VW ID Every1: Produktion startet 2027 in Portugal

VW ID Every1: Produktion startet 2027 in Portugal
Copyright:

Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Die Autoeuropa-Werke in Palmela bei Lissabon werden ab 2027 ein neues Elektroauto für den Volkswagen-Konzern fertigen. Der ID Every1, so der Name des geplanten Modells, wird dann der Einstieg in die Elektromobilität der Marke und soll zu einem Preis ab rund 20.000 Euro auf den Markt kommen. Das Auto wird über einen 70-kW-Motor verfügen, Platz für vier Personen bieten und 305 Liter Stauraum haben, wie verschiedene Medien berichten. Zudem wird es das erste Modell des Konzerns sein, das eine neue Software-Architektur nutzt, die gemeinsam mit Rivian entwickelt wurde, und die künftig Funktionsupdates während des gesamten Lebenszyklus ermöglicht.

Die Entscheidung zur Produktion wurde in Palmela vergangene Woche feierlich bekanntgegeben. Vertreter von Staat und Konzern betonten die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts. Portugals Wirtschaftsminister Manuel Castro Almeida sprach von einem historischen Moment für das Land. Er hob hervor, dass Autoeuropa seit mehr als drei Jahrzehnten ein Eckpfeiler der nationalen Industrie sei. Rund 4000 Mitarbeiter arbeiten derzeit direkt in Palmela, viele weitere Zulieferer profitieren indirekt. Der Minister erklärte, dass der Staat den Produktionsstart mit 30 Millionen Euro fördern werde. Das Geld stamme aus einem vertraglich festgelegten Hilfsrahmen und signalisiere die Bereitschaft der Regierung, den Standort langfristig zu sichern.

Portugal fördert VW ID.1-Fertigung sowie Ausbau des dortigen VW-Werks

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der die Regierung die Exporte stärker ausbauen will. Gegenwärtig beträgt der Anteil der Ausfuhren am Bruttoinlandsprodukt 46 Prozent. Die Zielmarke liegt zwischen 50 und 55 Prozent. Almeida betonte, dass nur ein höherer Exportanteil für dauerhaftes Wachstum sorgen könne. Interne Nachfrage sei begrenzt, daher müssten Unternehmen ihre Märkte verbreitern. Auch internationale Handelskonflikte, etwa Zölle aus den USA, würden diese Notwendigkeit nicht ändern. Der Minister kündigte deshalb verstärkte Mittel für Programme wie Compete 2030 an, die die internationale Präsenz portugiesischer Firmen fördern sollen.

Neben dem neuen Elektroauto stehen weitere Investitionen in Palmela an. Bereits vorgestellt wurde eine neue Großpresse, die Teil eines Programms über 52,8 Millionen Euro ist. Außerdem wurde der Grundstein für eine neue Lackierhalle gelegt, die Ende 2027 fertiggestellt werden soll. Zusammen mit einem elektrischen Ofen fließen hier 270 Millionen Euro in die Modernisierung. Diese Investitionen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter erhöhen und ihn langfristig absichern.

Volkswagen-Manager Christian Vollmer hob in seiner Rede die Rolle der Autoeuropa-Werke ebenfalls hervor. Der Standort sei eng mit der globalen Elektrifizierungsstrategie des VW-Konzerns verknüpft. Die Wahl sei bewusst auf Palmela gefallen, da man Vertrauen in die Belegschaft habe und die Partnerschaft mit dem Staat funktioniere. Vollmer betonte, dass Nachhaltigkeit und neue Produktionsprozesse die Zukunft des Konzerns bestimmen. In Palmela wolle man zeigen, wie beides zusammengeführt werden könne.

Neben VW ID. Every 1 läuft neuer T-Roc in Portugal vom Band

Für den laufenden Betrieb ist nicht nur der ID Every1 relevant. Schon vor 2027 startet in Palmela die Produktion des neuen T-Roc, auch als Hybridvariante. Der Generaldirektor der Autoeuropa, Thomas Hegel Gunther, erklärte, dies sei ein weiterer Baustein, um den Standort in die Zukunft zu führen. Der T-Roc werde die positive Entwicklung des Vorgängers fortsetzen. Gleichzeitig markiere der ID Every1 die nächste Phase in der strategischen Ausrichtung.

Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa ordnete die Bedeutung des Projekts historisch ein. Er erinnerte an die Rolle der Autoeuropa seit den 1990er Jahren und betonte, dass alle Regierungen unabhängig von Parteizugehörigkeit den Standort unterstützt hätten. Für ihn ist die heutige Entscheidung ein Beleg für eine langfristige nationale Strategie. Rebelo de Sousa würdigte die fast 5000 Beschäftigten und ihre Fähigkeit, Krisen und Spannungen in den vergangenen Jahrzehnten zu überwinden. Er verband dies mit einer Botschaft der Solidarität, die er auch anlässlich aktueller Waldbrände im Land hervorhob.

Die Verantwortlichen sehen in der neuen Produktion in Palmela mehr als ein Industrieprojekt. Für Regierung und Volkswagen ist es ein Signal für Vertrauen, Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der Elektromobilität in Europa. Der geplante ID Every1 soll ein breites Publikum erreichen, das bislang keinen Zugang zu erschwinglichen Stromern hatte.

Quelle: Observador – Autoeuropa assume compromisso da Volkswagen para com Portugal com investimento que vai ter apoio de 30 milhões do Estado / Portugal.gov – Governo e VW assinam acordo para produção de automóvel totalmente elétrico / Volkswagenautoeuropa.pt – Volkswagen Autoeuropa e governo português assinam declaração conjunta de intenções para a produção do ID. EVERY1

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

Volkswagen startet mit neuer Elektronikarchitektur für China

Volkswagen startet mit neuer Elektronikarchitektur für China

Tobias Stahl  —  

Volkswagen hat seine neue Elektronikarchitektur für den chinesischen Markt planmäßig fertiggestellt. Sie feiert ihre Premiere im VW ID.Unyx 07.

VWs Scout priorisiert Modelle mit Range-Extender

VWs Scout priorisiert Modelle mit Range-Extender

Maria Glaser  —  

Scout Motors will erst Modelle mit Range-Extender auf den Markt bringen, bevor die Elektroautos der Marke auf die Straßen kommen.

Warum die Rivian-Allianz für VW zur Geduldsprobe wird

Warum die Rivian-Allianz für VW zur Geduldsprobe wird

Sebastian Henßler  —  

VWs Softwarewette mit Rivian wird zur Bewährungsprobe. Trotz Milliardeninvestition wachsen Zweifel. Besonders bei Audi steigt die Sorge vor Verzögerungen.

VW-Chef Blume: „Produktivität hoch, Kosten runter“

VW-Chef Blume: „Produktivität hoch, Kosten runter“

Sebastian Henßler  —  

VW-Chef Oliver Blume sieht die Weltordnung unter Spannung. Zölle, Industriepolitik und neue Machtachsen zwingen den Konzern zu Fokus, Effizienz und Kooperation.

VW-Konzern dünnt die Vorstandsebenen aus

VW-Konzern dünnt die Vorstandsebenen aus

Michael Neißendorfer  —  

Um den Konzern aus der Krise zu holen, setzt VW nun ganz oben an – und streicht bei den Volumenmarken ein Drittel der Vorstandsposten

Neues Gesicht, neuer Name: Der VW ID. Tiguan beerbt den ID.4

Neues Gesicht, neuer Name: Der VW ID. Tiguan beerbt den ID.4

Sebastian Henßler  —  

Mit dem Facelift kommt der neue Name: Aus dem ID.4 wird der ID.Tiguan. VW rückt seine Elektroautos damit näher an das bekannte Verbrenner-Portfolio.

VW startet Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft in Zwickau

VW startet Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft in Zwickau

Michael Neißendorfer  —  

Das Werk Zwickau wird das Zentrum für Kreislaufwirtschaft im VW-Konzern, dort sollen jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge zerlegt und wiederaufbereitet werden.