VW-Chef Oliver Blume bereitet derzeit das größte Sparprogramm in der Geschichte von VW vor. Doch gleichzeitig investiert der Konzern Milliarden in das neue Batterieproduktionsprojekt PowerCo unter der Leitung von Frank Blome. Um die Abhängigkeiten von Batteriezellen aus China zu reduzieren, soll die Produktion in der Batteriefabrik in Salzgitter (im Titelbild zu sehen) ab Mitte September sieben Tage die Woche rund um die Uhr aufgenommen werden, so Blome in einem Gespräch mit der F.A.S.
Die Testphase mit geringeren Stückzahlen ist demnach beendet und bis zum Jahresende sollen mindestens eine Million Batteriezellen für rund 10.000 E-Autos produziert werden. Dabei hat VW die rund 2 Milliarden Euro an Mitteln für den Bau der Fabrik praktisch ohne staatliche Subventionen aufgebracht. Das ist vor allem bemerkenswert, wenn man es mit Intels vergleichbarem Vorhaben in Sachsen-Anhalt vergleicht. Hier flossen Milliarden an Fördermitteln und am Ende entstand trotzdem keine funktionsfähige Fabrik.
Benötigt werden die Batteriezellen aus Salzgitter unter anderem für VWs E-Kleinwagen ID.Polo, der in Spanien gefertigt wird. VW geht dabei Blome zufolge auch einiges an Risiko ein, da es im Falle von Lieferproblemen keinen Plan B gebe. Das spricht jedoch auch für die Zuversicht, welche der Batteriefabrik in Salzgitter entgegengebracht wird.
Die Batterieproduktion ist eine technische Herausforderung
Laut dem Bericht stammen inzwischen rund drei Viertel aller Batteriezellen von Herstellern wie CATL, BYD oder CALB aus China und ein Großteil des Restes aus Korea und Japan. Europa hat derweil den Anschluss verloren. PowerCo soll das jedoch ändern und langfristig knapp 50 Prozent des Batteriebedarfs von VW abdecken können. Dafür entsteht neben dem Werk in Salzgitter bereits eine noch größere Fabrik in Valencia und in Kanada ist ebenfalls eine große Produktionsstätte in Planung. Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich Blome zufolge inzwischen auf 10 Milliarden Euro.
Ein großer Teil der Anlagen in der Fabrik in Salzgitter kommt von chinesischen Maschinenbauern, wobei inzwischen rund 200 asiatische Fachleute vor Ort sind, um die VW-Belegschaft zu schulen. Dabei gab es bei der Suche nach Freiwilligen für eine Batterie-Schulung in China vor drei Jahren 500 Bewerbungen auf zunächst 100 Plätze.
Die zentrale Schwierigkeit beim Hochlauf der Produktionsstätte in Salzgitter ist laut Blome die Reduzierung der Ausschussrate fehlerhafter Zellen. Diese müsse schnellstmöglich gesenkt werden, weil kaputte Zellen nicht mehr repariert werden können und sich nur noch zum Recycling verwenden lassen. Im Gespräch nennt er den schwedischen Hersteller Northvolt als Beispiel für ein milliardenschweres Unternehmen, das erst 2025 genau daran gescheitert und deshalb pleite gegangen ist.
Bei der noch im Aufbau befindlichen Fabrik in Valencia liegt das Hauptproblem dem Bericht zufolge bei der Anlage zur Zelltrocknung, welche noch nicht richtig funktioniere. Die angestrebte Betriebsbereitschaft bis Ende 2027 und Kostenparität mit asiatischen Herstellern in Europa bis 2029 will Blome aber trotz dieser Startschwierigkeiten erreichen.
Im Konzern wächst die Skepsis
Trotz allem Optimismus seitens Blome gibt es auch einiges an Kritik zum Projekt. Zudem wurde die geplante Investitionssumme von 20 Milliarden Euro bereits halbiert und von den zwei Fabrikhallen am Standort Salzgitter ist bisher nur eine mit Maschinen ausgestattet worden.
Verschiedenen VW-Insidern zufolge sind es vor allem Vertreter der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, welche offen Skepsis am Projekt äußern. So habe es von einem Aufsichtsratsmitglied bereits den zynischen Vergleich gegeben, dass man ja auch keine eigenen Benzin-Raffinerien aufgebaut habe und es wurde wohl Sorge vor einem „zweiten Cariad-Debakel“ geäußert.
Eine Lösung könnte eine potenzielle Minderheitsbeteiligung des chinesischen Batteriepartners Gotion High-Tech am Werk in Valencia sein. Dies würde jedoch in gewisser Weise dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von China widersprechen und Blome äußerte sich bisher noch nicht zu diesem Vorschlag. Konzerninsidern zufolge habe VW bisher große Schwierigkeiten damit zu einem guten Preis externe Investoren zu gewinnen, da das Vertrauen in solche Vorhaben vor allem durch die Northvolt-Pleite geschwächt ist.
Quelle: FAZ – Macht dieser Mann Volkswagen zum Batterie-Champion?








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