VW-Betriebsratschefin fordert Ende von Blumes Doppelrolle

VW-Betriebsratschefin fordert Ende von Blumes Doppelrolle
Copyright:

Philip Lange / Shutterstock / 509899894

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Beim deutschen Automobilhersteller Volkswagen wächst der Druck auf Konzernchef Oliver Blume. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat in Wolfsburg auf einer Betriebsversammlung klar gemacht: Die Doppelrolle als Vorstandsvorsitzender von VW und Porsche sei nicht länger tragbar. „Ein Vorstandsvorsitzender kann in Wolfsburg kein Halbtags-Chef sein“, betonte sie einem Bericht der Automobilwoche zufolge vor den Beschäftigten – eine Ansage, die im Konzern nachhallen dürfte.

Cavallo warnte zudem vor dem Auseinanderdriften der Marken und einer zunehmenden Binnenkonkurrenz. Gerade in Zeiten der Transformation hin zur Elektromobilität brauche der Konzern Geschlossenheit, Effizienz und klare Verantwortlichkeiten. Ein reines Finanz-Holding-Modell, wie es vereinzelt ins Gespräch gebracht wurde, lehnte sie strikt ab. Im kommenden Jahr wird bei VW ein neuer Betriebsrat gewählt, von daher könne Cavallos Vorstoß auch als Start in den Wahlkampf gesehen werden, heißt es im Artikel weiter.

Auch außerhalb des Unternehmens mehren sich die Zweifel, dass Blume gleichzeitig sowohl ein guter Gesamt-VW- als auch ein geeigneter Porsche-Chef sein kann. Nach Informationen aus Konzernkreisen sucht Porsche bereits nach einem Nachfolger für Blume. Investoren fordern seit Längerem eine klare Trennung der Rollen. Blume selbst hatte wiederholt erklärt, dass seine Doppelfunktion „nicht für die Ewigkeit“ gedacht sei – ohne allerdings einen konkreten Zeitplan zu nennen. Somit scheint nun allmählich die Zeit gekommen zu sein, diesen Zustand kurz- bis mittelfristig zu beenden.

Richtungsweisende Phase für die E-Mobilität

Für VW ist das indes mehr als eine Personalfrage. Der Konzern steht vor massiven Herausforderungen bei der Transformation Richtung E-Mobilität. Verzögerungen bei Software, Plattformstrategie und Batteriefertigung lassen wenig Raum für Ablenkungen. Cavallos Botschaft ist deshalb auch ein Weckruf: Volkswagen braucht in dieser entscheidenden Phase volle Führungsstärke – und keinen Chef, der zwischen Wolfsburg und Zuffenhausen pendelt.

Besonders relevant wird das beim Blick auf die Elektromobilitätsstrategie. Mit dem geplanten ID.Polo will Volkswagen endlich (wieder) ein erschwingliches Elektroauto unterhalb des VW ID.3 auf die Straße bringen – ein Projekt mit Signalwirkung für den Massenmarkt. Gerade hier entscheidet sich, ob VW den globalen Anschluss an Wettbewerber wie BYD oder Tesla hält. Für eine solche Weichenstellung braucht es einen Geschäftsführer, der seine volle Aufmerksamkeit der E-Offensive widmet. Und das erscheint in der aktuellen Doppelrolle Blumes auch von außen betrachtet eher schwierig.

Quelle: Automobilwoche – VW-Betriebsrats-Chefin Cavallo: Oliver Blume „kann kein Halbtagschef sein“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Porsche Elektroautos

Porsche treibt Kreislaufwirtschaft bei Batterien voran

Porsche treibt Kreislaufwirtschaft bei Batterien voran

Sebastian Henßler  —  

Porsche hat gemeinsam mit Cylib erstmals Batteriezellen hergestellt, deren Kathodenmaterial zu 100 Prozent aus recycelten Rohstoffen besteht.

Elektro-Neuauflage des Porsche 550 Spyder ab 81.000 Euro

Elektro-Neuauflage des Porsche 550 Spyder ab 81.000 Euro

Sebastian Henßler  —  

Ab rund 81.000 Euro (netto) ist der elektrische Porsche 550 J ab sofort bestellbar – allerdings darf man mit dem Gefährt nicht auf die Straße.

Porsche-Vertrieb: Deutschland verliert seinen Sonderstatus

Porsche-Vertrieb: Deutschland verliert seinen Sonderstatus

Sebastian Henßler  —  

Deutschland wird künftig Teil der Region Europa, die Robert Ader als Regional Lead zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe übernimmt.

Porsche ringt um den richtigen Elektro-Kurs

Porsche ringt um den richtigen Elektro-Kurs

Daniel Krenzer  —  

Porsche steht vor einem strategischen Umbau. Chef Michael Leiters muss Taycan, Elektrostrategie, Modellportfolio, China-Geschäft und Kosten neu ausrichten.

Warum Porsche in der Formel E wie beim Blitzschach denkt

Warum Porsche in der Formel E wie beim Blitzschach denkt

Sebastian Henßler  —  

Florian Modlinger leitet das Porsche Formel-E-Team und vergleicht die Taktik im engen Rennen mit einer Partie Blitzschach, bei der jede Entscheidung zählt.

Porsche will Taycan-Produktion bis 2030 auslaufen lassen

Porsche will Taycan-Produktion bis 2030 auslaufen lassen

Arun Niemann  —  

Der Taycan galt einst als Porsches Elektro-Aushängeschild. Nun soll die Produktion jedoch bis 2030 schrittweise auslaufen.

Pascal Wehrlein gewinnt zweiten Formel-E-Titel mit Porsche

Pascal Wehrlein gewinnt zweiten Formel-E-Titel mit Porsche

Sebastian Henßler  —  

Pascal Wehrlein sichert sich beim Formel-E-Finale in London seinen zweiten Fahrertitel und reiht sich damit neben Jean-Éric Vergne ein.