VW-Aufsichtsrat billigt Zukunftsplan 2030 einstimmig

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Sebastian Henßler
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Der Aufsichtsrat der Volkswagen Group hat den Zukunftsplan 2030 des Konzernvorstands am 3. September einstimmig gebilligt. Für die vier Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, deren Zukunft seit Monaten für Unruhe sorgt, bedeutet das noch keine endgültige Entscheidung. Stattdessen erhalten die Marken den Auftrag, bis Ende Juni 2027 ein tragfähiges Konzept für die europäische Produktionsstruktur vorzulegen, wie der Konzern mitteilt. Der Beschluss markiert zugleich einen Kurswechsel, denn im Juli war ein früherer Entwurf noch am gemeinsamen Votum der Arbeitnehmerseite und des Landes Niedersachsen gescheitert.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wertete den Beschluss als Beleg dafür, dass die Transformation des Unternehmens „mit aller Kraft“ vorangetrieben werde und damit die „dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit“ des Konzerns gesichert sei. Zugrunde liegt dem Votum laut Mitteilung das strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group. Zwölf Initiativen sollen Konzern und Marken unter schwierigeren Wettbewerbsbedingungen wieder robuster aufstellen.

Im Zentrum des Plans steht die finanzielle Basis des Kerngeschäfts. Bis 2030 peilt die Volkswagen Group einen jährlichen Absatz von neun Millionen Autos sowie eine operative Umsatzrendite von neun Prozent an, was einem operativen Ergebnis von rund 31 Milliarden Euro entspräche. Für Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung sind im Zeitraum 2027 bis 2031 insgesamt 135 Milliarden Euro vorgesehen. Vorstandsvorsitzender Oliver Blume kündigte eine „dreistellige Milliardensumme“ an, mit der die „ikonischen Marken“ des Konzerns wettbewerbsfähiger werden sollen.

Um dieses Ziel zu erreichen, strafft die Volkswagen Group bis 2035 ihre Modellpalette um etwa die Hälfte, die Angebotskomplexität soll um rund 75 Prozent sinken. Ein konzernweites Programm für operative Exzellenz soll Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Qualität und Vertrieb enger verzahnen, schlankere Führungsstrukturen und ein einheitliches Bonussystem für Führungskräfte sollen zudem Entscheidungswege verkürzen. Zusätzlich soll das Beteiligungsportfolio um etwa ein Drittel gestrafft und die Konzernstruktur vereinfacht werden. In Nordamerika konzentriert sich der Konzern künftig auf die profitabelsten Segmente, während sich das China-Geschäft an ein verändertes Marktwachstum anpasst und das Exportgeschäft stärker in Richtung „globaler Süden“ ausbaut.

Vier Werke warten weiter auf Klarheit

Konkreter wird der Plan bei der Produktionsstruktur. In Europa besteht demnach eine Überkapazität von 500.000 Autos. Für die deutschen Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist ab den Jahren 2031 bis 2034 aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert, parallel sollen alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft werden. Erst wenige Tage vor dem Beschluss hatte Blume bei einem Besuch in Zwickau betont, der Standort bekomme „dieselbe Chance wie jedes andere Werk in Europa“, die Arbeitskosten lägen dort allerdings „bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte“.

Der Stellenabbau bleibt dabei ein zentraler Baustein. Laut der dem Zukunftsplan zugrunde liegenden Erhebung ist konzernweit eine Anpassung um rund 50.000 Stellen vorgesehen, Managementpositionen eingeschlossen. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte im Vorfeld öffentlich einen Widerspruch benannt zwischen angezählten Werken, weiterem Stellenabbau und gleichzeitig steigenden Renditezielen des Vorstands. Ob dieser Konflikt mit dem nun einstimmigen Votum beigelegt ist, bleibt offen.

Auf politischer Ebene meldete sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies zu Wort, der im Aufsichtsrat für das Land sitzt. Er mahnte eine flankierende Handelspolitik an, die den „Industriestandort in einem zunehmend harten globalen Wettbewerb“ stärke, und kündigte an, für die niedersächsischen Standorte langfristige Perspektiven zu entwickeln. Damit rückte neben der wirtschaftlichen auch die politische Dimension des Beschlusses in den Vordergrund.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo betonte, der Zukunftsplan dürfe nicht „einseitig auf Kosten der Beschäftigten“ gehen, Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit blieben gleichrangige Unternehmensziele. Wie tragfähig diese Balance in der Praxis ist, muss sich in den kommenden Monaten zeigen. Personell zog der Aufsichtsrat in derselben Sitzung bereits nach: Erika Rasch wird zum 1. Oktober in den Konzernvorstand berufen und übernimmt dort die Verantwortung für Personal sowie das Amt der Arbeitsdirektorin, das seit Juli 2025 kommissarisch von Thomas Schäfer geführt wurde.

Rasch wechselt von der Robert Bosch Gruppe, wo sie zuletzt weltweit den Bereich Human Resources verantwortete und unter anderem die HR-Strategie 2030 des Zulieferers mitgestaltete. Pötsch begründete die Berufung mit ihrer „umfassenden Erfahrung und großen Expertise im HR-Bereich eines international agierenden Unternehmens im Automobilsektor“ sowie ihrer Erfahrung in der betrieblichen Mitbestimmung. Auf Markenebene bleibt die Personalspitze dagegen unklarer besetzt, denn Elektroauto-News zufolge verlässt Tarifverhandlungsführer Arne Meiswinkel die Marke Volkswagen zum Jahresende, eine offizielle Bestätigung des Konzerns steht dazu noch aus.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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