VW startet Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft in Zwickau

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Das Fahrzeugwerk Zwickau übernimmt im Volkswagen-Konzern ab sofort die Rolle als zentrales Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft. In Zwickau werden neue Geschäftsfelder der Kreislaufwirtschaft auf Wirtschaftlichkeit geprüft, Standards festgelegt und das Wissen für andere Standorte weltweit zur Verfügung gestellt, wie der Konzern mitteilt. Insgesamt plant Volkswagen in den nächsten Jahren Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro am Standort. Der Freistaat Sachsen fördert das Gesamtprojekt mit bis zu 10,7 Millionen Euro.

Zwickau startet neben der Zentralfunktion zunächst mit der systematischen Demontage von Fahrzeugen zur Rückgewinnung von wertvollen Rohstoffen und zur Weiterverwendung von Komponenten. Bis 2030 ist ein stufenweiser Aufbau der Kapazitäten auf 15.000 Fahrzeuge jährlich geplant. Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft am Standort Zwickau wurde im Rahmen der Tarifverhandlungen im Dezember 2024 beschlossen.

Die Circular-Economy-Strategie (Kreislaufwirtschaft) der Volkswagen Group folgt dem Prinzip „Reduce & Grow“: Der Einsatz von Primärrohstoffen und Emissionen soll konsequent gesenkt werden, während gleichzeitig neue Wertschöpfung, Resilienz und innovative Geschäftsmodelle aufgebaut werden sollen. So will Volkswagen die eigene Wertschöpfung langfristig absichern und weiterentwickeln – ökologisch wie ökonomisch. Neue Geschäftsmodelle wie Recycling, Refurbishment (Aufbereitung von Fahrzeugen) und Second-Life-Anwendungen eröffnen zusätzliche Markt- und Erlöspotenziale.

Das Fahrzeugwerk Zwickau übernimmt im Bereich Kreislaufwirtschaft eine Vorreiterrolle für den Volkswagen-Konzern. Es werden technische Innovationen sowie der Einsatz von KI entwickelt und standardisiert. Durch die Nutzung von Datenplattformen und KI will Volkswagen Materialflüsse, Recyclingprozesse und Geschäftsmodelle effizient nachverfolgen, steuern und neue Standards setzen. Darüber hinaus werde Zwickau für die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitenden in der Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielen.

Am Standort werden im ersten Schritt die Demontageprozesse definiert, erprobt und abgesichert, um so Standards für alle weiteren Standorte setzen zu können. Volkswagen erhält somit Zugang zu Bauteilen und Komponenten, die nach sachgerechter Prüfung und Aufbereitung wieder in den Kreislauf, z.B. für Gebrauchtfahrzeuge eingebracht werden können. Ein weiterer Schwerpunkt ist es, Materialien sauber zu trennen, um somit reine Rezyklate zu gewinnen.

„Kreislaufwirtschaft sichert Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland“

„Kreislaufwirtschaft wird für die Volkswagen AG in den nächsten Jahren immer wichtiger. Sie adressiert zentrale Herausforderungen der Automobilindustrie: Rohstoff-Resilienz, Dekarbonisierung, Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung. Konkret verfolgen wir das Ziel, Rohstoffe für den Bau neuer Fahrzeuge wiederzuverwenden. Damit wird Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, verringert den CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge und schafft neue Geschäftsmodelle“, erklärt Andreas Walingen, Leiter Group Circular Economy.

Und weiter: „Kreislaufwirtschaft fördert technologische und digitale Innovationen und sichert Arbeitsplätze am Standort und Wertschöpfung in Deutschland. Das ist die Aufgabe des Fahrzeugwerks Zwickau. Hier definieren, erproben und prüfen wir alle nötigen Prozessabläufe und Standards. Mittelfristig werden wir ein CE-Wertschöpfungsnetzwerk mit weiteren Standorten und Partnerschaften in ganz Europa benötigen, um Circular Economy wirtschaftlich erfolgreich zu skalieren.“

Für den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft sollen in den nächsten Jahren am Standort bis zu 90 Millionen Euro in Umbauarbeiten, technische Anlagen und KI-Anwendungen investiert werden. Im aktuellen Jahr sollen bereits 500 Vorserienfahrzeuge (Erprobungsfahrzeuge) verarbeitet werden. Ab 2027 soll die Anzahl der Fahrzeuge ansteigen. Ein modulares Demontage-Konzept erlaub dabei die stufenweise Erhöhung der Kapazität auf jährlich 15.000 Fahrzeuge im Jahr 2030.

Danny Auerswald, Sprecher der Geschäftsführung Volkswagen Sachsen: „Volkswagen Sachsen schlüpft erneut in die Pionierrolle. Wir waren das erste Werk, das vollständig auf E-Mobilität umgestellt wurde. Jetzt erschließen wir den wichtigen Geschäftsbereich der Kreislaufwirtschaft.“ Dirk Panter, Wirtschaftsminister im Freistaat Sachsen, ergänzt: „Das neue Projekt verdeutlicht den verantwortungsvollen Umgang mit bestehenden Ressourcen und bietet zudem den Beschäftigten in Mosel neue Perspektiven. Die Diversifizierung des Standortes Zwickau stärkt somit die Zukunftsfähigkeit dieser sächsischen Automobil-Region.“

Kreislaufwirtschaft werde auch in den zukünftigen Ausbildungsberufen und Hochschulfächern eine größere Rolle spielen. In enger Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Bildungsinstitut und der Westsächsischen Hochschule werden bestehende Berufswege und Studiengänge um Inhalte der Kreislaufwirtschaft ergänzt. Damit übernimmt der Standort Zwickau auch die Ausbildung und Weiterbildung der Mitarbeiter an zukünftigen Standorten.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 21.01.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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