Blumes härtester Plan: 100.000 Stellen weniger bei VW

Blumes härtester Plan: 100.000 Stellen weniger bei VW
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Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen steht vor dem tiefgreifendsten Umbau seiner Geschichte. In einer Vorstandssitzung am 24. Juni in Wolfsburg präsentierte Konzernchef Oliver Blume das sogenannte „Group Target Picture“ für 2030, ein Sanierungsprogramm, das in seiner Reichweite die bisherigen Sparpläne weit übertrifft, wie das Manager Magazin berichtet. Laut Insidern sollen weltweit bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Stellen wegfallen. Das entspräche einer Verdopplung des bislang angekündigten Abbauziels, das allerdings vorrangig Standorte in Deutschland betraf.

Das bisherige Programm, im Winter 2024 in einer historischen Einigung mit den Arbeitnehmervertretern beschlossen, sah ursprünglich den Abbau von rund 35.000 Jobs vor. Inklusive der Konzernmarken Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad waren daraus bereits 50.000 Stellen geworden. Nun sollen Insidern zufolge abermals rund 50.000 Stellen hinzukommen, unter anderem auch in Nordamerika und China. Ein zentrales Einsparungsziel: Die Sachgemeinkosten sollen bis 2030 um elf Milliarden Euro gesenkt werden.

Besonders hart dürfte es den Verwaltungs- und Entwicklungsbereich treffen. Im Managementbereich stünden demnach rund 5500 von gut 20.000 Stellen zur Disposition. Ein Insider merkte allerdings an, dass die konkreten Abbauzahlen außerhalb der Produktion auch davon abhingen, wie stark die Gesamteffizienz gesteigert werden könne.

VW-Krise: Vier deutsche Werke vor dem Aus

Noch konkreter werden die Pläne beim Thema Werksstandorte. Die vier deutschen Fabriken, die der Aufsichtsrat bereits im April als zu kostspielig eingestuft hatte, sollen demnach mittelfristig tatsächlich geschlossen werden. Betroffen wären die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Mit dem Auslaufen der dort aktuell gefertigten Modelle soll die Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden.

An den vier Standorten sind aktuell zusammen gut 40.000 Personen beschäftigt, die Kapazität liegt bei rund 750.000 Autos pro Jahr. Eine Schließung ist laut Konzernumfeld frühestens nach 2030 geplant. Falls möglich, sollen andere Unternehmen die Werke übernehmen.

Parallel dazu will Blume die Konzernstruktur grundlegend neu ordnen. Sowohl die Kernmarke VW als auch die in der Einheit „Komponenten“ gebündelten Teilewerke sollen aus dem bisherigen Konzernverbund herausgelöst und in eigenständige Gesellschaften überführt werden. Befürworter der Neuaufstellung argumentieren, ein solches Modell ermögliche mehr Fokus und eine klarere Steuerung der Marke.

Kritiker, insbesondere auf Arbeitnehmerseite, fürchten hingegen, dass eine Abspaltung das VW-Gesetz unterlaufen könnte. Dieses sichert dem Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, eine Sperrminorität bei wesentlichen Entscheidungen der Hauptversammlung.

Blume plant radikalen Konzernumbau bei VW

Die Sparbeschlüsse reichen über Stellenabbau und Werksschließungen hinaus. Blume plant, die Investitionen für die kommenden fünf Jahre um rund 15 Prozent auf gut 130 Milliarden Euro zu kürzen. Um das zu erreichen, soll die Zahl der angebotenen Konzernmodelle von 150 auf weniger als 100 sinken. Die Marken sollen künftig deutlich stärker auf gemeinsame Gleichteile setzen. Für Audi ist zwar eine Fertigung in den USA vorgesehen, allerdings nicht in einem eigenen Werk, sondern zusammen mit der neuen Pick-up-Marke Scout in South Carolina.

Den Hintergrund für die Radikalität der Pläne liefert die wirtschaftliche Lage des Konzerns. Die Verkaufszahlen stagnieren bei rund neun Millionen Fahrzeugen jährlich, die operative Umsatzrendite halbierte sich 2025 auf rund drei Prozent. In einer internen Befragung stuften sechs von neun Vorstandsmitgliedern und Porsche-Chef Michael Leiters die Lage des Unternehmens als existenzgefährdet ein. Auch drei Viertel der befragten Aufsichtsratsmitglieder teilten diese Einschätzung.

Nun wird das Konzept am 9. Juli dem Aufsichtsrat vorgelegt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Betriebsratschefin Daniela Cavallo haben bereits signalisiert, dass sie Werksschließungen nicht akzeptieren werden. In Wolfsburg rechnet man dem Vernehmen nach mit längeren Verhandlungen. Am Tag darauf, dem 10. Juli, trifft sich der Topmanagementkreis in München.

Quelle: Manager-Magazin – Volkswagen will bis zu 100.000 Stellen streichen

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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