27 Prozent) und Diesel-Pkw (16 Prozent). Bei BEV stieg die Zustimmung von 4 über 9 auf aktuell 14 Prozent. Hierbei spielt das deutlich größere Angebot auf dem BEV-Gebrauchtwagenmarkt im Vergleich zu vor zwei Jahren eine nicht unerhebliche Rolle.

Gebrauchte E-Autos rücken etwas mehr in den Fokus

Befragt man alle Kaufplaner, wie sie zu gebrauchten Elektroautos stehen, so bleibt das Bild auch im Drei-Jahres-Trend klar. Die Mehrheit der Endverbraucher würde ein E-Auto nur als Neuwagen kaufen. Die Zustimmung zu einem BEV-Jahreswagen sei allerdings in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen – von 30 auf 40 bis aktuell auf 44 Prozent. Die Vorstellung, sich ein gebrauchtes E-Auto anzuschaffen, das älter als zwölf Monate ist, komme nur für 12 Prozent infrage. Aber auch das ist eine Steigerung zu den Vorjahren (2021: 7 Prozent; 2022: 10 Prozent).

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DAT

Interessant sei die Veränderung bei denjenigen, die ein gebrauchtes BEV klar ablehnen: Von 69 über 67 auf 61 Prozent ist diese Gruppe geschrumpft, während das Interesse an gebrauchten E-Autos besonders bei den Jahreswagen zugelegt hat.

Benzin-Kaufplaner sehen E-Autos weiter kritisch

Wer aktuell den Kauf eines Elektroautos plant, hat komplett andere Ansichten als die Kaufplaner von Benzinern. Am deutlichsten zeigt sich dies laut der DAT bei den Zustimmungswerten zur Umweltfreundlichkeit von BEV bei ihrer Nutzung (84 Prozent vs. 40 Prozent), der Meinung, E-Autos seien die Antriebstechnologie der Zukunft (69 Prozent vs. 30 Prozent) oder auch, dass ein BEV ein perfektes Alltagsauto darstelle (64 Prozent vs. 23 Prozent).

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Ein ebenfalls großer Unterschied liege in der Zustimmung oder Ablehnung der Aussage „Technologie noch nicht ausgereift. Warte weitere Entwicklungen ab“. 66 Prozent der Benzin-Kaufplaner stimmen dieser Aussage zu, bei den BEV-Kaufplanern immerhin auch 40 Prozent. Diese wiederum sehen in der staatlichen Förderung einen höheren Kaufanreiz (75 Prozent) als die Benzin-Kaufplaner (30 Prozent).

Nutzung eines E-Autos als Erst- oder Zweitwagen für viele noch unklar

Befragt man diejenigen, die den Kauf eines Benziners planen, wie sie die Nutzung eines E-Autos sehen, so ist ein reiner Stromer für beinahe die Hälfte (49 Prozent) ein Zweitwagen. 27 Prozent würden ihn als Hauptwagen einsetzen, und beinahe ebenso viele (24 Prozent) sind sich unschlüssig.

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DAT

Ganz anders das Bild bei den E-Auto-Kaufplanern: Nur 19 Prozent würden diesen als Zweitwagen einsetzen, wohingegen die überwiegende Mehrheit (79 Prozent) in einem Elektroauto das Hauptfahrzeug sieht. Wenn es um die gewünschte Reichweite eines BEV geht, so käme diese Zielgruppe mit 366 km Reichweite aus. Wer dagegen den Kauf eines Benziners plant, der erwartet bei einem BEV eine Reichweite von durchschnittlich 448 km, damit dieser Pkw die mobilen Bedürfnisse abdeckt und für ihn attraktiv ist.

