VW-Qualitätschef: Software als Werkzeug, um Qualität zu steigern

VW-Qualitätschef: Software als Werkzeug, um Qualität zu steigern
Copyright:

Cariad

Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 4 min

Der Qualitätsmanager des Volkswagen-Konzerns, Andreas Krepp, hat in einem ausführlichen Interview mit der Automobilwoche darüber gesprochen, wie im Softwarebereich die Qualität sichergestellt werden kann. Dabei betont er, dass Softwareupdates zwar schnellere Nachbesserungen ermöglichen, jedoch nicht die Reife- und Fertigungskriterien zum Serienstart aushebeln dürfen.

„Gute Qualität rechnet sich – schlechte Qualität verursacht hohe Folgekosten“, sagte Krepp, der mehr als 20 Jahre für Volkswagen im Ausland tätig war, im Interview. Gerade bei hohen Stückzahlen sei Zeit ein enormer Faktor, um in puncto Wirtschaftlichkeit einen erheblichen Unterschied zu machen. „Wenn ein Fehlerbild hochkommt, zählt jede Woche, in der wir es früher verstehen und abstellen können – sei es durch ein Over-the-Air-Update oder durch die Lösung für einen mechanischen Fehler“, ergänzte er.

Um den Fehlerabstellprozess zu beschleunigen, setzt Volkswagen inzwischen Künstliche Intelligenz ein und ist dadurch laut dem Qualitätsmanager bereits 20 Prozent schneller geworden, wozu Krepp erklärte: „Was heute mit Kamerasystemen, Datenanalyse und KI möglich ist, ist beeindruckend. Damit lassen sich bestimmte Prüfungen sehr konsequent, reproduzierbar und dokumentierbar durchführen.“

Neben dem Einsatz von KI setzt Volkswagen zugleich auf kundennahe Fahrzeugtests, die die klassische Entwicklungserprobung ergänzen. Auf Basis von Kundenzufriedenheitsstudien sind Sonderprogramme Teil der Qualitätssicherung, die in unterschiedlichen Regionen stattfinden. „Technisch kann etwas innerhalb der Vorgaben liegen und für den Kunden trotzdem nicht gut genug sein“, erklärte Krepp.

Aus den Kundentests ergeben sich laut dem Qualitätsmanager oft wertvolle Erkenntnisse, etwa wie intuitiv die Bedienung ist, wie leicht Funktionen auffindbar sind oder aber auch, wie eine Klimaanlage im Sommer in den USA bei knallender Sonne arbeitet. Während Technologie bei monotonen Prüfaufgaben entlaste, bleibe der Mensch durch Urteilskraft, Haptik und technisches Verständnis unverzichtbar.

Mehrwert neuer Bedien-Ideen abwägen

Als Beispiel dafür, dass der Konzern das Kundenfeedback ernst nimmt, nennt Krepp die Slider, die von den Kunden stark kritisiert wurden. „Bei Elektrofahrzeugen gab es – auch bei uns – die Vorstellung: Jetzt beginnt etwas Neues, also muss sich auch die Bedienung deutlich verändern, besonders modern sein“, erklärte der Qualitätsmanager. „Wir haben zum Beispiel gesagt: ‚Lasst uns Slider einbauen, weg von klassischen Drehreglern. Das ist die Zukunft.‘“

Später habe man festgestellt, dass Kunden sich zunächst für eine neue Antriebsart entschieden hätten, aber nicht „automatisch ein Raumschiff kaufen“ wollten. Heute wäge man stattdessen ab, ob eine neue Bedien-Idee tatsächlich einen Mehrwert schaffe oder ob die bewährte Lösung intuitiver und besser sei. In den globalen Märkten gebe es zwar unterschiedliche Präferenzen für haptische Bedienung, allen Kunden sei jedoch gemein, dass es schnell, verständlich und intuitiv sein muss.

Einfachheit für den Kunden als Ziel

Die Qualitätssicherung begleitet den Entwicklungsprozess eines neuen Fahrzeugs von Anfang an. „Denn die beste Qualitätsentscheidung ist häufig die, die sehr früh getroffen wird“, so Krepp. Dabei definiert er moderne Qualität als hohe technische Komplexität im Hintergrund und Einfachheit für den Kunden im Vordergrund, der im Idealfall nach dem Einsteigen schnell versteht, wie die Bedienung im Auto funktioniert.

Während früher mechanische Entwicklungen den Fortschritt vorangetrieben hätten, erlebe man dies heute stärker bei Elektrik, Elektronik und Software. Gerade Software entstehe in einem komplexen Entwicklungsverbund aus verschiedenen internen Bereichen und externen Partnern. „Entscheidend ist, dass Hardware, Software und Dienste im Fahrzeug zuverlässig zusammenspielen“, sagte Krepp. Die Qualität werde dabei durch klare Freigabeprozesse und eine enge Zusammenarbeit mit der Technischen Entwicklung sowie den Softwareorganisationen sichergestellt.

Qualität endet nicht mit Auslieferung

Der Qualitätsmanager betont zudem, dass Software zeigt, dass Qualität nicht mit der Fahrzeugauslieferung endet, sondern Werkzeuge bietet, um Qualität kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dabei seien primär Over-the-Air-Updates hilfreich, deren Fähigkeiten künftig noch umfassender werden. „Damit können künftig mehr Funktionen aktualisiert und verbessert werden, ohne dass der Kunde dafür in die Werkstatt fahren muss“, so Krepp.

Anspruch der Qualitätssicherung sei es vor allem, etwaige Fehler schneller zu verstehen und gezielter beheben zu können. Krepp betont aber auch, Softwareupdates seien „kein Freibrief, ein unreifes Fahrzeug auf die Straße zu schicken“. Für jeden Serienstart gebe es weiterhin klare Reife- und Freigabekriterien, wobei es insbesondere bei sicherheitsrelevanten Themen keine „Abwägung zulasten der Sicherheit“ gebe.

Einfachere Prozesse für bessere Qualität

Bezüglich der kürzeren Entwicklungszeiten und dem sogenannten „China Speed“ lautet Krepps Fazit: Langsam ist nicht automatisch besser. „Wenn eine Entscheidung über Monate nicht getroffen wird, verlängert sich die Entwicklung, ohne dass das Produkt dadurch automatisch besser wird. Und bei sehr langen Entwicklungszeiten besteht zusätzlich die Gefahr, dass Entscheidungen mehrfach verändert werden“, erklärte er dazu.

Am Ende müssten genügend Zeit und Reife vorhanden sein, um das Produkt sauber abzuprüfen, hauptsächlich in Hinblick auf Sicherheit und Zuverlässigkeit. Eine Vereinfachung der Prozesse, das Vermeiden unnötiger Schleifen, klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt könnten nach Ansicht des Qualitätsmanagers eher dazu beitragen, die Qualität zu stabilisieren.

„Die Kunst ist: schnell lernen, schnell entscheiden – und an den entscheidenden Stellen konsequent bleiben“, erklärte Krepp.

Quelle: Automobilwoche – VW-Qualitätschef Andreas Krepp: „Software-Updates sind kein Freibrief“

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW ID. Polo im Test: Wo Volkswagens Versprechen hakt

VW ID. Polo im Test: Wo Volkswagens Versprechen hakt

Sebastian Henßler  —  

Der VW ID. Polo lernt vom Schwarm, hält an roten Ampeln und verbraucht kaum 12 kWh auf 100 km. Warum Fahrwerk und Schildererkennung trotzdem Fragen aufwerfen.

VW baut Werk Osnabrück zu Rüstungsstandort um

VW baut Werk Osnabrück zu Rüstungsstandort um

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen gibt die Autoproduktion in Osnabrück auf und macht den Standort mit Niedersachsen und Aurelius zu einem Zentrum für Verteidigungstechnik.

VW-Aufsichtsrat: Fallen sogar bis zu 110.000 Stellen weg?

VW-Aufsichtsrat: Fallen sogar bis zu 110.000 Stellen weg?

Sebastian Henßler  —  

Offiziell sollen 50.000 Jobs entfallen. Ein 23-seitiges Papier addiert weitere 60.000 Stellen aus Marken- und Gemeinkostenzielen bis 2030 hinzu.

E-Kleinwagen VW ID. Polo schon vor Verkaufsstart ausverkauft

E-Kleinwagen VW ID. Polo schon vor Verkaufsstart ausverkauft

Sebastian Henßler  —  

Der neue ID. Polo ist bei Volkswagen bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart ausverkauft, die Wartezeit liegt bei mindestens zehn Monaten.

Zwei Jahre Verspätung: Scout-Comeback lässt US-Kunden warten

Zwei Jahre Verspätung: Scout-Comeback lässt US-Kunden warten

Stefan Grundhoff  —  

VWs US-Marke Scout verschiebt den Marktstart von Traveler und Terra auf das Jahr 2028, statt wie ursprünglich geplant bereits 2026 an den Start zu gehen.

VW-Konzern bestätigt Rochade an der Vertriebsspitze

VW-Konzern bestätigt Rochade an der Vertriebsspitze

Sebastian Henßler  —  

Elektroauto-News hatte die Personalpläne bereits im Juli exklusiv vermeldet, nun bestätigen Volkswagen, Audi und Skoda die Rochade offiziell zum Oktober.

VW-Aufsichtsrat billigt Zukunftsplan 2030 einstimmig

VW-Aufsichtsrat billigt Zukunftsplan 2030 einstimmig

Sebastian Henßler  —  

Der Aufsichtsrat der Volkswagen Group hat den Zukunftsplan 2030 einstimmig gebilligt, eine Entscheidung über vier deutsche Werke steht aber weiterhin aus.