Gebrauchtwagen bleiben teuer, aber leichter Rückgang erkennbar

Der Höhenflug der Gebrauchtwagenpreise ist offenbar vorbei, denn die Verkaufspreise der drei Jahre alten Gebrauchtwagen sind ein weiteres Mal gesunken. Benziner werden zu 69,2 Prozent, Diesel zu 67,8 Prozent ihres ehemaligen Listenneupreises verkauft. Vergleichbare gebrauchte E-Autos bleiben mit 61,5 Prozent deutlich auf Abstand, was daran liegen mag, dass der durch den Umweltbonus von einst bis zu 9000 Euro eingepreist ist.

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DAT

Die Gebrauchtwagenpreise für E-Autos dürften allerdings durch den „Tesla-Effekt“ noch stärker unter Druck geraten. Durch die massiven Preissenkungen bei neuen Tesla-Modellen werden gebrauchte Fahrzeuge des Herstellers nicht mehr zu den derzeitigen Angebotspreisen verkauft werden können. Das dürfte sich auch auf Gebrauchtwagen anderer Hersteller auswirken, die mit Tesla im Wettbewerb stehen.

Quelle: DAT-Barometer Juni 2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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GV60:

Meine Zustimmung – Transparenz schafft Vertrauen :-)
Aber wo ist beim Verbrenner dokumentiert, ob der Vorbesitzer nach dem Kaltstart die Pferde hüpfen ließ, häufig Anhänger stemmte oder jede Strecke zur Rennstrecke erklärte?

panib:

„Ganz anders das Bild bei den E-Auto-Kaufplanern: Nur 19 Prozent würden diesen als Zweitwagen einsetzen, wohingegen die überwiegende Mehrheit (79 Prozent) in einem Elektroauto das Hauptfahrzeug sieht. Wenn es um die gewünschte Reichweite eines BEV geht, so käme diese Zielgruppe mit 366 km Reichweite aus. Wer dagegen den Kauf eines Benziners plant, der erwartet bei einem BEV eine Reichweite von durchschnittlich 448 km, damit dieser Pkw die mobilen Bedürfnisse abdeckt und für ihn attraktiv ist“.

Schon wieder verstehe ich hier etwas nicht. Mein Q4 e-tron 45 quattro schafft mit seinem 77 kWh (brutto) Akku die 366 km schon nicht, geschweige denn die „durchschnittlichen“ 448 km.
Also viel Spaß beim Suchen passender und bezahlbarer Autos.

panib:

Mir fehlt die technische Kenntnis, aber sagt denn der SOH, den man ja leicht selbst ermitteln kann, nicht genug aus über den wirklichen Zustand des Akkus?

DarkestMage:

Es gibt ein diagnosetool von aviloo mit dem man den Zustand des Akkus ermitteln kann. Wird auch über den ADAC angeboten. Einfach nach „batteriecheck adac“ googeln.
Vielleicht ist das ja für Dich hilfreich.

Johannes:

Da stimme ich zu, es wäre auch sehr einfach. Die Information ist im BMS immer vorhanden und müsste nur irgendwo abrufbar sein.
Bei Verbrennern konntest du natürlich auch nicht in den Motor schauen und ein Motorschaden bedeutet ja oft Kompletttausch. Beim Akku hast du schlimmstenfalls etwas weniger Kapazität kannst aber trotzdem fahren.

Marius:

Ich habe vor, in wenigen Monaten einen gebrauchten Elektrischen zu kaufen. Mein Problem ist, dass keiner etwas über den Akku weiß oder in den Anzeigen etwas darüber angibt. Man weiß also nicht: Hat der Vorbesitzer immer Vollstrom gegeben, nur DC-Lader genutzt und immer auf 100% geladen und das Auto dann eine Woche so stehen lassen; oder hat er fast ausschließlich AC geladen, max. bis 80% und ist schonend gefahren… Schließlich wirkt sich das auf die Akkulebensdauer aus. Zwei Fahrzeuge können bei gleicher Ausstattung und gleichem Preis unterschiedlich viel Wert sein, je nach dem, wie es um den Akku steht. Für mich ist das ein großes Hindernis und ich bin der Ansicht, dass die Hersteller hier nachbessern müssen. Man muss den Akkuzustand auch als Laie auslesen können.

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